Der Bosbach-Effekt: Wie der CDU-Sicherheitsexperte seiner Partei zum Sieg in NRW verholfen hat

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Der Bosbach-Effekt: Wie der CDU-Sicherheitsexperte seine Partei zum Sieg in NRW führte | ullstein bild via Getty Images
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Die Wählerinnen und Wähler haben die SPD in Nordrhein-Westfalen für fünf Jahre voller Sicherheitspannen und gebrochener Gerechtigkeits-Versprechen abgestraft.

Stattdessen triumphiert die CDU. Die Konservativen verdanken ihren Wahlsieg jedoch nicht nur der Schwäche des politischen Gegners – sondern vor allem einem deutlichen Rückenwind aus der Bundespolitik.

Wie die Forschungsgruppe Wahlen am Sonntagabend schrieb, genoss Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel im bevölkerungsreichsten Bundesland deutlich höheres Ansehen als SPD-Herausforderer Martin Schulz.

Neben Merkel dürfte es vor allem Wolfgang Bosbach gewesen sein, der die CDU in NRW auf Siegerkurs brachte.

"Türken-Armin" und sein Terrier

Eigentlich hatte Bosbach im August vergangenen Jahres seinen Rücktritt aus der Politik angekündigt. Doch im April gab der Innenexperte dann plötzlich bekannt, er werde CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet als Sicherheitsexperte unterstützen.

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Und die Umfragewerte der Partei schnellten in die Höhe. Denn Laschet gilt in seiner Partei und bei vielen Mitte-Rechts-Wählern als zu brav. Bosbach ist für klare Kante bekannt, ein Konservativer, wie er im Buche steht.

So verkörperten Bosbach und Laschet im NRW-Wahlkampf ein Duo wie Merkel und Seehofer – nur ohne die peinlichen Querelen. "Türken-Armin“, wie Parteifreunde Laschet wegen seiner Integrations-Bemühungen lange spöttisch nannten, und der Talkshow-Bullterrier Bosbach: was für ein erstaunliches Duo.

Die Abteilung Attacke

Ununterbrochen ging Bosbach seitdem die SPD-Regierung, insbesondere NRW-Innenminister Ralf Jäger an, der nicht nur im Falle des Terroristen Anis Amri ein erbärmliches Krisenmanagement an den Tag gelegt hatte.

Laschet hingegen kümmerte sich um die liberalen Wähler, die weichen Themen. Er lächelte freundlich in Kameras, schüttelte Hände – und setzte das Thema Innere Sicherheit dann erst auf die Agenda, als Bosbach schon lange vorgeprescht war.

Der ist der Law-and-Order-Feuerwehrmann der Christdemokraten. Und dennoch ein Sympathieträger: Seit Jahren gilt er als einer der beliebtesten Politiker Deutschlands, während der Hochphase der Flüchtlingskrise zog er in Sachen Beliebtheit an Kanzlerin Merkel vorbei, die er immer wieder scharf attackiert hatte.

So ist die Strategie "Zuckerbrot und Peitsche“ ist für die CDU voll aufgegangen. Und so fragen sich wohl erste Parteimitglieder, ob sie auch für die Bundestagswahl ein Modell darstellt.

Denn bisher scheint die Taktik auf Bundesebene erneut Merkel zu heißen. Ob das reicht, wird auch auf die SPD ankommen.

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(sk)

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