Nordkorea schießt nächste Rakete ab - sie könnte Atomsprengköpfe tragen

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RAKETE
Menschen schauen am 14.05.2017 am Bahnhof in Seoul (Südkorea) auf einen TV-Bildschirm, auf dem eine Archivaufnahme von einem früheren nordkoreanischen Raketentest zu sehen ist. | dpa
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  • Nordkorea hat erneut eine Rakete getestet
  • Sie wäre geeignet, auch einen Atomsprengkopf zu tragen
  • Machthaber Kim Jong Un droht den USA mit der Reichweite seiner Waffen

Mit einem neuen Raketentest hat Nordkorea die Welt herausgefordert - und die Pläne der neuen südkoreanischen Führung für eine Rückkehr zur Entspannungspolitik infrage gestellt.

Trotz UN-Sanktionen und militärischer Drohgebärden der USA zündete Nordkorea eine ballistische Rakete, die möglicherweise Atomsprengköpfe tragen kann.

Die USA drohten daraufhin eine weitere Verschärfung der Sanktionen an. Südkorea, Japan, Frankreich und Deutschland verurteilten den Test, China und Russland äußerten ihre Sorge über die Entwicklung. Die Europäische Union erklärte sich bereit, einen "glaubhaften" Dialog Nordkorea mit der Weltgemeinschaft zu unterstützen.

Kim Jong Un droht den USA

Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Montag unter Berufung auf die nordkoreanische Agentur KCNA berichtet, sagte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, die USA sollten die Realität nicht verkennen. Das US-Festland und das US-Einsatzgebiet im Pazifik seien in Reichweite für Angriffe Nordkoreas. Man habe alle Mittel für einen Vergeltungsschlag.

Ziel des Tests war laut KCNA, die Zahl der Raketen zu erhöhen, die Atomsprengköpfe tragen können. Das Geschoss sei 787 Kilometer weit geflogen und habe eine Höhe von mehr als 2100 Kilometern erreicht. Der Test sei erfolgreich gewesen.

Rakete soll 700 Kilometer weit geflogen sein

Nach Angaben des Generalstabs der südkoreanischen Streitkräfte hob die Rakete am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) in der Nähe der Grenze zu China im Nordwesten des Landes in Richtung offenes Meer ab. Sie sei etwa 700 Kilometer weit geflogen. Nach Angaben des US-Militärs stürzte die Rakete ins Japanische Meer (Koreanisch: Ostmeer). Der genaue Raketentyp war zunächst unklar.

Die Regierung in Tokio prüfe, ob es sich um einen neuen Typ handele, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Demnach erreichte die Rakete eine Höhe von mehr als 1000 Kilometern und befand sich 30 Minuten in der Luft.

Die Flugbahn sei nicht "im Einklang mit einer Interkontinentalrakete" gewesen, teilte das US-Pazifikkommando mit. US-Experten sprachen sogar von einer Flughöhe von 2000 Kilometern. Die Rakete hätte demnach eine Reichweite von 4500 Kilometern, schrieb der Physiker David Wright in seinem Blog.

Siebter Test in diesem Jahr

Es ist bereits Nordkoreas siebter Raketentest in diesem Jahr. Im April hatte das kommunistische Land zwei Mittelstreckenraketen getestet, beide Versuche schlugen aber nach Angaben Südkoreas fehl.

Für den neuen südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In, der erst vier Tage zuvor die Amtsgeschäfte übernommen hatte, ist der Raketentest eine politische Herausforderung. Während die USA mit der Entsendung eines Flugzeugträgerverbandes den Druck auf Nordkorea erhöhten, hatte Moon den Wunsch geäußert, zur "Sonnenscheinpolitik" der Entspannung mit Nordkorea zurückzukehren.

"Selbst wenn ein Dialog möglich ist, sollten wir Nordkorea zeigen, dass dies nur dann möglich ist, wenn Nordkorea seine Haltung ändert", sagte Moon im nationalen Sicherheitsrat. Er warnte das Nachbarland, die Lage falsch einzuschätzen. Moon hatte im Wahlkampf für eine Politik der Annäherung plädiert, aber Nordkorea auch vor weiteren Provokationen gewarnt.

USA fordern "viel stärkere Sanktionen"

Das Weiße Haus erklärte am Samstag, Pjöngyangs jüngste Provokation solle allen Ländern als Aufforderung dienen, "viel stärkere Sanktionen gegen Nordkorea in Kraft zu setzen". Nordkorea sei schon viel zu lange eine offenkundige Bedrohung.

Präsident Donald Trump könne sich auch nicht vorstellen, dass Russland über den Test erfreut sei - schließlich sei die Rakete näher an russischem als an japanischem Gebiet niedergegangen.

Die Präsidenten Chinas und Russlands, Xi Jinping und Wladimir Putin, äußerten sich laut russischen Angaben in Peking am Rande des "Seidenstraßen"-Gipfels am Sonntag besorgt darüber, "wie sich die Lage entwickelt und die Spannungen steigen". China rief alle Parteien zur Zurückhaltung auf, um die Spannungen in der Region nicht zu verschärfen.

Die Lage in der Region ist bereits nach zwei Atomversuchen und zahlreichen Raketentests Nordkoreas seit dem vergangenen Jahr sehr angespannt. US-Präsident Trump drohte mehrfach mit Alleingängen im Atomstreit mit Nordkorea. Auch schloss er einen Militärschlag nicht aus. Die USA befürchten, dass Nordkorea eines Tages über Atomraketen verfügt, die auch das amerikanische Festland erreichen könnten.

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