Viele Freibäder wollen ein Fotoverbot einführen - es regt sich massiver Widerstand

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SCHWIMMBAD
Viele Freibäder wollen ein Fotoverbot einführen - doch vor allem Eltern sind nicht begeistert. | dpa
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Die Temperaturen steigen, die Fahrräder werden aus dem Keller geholt und die Deutschen freuen sich auf die Schwimmbadsaison.

In diesem Jahr aber droht Aufruhr. Denn viele Freibäder wollen ein Verbot durchsetzen, das es zwar schon länger gibt, bisher aber weitgehend unbeachtet blieb: Sie wollen das Fotografieren verbieten.

Smartphones müssen entweder in der Tasche bleiben oder die Kamera wird mit einem speziellen Siegel überklebt, das das Fotografieren unmöglich macht. Aufsichtspersonal soll darauf achten, dass Badegäste die Vorschrift einhalten. Wer sich nicht fügt, kann des Bades verwiesen werden.

Die Kinder sollen geschützt werden

Eine der Einrichtungen, die eine solche Regel geltend machen wollen, ist das Waldschwimmbad Rosenhöhe im hessischen Offenbach. Matthias Wörner, Vorsitzender des Ersten Offenbacher Schwimmclubs, begründet seinen Entschluss damit, man wolle die Privatsphäre der Gäste schützen - insbesondere der Kinder.

“Warum sollen fremde Menschen spielende Kinder fotografieren?”, sagte er der “Bild”-Zeitung. “Wir haben Leute mit Unterwasserkameras aus dem Becken geholt. Und das ist nur die Spitze des Eisberges.”

Dass sein Verbot nicht bei allen Badegästen gut ankommen wird, darauf ist Wörner vorbereitet.

Gerade bei Eltern, deren Nachwuchs ja eigentlich von der Regelung profitieren soll, stößt das Foto-Verbot teils auf Unverständnis.

"Ich muss diesen ruppigen Weg gehen"

Mütter und Väter verleihen in Internetforen ihrem Frust darüber Ausdruck, dass sie ihre Kinder nicht mehr beim Schwimmkurs vom Beckenrand aus ablichten können.

Für Wörner ein Argument, das er nicht gelten lassen will. "Ich werde die Eltern fragen, ob sie möchten, dass ein Fremder heimlich knipst und die Bilder ins Netz stellt", sagte er der “Bild”. “Ich muss diesen ruppigen Weg gehen.”

Laut Badleiter André Kühner soll die Kontrolle deswegen vor allem in dem Bereich um das Planschbecken für Kinder besonders rigoros sein. Glücklicherweise handele es sich um eine Präventionsmaßnahme, wie er der “Süddeutschen Zeitung” sagte. "Bei uns hat es bislang keine skandalösen Vorfälle gegeben."

Die Offenbacher stehen nicht allein da. Auch in anderen Freibädern soll ab diesem Sommer ein strenges Foto-Verbot gelten.
Die “Süddeutsche Zeitung” berichtet von explodierenden Verkaufszahlen beim Unternehmen Lens Seal. Die deutsche Firma stellt Aufkleber her, die bei Smartphones die Kameralinse verdecken können.

Bereits an rund ein Dutzend Bäder in Deutschland habe der Hersteller seine Aufkleber verkauft.

Die Bademeister werden noch mehr zu tun haben

Neu ist die Vorschrift nicht - schon seit Langem weisen Hinweisschilder am Eingang von Freibädern darauf hin, dass das Fotografieren Dritter nicht erlaubt ist.

Wirklich nachgeprüft haben die Badbetreiber das aber bisher nicht. Das soll sich nun ändern - und wird für die Bademeister, die meist ohnehin schon reichlich zu tun haben - sicherlich viele Diskussionen nach sich ziehen.

Wie man mit wütenden Eltern umgehen will, die sich des Rechts beraubt fühlen, die ersten Schwimmversuche ihrer Kleinen zu filmen? Das müsse noch geklärt werden, sagte Kühner der “Süddeutschen Zeitung”.

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(lm)

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