Medien zur NRW-Wahl: "Ruhe in Frieden Schulz-Effekt"

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Medien zur NRW-Wahl: "Zeit, wieder über den Merkel-Effekt zu sprechen" | Thilo Schmuelgen / Reuters
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  • Dritte Landtagswahl, dritte Niederlage - die SPD verliert auch in ihrem Stammland NRW
  • Die deutschen und internationalen Medien interpretieren das auch als fatales Signal für Martin Schulz
  • Die CDU bekommt für ihren Sensationssieg Anerkennung - genauso wie der "Königsmacher" Christian Lindner

Wie gut sah es noch aus, Mitte März, für die SPD. Die Euphorie um den neuen Kanzlerkandidaten Martin Schulz war groß, die Umfragewerte der Partei hoch - auch in den drei Wahlländern Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

Jetzt ist alle Euphorie verflogen: Nach bereits zwei Landtagswahl-Schlappen hat die SPD auch in NRW, ihrer eigentlichen Hochburg, verloren. Und der noch vor Wochen gefeierte Martin Schulz steht jetzt heftig in der Kritik.

Gerade auch in den Medien, die das Katastrophenergebnis in Nordrhein-Westfalen kommentierten.

Schulz "weniger eine Verheißung als eine Hypothek"

Von einem "SPD-Infarkt" schreibt etwa die "WirtschaftsWoche". Das Debakel in NRW sei auch eine Ohrfeige für Martin Schulz. Der sei für Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zu einer Belastung geworden, "zum Menetekel für Wahlniederlagen." Und so könne für Schulz der Bundestagswahlkampf bereits vorbei sein.

In gleicher Weise argumentiert der "Economist". "Ruhe in Frieden, Schulz-Effekt", kommentiert das Wirtschaftsmagazin den Ausgang der Wahl. Die NRW-Wahl sei ein Testlauf für die Bundestagswahl gewesen - und der habe gezeigt, dass die SPD der CDU in Kernthemen wie Bildung und innere Sicherheit überlegen sei. "Es ist vielleicht Zeit, wieder über den Merkel-Effekt zu sprechen."

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"Von wegen 'Schulz-Zug'", schreibt auch der Tagesspiegel. Aus der Kanzlerkandidatur von Martin Schulz sein "weniger eine Verheißung als eine Hypothek geworden." Jetzt würde Schulz voraussichtlich kein Bundeskanzler werden, schreibt die Zeitung. Da müsste ihm schon etwas einfallen, das an ein Wunder heranreicht. "Oder schlichter: Er sagt, wozu er die Macht haben will, ganz konkret, in allen Bereichen."

Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" machte Schulz für die Niederlage im bevölkerungsreichsten Bundesland verantwortlich: "Wenn er irgendwo in Deutschland die SPD zum Sieg führen würde, dann doch wohl in Groß-Würselen, in Nordrhein-Westfalen!" Die Wirkung seines Aufstiegs an die SPD-Spitze sei ausgerechnet hier verpufft.

"Sie landet dort, wo schon Sigmar Gabriel stand: in den Trümmern, die am Sonntag schon wieder zum Vorschein kamen."

Ähnlich argumentiert die "Neue Osnabrücker Zeitung". Sie schreibt von einem rasanten Kursverfall der Schulz-Aktie. "Die CDU gewinnt in NRW das dritte Mal in Folge eine Landtagswahl", schreibt die Zeitung. "Die SPD hat mit jeder immer weniger Grund zur Annahme, ihr Kandidat Martin Schulz könne direkt aus Europa den Sprung in das Kanzleramt schaffen."

Im Super-Wahljahr 2017 laute das Zwischenergebnis nun 3:0 für die CDU.

"Laschet bediente erfolgreich die diffuse Unzufriedenheit in der Bevölkerung"

Vorsichtiger kommentierte das Wahlergebnis die "Süddeutsche Zeitung". "Nordrhein-Westfalen ist nicht nur hin- und hergerissen zwischen verklärter Vergangenheit und unklarer Zukunft, sondern auch zwischen SPD und CDU", schrieb das Blatt. In der webgestützten Moderne würden Wähler magisch vom Spektakel um Personen und Parteien angezogen - "sind aber auch schnell wieder gelangweilt."

So bleibe vom Schulz-Hype nur die Erinnerung, doch wenn auf etwas Verlass sei, dann darauf, dass sich die Dinge sehr schnell ändern könnten: "Dies an die Adresse der Union, wenn sie glaubt, nun sei die Bundestagswahl gewonnen."

Die Christdemokraten erhielten für ihren Sieg im Stammland der SPD aber auch Anerkennung - selbst von der "taz". "Der sich jetzt abzeichnende Sensationswahlsieg der CDU zeigt: Der Genosse Trend ist ein Christdemokrat geworden", schrieb die Zeitung.

Die Zweifel am CDU-Spitzenkandidaten Laschet seien lange groß gewesen. "Tatsächlich ist die Strategie Laschets, die rot-grüne Landesregierung an ihren Schwachstellen zu packen, aufgegangen. Erfolgreich bediente er die diffuse Unzufriedenheit in der Bevölkerung."

Christian Lindner sei nach Merkel der zweite Gewinner der Wahl - "ein Königsmacher", schreibt Politico

Jetzt warte auf den Wahlsieger eine Herkulesaufgabe, schreiben die "Westfälischen Nachrichten".

"Denn mit dem Machtwechsel verbindet sich eine gigantische Erwartungshaltung an den zukünftigen Regierungschef. Bildung, Straßenbau und innere Sicherheit hat er als rot-grüne Baustellen im Wahlkampf identifiziert - und muss jetzt liefern, mit welcher Koalition auch immer." Zur Hilfe eilen können Laschet dabei die FDP. "Der fulminante Wahlerfolg der FDP könnte das schwarz-gelbe Wunschbündnis möglich werden lassen."

Auch dem US-Magazin "Politico" war das erstaunlich starke Ergebnis der Liberalen nicht entgangen. Christian Lindner sei nach Merkel der zweite Gewinner der Wahl - "ein Königsmacher". Egal, wie die Bundestagswahl ausgehe, CDU und SPD könnten von einer starken FDP bei den Koalitionsverhandlungen abhängig sein. "In anderen Worten, Lindner ist derjenige, auf den man jetzt schauen muss."

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Mit Material der dpa

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(ujo)

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