Ehemaliger Chirurg enthüllt: So erschreckend sind die Zustände in deutschen Operationssälen

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Ehemaliger Chirurg enthüllt: So schockierend sind die Zustände in deutschen OP-Sälen | sturti via Getty Images
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  • Tausende Menschen in Deutschland sterben, weil Ärzte Fehler bei der Behandlung machen
  • Zu diesem Ergebnis kam bereits im Jahr 2014 die Krankenkasse AOK
  • Jetzt hat der ehemalige Chirurg Max Leonhard über die desolaten Zustände in deutschen OP-Sälen berichtet

19.000 Menschen sterben im Jahr, weil Ärzte Fehler bei der Behandlung machen. Zu diesem Schluss kam der Krankenhaus-Report der AOK im Jahr 2014. Der ehemalige Ulmer Herzchirug Max Leonhard hat viele dieser Fehler selbst erlebt - und ist deshalb aus der Medizin ausgestiegen.

Jetzt berichtet er über die erschreckenden Zustände in deutschen Operationssälen.

Leonhard hat dafür einen Roman geschrieben, einen fiktiven Krimi, der aber auf seinen realen Erfahrungen basiert. Er will "gnadenlos mit den Machenschaften der Medizin, Justiz und Gesellschaft abzurechnen“, heißt es in der Pressemitteilung zu seiner Buchvorstellung, von der die "Augsburger Allgemeine" berichtet.

Leonhard: 30.000 tödliche Fehler pro Jahr

„Wir haben damals allerdings 48 Stunden durchoperiert, was es heute nicht mehr in diesem Ausmaß gibt. Danach waren wir in einem Zustand, der der Volltrunkenheit gleichkam", sagte Leonhard laut der Zeitung. Auf solche Weise würden Fehler aus Unachtsamkeiten entstehen - und damals wie heute hätten Kliniken keinen Grund, gegen Fahrlässigkeiten vorzugehen oder die Arbeitsbedingungen ändern.

Leonhard behauptete gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" auch, dass von Patienten beklagte Ärzte selten zur Rechenschaft gezogen würden. Und er nennt eine erschreckende Zahl: Laut diversen Studien würden pro Jahr bis zu 300.000 Kunstfehler in deutschen Kliniken begangen werden. Davon etwa 30.000 mit tödlicher Konsequenz für den Patienten.

"Wir lassen ahnungslose Menschen in ihr Verderben laufen"

„Wir lassen durch Flüchtigkeitsfehler in den Operationssälen ahnungslose Menschen in ihr Verderben laufen“, zitiert die "Augsburger Allgemeine" den 62-Jährigen. „Das ist ein Verbrechen der unterlassenen Hilfeleistung.“ Er berichtet auch über ältere Patienten, die als Versuchskaninchen für Experimente auf dem OP-Tisch benützt würden. „Das war ein Vabanquespiel und hat mit der Ethik eines Arztes nicht mehr zu tun.“

Leonhards Fazit, laut der "Augsburger Allgemeinen": Im Straßenverkehr gebe es mehr Regeln und Sanktionen als in der Medizin.

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(pb)