"Hart aber fair": Plasberg würgt Söders Loblied auf Merkel ab - der reagiert überraschend empfindlich

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FRANK PLASBERG
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Noch vor Kurzem schien es, als sei SPD-Chef Martin Schulz die Kanzlerschaft schon sicher. Doch nach drei verlorenen Landtagswahlen hat er sich vom "Heilsbringer zum Scherbenaufsammler" entwickelt.

"Ist Schulz nach drei Runden bereits K.O.?", fragte Frank Plasberg in seiner Talkshow "Hart aber fair" seine Gäste. Einer aus der Runde, der CSU-Mann Markus Söder, konnte seine Schadenfreude über das Wahldebakel der SPD in Nordrhein-Westfalen nur schwer zurückhalten.

"Das war eine Erdrutschwahl“, sagte der bayerische Staatsminister für Finanzen. "Der Schulz-Effekt zieht die SPD weiter runter."

"Sein Grundproblem ist, dass er mit Erwartungen angetreten ist, die er nicht erfüllen kann." Für Schulz sei die Kanzlerschaft als Herausforderung zu groß. Wann immer möglich sagte der CSU-Politiker, dass die Kanzlerin für Sicherheit und Verlässlichkeit stehe und wies auf das Versagen der SPD beim Thema Innere Sicherheit hin.

"Wenn Sie der Frage nachgehen, wer in diesen unsicheren Zeiten das Zentrum von Stabilität ist - da fällt ihnen nicht Martin Schulz ein."

Söders Loblieder auf Merkel wurden Plasberg zu viel - der Moderator würgte den CSU-Mann ab.

"Die neusten Erhebungen bei Talkshow-Zuschauern zeigen, wenn einer zu viel an sich reißt, ist das nicht sympathisch", sagte Plasberg.

Söder reagierte überraschend empfindlich: "Wissen Sie, wann was die Zuschauer auch schlecht finden? Wenn einer immer entgegnen darf und der dann nimmer ausreden darf - nach meinen Umfragen."
"Alles gut", beruhigte in der Moderator. "Gehen Sie jetzt mal in Vorleistung!"

Die neue Liebe der CSU zu Kanzlerin fiel auch dem SPD-Bundesfraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann auf: "Ich finde es bemerkenswert, wie die Unionsparteien, wenn es dem Machterhalt dient, zusammenhalten."

Aber dies sei keine echte Versöhnung. "Der Konflikt wird nur auf die Zeit nach der Wahl vertagt. Merkel fährt auf Sicht. Was mich stört ist, dass sie die Probleme nur aussitzt.“

"Der Aufstieg der SPD war kometenhaft, das war kein normales Wachstum", sagte der Sozialdemokrat über den Schulz-Hype. Das Umfrage-Hoch habe gezeigt, dass viele Menschen in Deutschland Merkel nicht mehr als Kanzlerin wollen würden. "Martin Schulz kann Menschen begeistern - auch solche, die sich von der Politik abgewendet haben."

Der "Tagesspiegel"-Kolumnist Hajo Schumacher stellte fest, dass Schulz Äußerungen zu einer gemeinsamen europäischen Finanzpolitik ein Fehler gewesen seien.

"Wenn man betrachtet, mit welcher Begeisterung die Bundesbürger Milliardenzahlungen an Griechenland bejubelt haben...", sagte er sarkastisch. "Das ist ein toxisches Thema, von dem man als Wahlkämpfer die Pfoten lassen sollte."

Die "Spiegel"-Redakteurin Christiane Hoffmann fragte sich, wie Schulz angesichts seiner hervorragenden Umfragewerte die "extrem gute Ausgangslage" verspielen konnte.

Unfassbar sei das. Sie warf ihm vor, dass er zwar die große Losung "Gerechtigkeit" verkündet habe, dann aber nicht konkret geworden sei. Schulz habe versucht, wie Merkel keine konkreten Themen zu setzen, sich nicht angreifbar zu machen. Das habe aber nicht funktioniert, weil ihn die Bürger im Unterschied zur Kanzlerin nicht kennen würden.

"Das Schulz-Hoch hat gezeigt, dass es ein Potential für einen Wechsel gibt", sagt die Journalisten. Die Erfolge von Emmanuel Macron in Frankreich und Sebastian Kurz in Österreich hätten gezeigt, dass es eine Sehnsucht nach einem "vitaleren", "visionären" Politikstil gebe.

Immerhin hat Oppermann die Hoffnung auf einen Wahlsieg im September noch nicht aufgegeben.

"Die Niederlage tut weh", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende zum Ergebnis in NRW. Trotzdem konnte er ihr etwas Gutes abgewinnen: "Aber wir sehen auch, Wahlen werden auf den letzten Metern verloren."

Die Hoffnung stirbt eben zuletzt.

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(ll)