Kaufhaus-Sicherheitsmann verrät: Warum ich bei Verdächtigen zuerst auf die Schuhe schaue

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Kaufhaus-Sicherheitsmann: Warum ich bei Verdächtigen zuerst auf die Schuhe schaue | iStock
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Frauen, die auf einmal gestohlene Fladenbrote aus ihrem Rock hervorziehen oder Kunden, die immer wieder Elektro-Geräte stehlen, ohne dabei erwischt zu werden: Über Langeweile können sich deutsche Sicherheitsmänner nicht beklagen.

Etwa 378.000 erfasste Laden-Diebstähle verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr. Doch das ist laut Berliner Sicherheitsmännern noch nicht einmal die Hälfte, denn, so sagen zwei von ihnen der HuffPost: Die meisten Diebe fassen sie gar nicht erst.

Diese seien mittlerweile so gewieft, dass es selbst den geschulten Augen des Security-Personals immer schwerer falle, sie beim Klau zu erwischen. Langjähriges Security-Personal konzentriert sich deshalb auf bestimmte Merkmale, um Verdächtige als potentielle Diebe zu erkennen.

Der Kaufhaus-Sicherheitsmann einer großen Elektrofachmarkt-Kette in Berlin verriet der HuffPost, auf welches überraschende Detail er bei Kunden als erstes achtet: die Schuhe.

Sicherheitsmann: "Die Schuhe sagen alles"

"An den Schuhen erkenne ich sofort, ob jemand aus gutem Hause kommt oder nicht", sagt der Sicherheitsmann. "Die Kunden mit teuren Schuhen fallen deshalb tatsächlich zunächst aus meinem Radar - die Erfahrung zeigt einfach, dass besser gekleidete Menschen seltener klauen."

Es bestätige zwar ein unschönes Klischee, gibt der Sicherheitsmann zu, aber einige Obdachlose würden immer wieder versuchen, bei ihnen zu stehlen.

"Oft kriegen die es hin, dass sie ganz normal gekleidet sind, also nicht weiter auffallen. Doch wirklich gute Schuhe kann man sich nicht leisten, wenn man kein Geld hat", sagt der Sicherheitsmann. "Wegen kaputter Schuhe habe ich deshalb schon oft Kunden verdächtigt - und leider oft zurecht, wie sich dann meist wenig später gezeigt hat."

Sobald er einen Verdächtigen entdecke, führe er unauffällig sein Funkgerät zum Mund und sage "Zentrale an Detektive" plus den Aufenthaltsort des Diebes, also zum Beispiel "Etage drei, Regal vier". Die Kaufhausdetektive im Stockwerk über ihm würden sich dann dem jeweiligen Monitor widmen, um den Dieb zu beobachten - und das Security-Personal im Ernstfall über Funk zum Einschreiten auffordern.

"Man darf nicht einfach in einen Rucksack greifen"

Eine andere Möglichkeit sei es, dass ein Sicherheitsmann oder Kaufhaus-Detektiv den Verdächtigen direkt anspreche. Doch auch hierbei gibt es Probleme. Denn nur weil sie einen Verdacht hegen, darf das Security-Personal niemanden festhalten.

"Wir dürfen auch nicht einfach in Rucksäcke reinpacken, selbst wenn wir vermuten, dass sich etwas darin befindet", sagt der Sicherheitsmann. "Das dürfen wir nur, wenn wir einen Augenzeugen haben oder den Diebstahl auf Kamera aufgezeichnet haben. Das erschwert die Sache natürlich."

Ein anderer Sicherheitsmann einer großen Berliner Bank hat zuvor jahrelang bei einem Lebensmittel-Discounter gearbeitet. Er kennt die Maschen der Alltags-Diebe.

"Sie hat ein Fladenbrot unter ihrem Rock hervorgezogen"

"Das glaubt man gar nicht, was sich Leute so alles einfallen lassen. Frauen sind da besonders kreativ", sagt er und muss beim Gedanken daran noch immer ungläubig lachen. Vor Jahren seien vier Frauen mit langen und schwingenden Röcken in den Supermarkt gekommen.

Sie hätten sich im Laden aufgeteilt und nach und nach verschiedenste Lebensmittel unter ihren Röcken verschwinden lassen. Er habe es bei einer der Frauen mit eigenen Augen gesehen, aber das Konzept nicht verstanden. Glücklicherweise hatten die Kameras die Tat aufgezeichnet.

Er hielt die Frauen auf. Sie stellten sich und hoben ihre Röcke an, sodass der Sicherheitsmann sehen konnte, was sich darunter befand: eingenähte Säcke voller Lebensmittel.

"Eine hat ein ganzes Fladenbrot unter ihrem Rock hervorgezogen", sagt er.

"Vor allem Frauen sind kreativ beim Stehlen"

Noch seltsamer sei ihm lediglich eine alte Dame vorgekommen, die seiner Meinung nach "stinkreich" ausgesehen habe. Trotzdem sei sie durch die Regale geschlichen und habe nach und nach mehrere Pakete Butter, Käse und Milch in ihrer Designer-Tasche verschwinden lassen.

Er hielt sie auf und auch sie stellte sich. "Bei Butter spare ich eben gerne", habe sie gesagt.

Die meisten Diebe seien zum Glück einsichtig und kleinlaut, sobald sie erwischt werden, erzählt der Sicherheitsmann. "Nur ein Problem gibt es eben immer noch: Mehr als die Hälfte von ihnen entwischt uns."

Jetzt bemühen sie sich im Kaufhaus in Berlin, noch weitere verdächtige Anzeichen zu entschlüsseln - abgesehen von den Schuhen.

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(lk)

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