ESC-Star Salvador Sobral: Ein Gewinner mit Haltung

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Beeindruckender ESC-Gewinner: Salvador Sobral

Als Salvador Sobral (27) und seine Schwester Luisa Sobral (29), die "Amar Pelos Dois" für ihn geschrieben hatte, den ESC-Gewinnertitel am Schluss der Veranstaltung zusammen performten, war der Gänsehautfaktor fast noch größer als bei seinem Solo im ersten Durchgang. Dennoch geht es dem in Lissabon geborenen Künstler nicht nur um Emotionen, er ist auch ein nachdenklicher und kluger Kopf:

Sein Titelgewinn sei "ein Sieg der Musik, die etwas bedeutet", sagte er zu seinem Erfolg und kritisierte gleichzeitig: "Wir leben in einer Welt völlig austauschbarer Musik - Fast-Food-Musik ohne jeden Inhalt." Musik sei aber kein Feuerwerk. Musik sei Gefühl. "Lasst uns versuchen, etwas zu ändern und die Musik zurückzubringen", so das Statement des kreativen Sprosses einer alten Adelsfamilie.

"Amar Pelos Dois" von Salvador Sobral können Sie hier downloaden

In Portugal wurde Salvador Sobral bereits 2009 bekannt. Damals nahm er an der portugiesischen TV-Castingshow "Idols" teil. Es sollte zwar nur der siebte Platz werden, dennoch brach er sein Psychologie-Studium in Lissabon zu Gunsten der Musik ab. Er ließ sich eine Zeit lang in den USA inspirieren und studierte an der "Taller de Musics" in Barcelona Jazz. 2016 erschien sein Debütalbum "Excuse Me". Auch bei dieser Produktion arbeitete er eng mit seiner älteren Schwester, Jazz-Musikerin Luisa Sobral, zusammen.

Musik statt politischer Statements

Zwar war Salvador Sobral schon vor Beginn des ESCs von den Buchmacher ziemlich weit vorne gesehen worden und auch die deutsche Jury hatte bei der Veranstaltung an der Hamburger Reeperbahn schon von dem gefühlvollen Stück geschwärmt. Trotzdem überraschte er mit seinem schlichten Auftritt vor romantischer Waldkulisse. Eigentlich wollte Sobral aber nicht ganz in Schwarz auf der Bühne stehen, doch im Shirt mit der Aufschrift "S.O.S. Refugees" durfte er nicht raus - offen politische Statement sieht das Reglement des mehr oder weniger europäischen Wettbewerbs nicht vor, so die Begründung.

Im kommenden Jahr wird nun also zum ersten Mal Portugal den großen Gesangswettbewerb ausrichten. Beste Voraussetzungen also, denn die Musik, allen voran der berühmte schwermütige Fado, spielt seit jeher eine wichtige Rolle im südwestlichsten Ende Europas.