Der Iran wählt einen neuen Präsidenten - das ist auch für den Westen spannend

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HASSAN RUHANI
Der aktuelle iranische Präsident Hassan Ruhani steht für die Öffnung des Landes | Vahid Salemi/AP/dpa
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  • Am Freitag wählen die Iraner einen neuen Präsidenten
  • Sie entscheiden damit, ob sich der Gottesstaat öffnet - oder abschottet

In vier Tagen ist Präsidentschaftswahl im Iran. Es ist eine Wahl, die auch für den Westen, für Deutschland, spannend ist:

Der Iran ist einer der wichtigsten Player in der Region. Er gilt als Gegenpol zu Saudi-Arabien, ist in die Konflikte im Nahen Osten involviert. Er hat Kämpfer nach Syrien geschickt und stützt die libanesische Partei und Miliz Hisbollah. Außerdem ist der Iran Atommacht.

Das sind die wichtigsten Informationen zur Wahl:

Worum es bei der Wahl geht

Der Atomdeal mit den Weltmächten bleibt wichtiges Thema. Dabei geht es für die Wähler nicht um das Wiener Abkommen von 2015 selbst, sondern um die von Präsident Hassan Ruhani betriebene vorsichtige Öffnung des Landes zum Westen. "Die Wahl ist daher auch eine Art Referendum für oder gegen diese Öffnung", sagt ein Politologe in Teheran.

Eine Niederlage des 68-jährigen Ruhani gegen die erzkonservativen Gegenkandidaten könnte diesen Öffnungskurs – und damit auch den Atomdeal – blockieren.

Zwei Kandidaten sind schon aus dem Rennen

Einer der vehementesten Kritiker des Atomabkommens, Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad, ist nicht mehr im Rennen. Der umstrittene Hardliner und Holocaust-Leugner wurde von dem Wahlbeobachtergremium überraschend ausgeschlossen. Angeblich wollte selbst der Klerus seinetwegen keine weiteren Spannungen mit dem Westen riskieren.

Von den anderen fünf Kandidaten ist einer - Teherans Bürgermeister Mohammed Bagher Ghalibaf - überraschend zurückgetreten.

Diese Kandidaten stehen zur Wahl

  • Ebrahim Raeissi: Der 1960 in Maschhad geborene Kleriker und Jurist ist Spitzenkandidat des erzkonservativen Lagers. Nach der Revolution stieg er bis zum Generalstaatsanwalt auf. Im vergangenen Jahr wurde er Leiter des Mausoleums des sechsten schiitischen Imams Resa, was im Iran als eines der prestigeträchtigsten Ämter gilt. Es wird auch spekuliert, dass Raeissi Nachfolder des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei werden könnte. Raeissi kritisiert den Atomdeal - der habe trotz der Aufhebung der Sanktionen dem Land wirtschaftlich nichts gebracht.
  • Mostafa Agha Mirsalim: Der 1947 in Teheran geborene Professor an der Amir-Kabir-Universität der Hauptstadt ist ebenfalls Kandidat des erzkonservativen Lagers. Zwischen 1994 und 1997 war er Kultusminister. Danach kehrte er der aktiven Politik den Rücken und war nur eines der vielen Mitglieder im Schlichtungsrat, einem Vermittlungsgremium zwischen Regierung und Parlament. Ihm werden bei der Wahl kaum Chancen eingeräumt.
  • Eshagh Dschahangiri: Der 1957 in Sirdschan geborene Politiker ist ein Reformer und seit August 2013 der Vize von Präsident Hassan Ruhani. Dschahangiri ist auch wegen seiner bescheidenen und ehrlichen Art einer der beliebtesten iranischen Politiker. Auch der Klerus und die konservative Opposition schätzen ihn. Bei der Wahl jedoch gilt Dschahangiri eher als der "Wasserträger" Ruhanis, der besonders bei TV-Debatten dem Präsidenten zur Seite stehen soll. Viele Beobachter sehen ihn aber schon als Ruhanis Nachfolger bei der Präsidentenwahl im Jahr 2021.
  • Mostafa Hashemi-Taba: Der 1940 in Isfahan geborene Reformer war schon unter Präsident Mohammed Chatami (1997-2005) als Vizepräsident im Amt. Er war lange auch Präsident des iranischen Olympiakomitees tätig. Obwohl er in Reformerkreisen respektiert wird, hat er jedoch nicht das notwendige Charisma, um Präsident Hassan Ruhani ernsthaft herausfordern zu können.

Der Favorit

Die größten Chancen auf einen Machtwechsel hat damit der Kleriker Raeissi. Als Kandidat des Establishments genießt der ehemalige Generalstaatsanwalt Raeissi die volle Unterstützung des Klerus.

Er hat allerdings keine politische Erfahrung und ist nach Ansicht von Vize-Präsident Eshagh Dschahangiri ein "Polit-Praktikant". Sein Chef Ruhani warnt außerdem vor der stockkonservativen Politik Raeissis. "Um Frauen und Männer voneinander zu trennen, planen die (Erzkonservativen) sogar, Mauern auf den Straßen zu bauen", behauptet der Präsident.

Mehr zum Thema: Iran: „Wahlen" unter der religiösen Diktatur

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