"Anne Will": Grüner Trittin macht FDP-Vize ein Angebot - und erhält eine schroffe Abfuhr

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Nach dem Wahlsieg der CDU in Nordrhein-Westfalen kam es in der Talkshow "Anne Will" zu einem bemerkenswerten Schlagabtausch zwischen dem Grünen-Politiker Trittin und FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki (siehe auch Video oben).

Nicht nur in Nordrhein-Westfalen wird nun über Koalitionen verhandelt - sondern auch in Schleswig-Holstein. Trittin wollte Kubicki für ein Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP im nördlichsten Bundesland gewinnen. Doch der erteilte ihm eine eiskalte Abfuhr.

Kubicki freute sich über das zweistellige Ergebnis der FDP in NRW: "Das ist ein Abend für uns zum Freuen, aber nicht, um sich zurückzulehnen." Die Liberalen können nicht nur einen Stimmenzuwachs verzeichnen, sie sind zudem der entscheidende Koalitionspartner.

Der Grüne Trittin versuchte Kubicki zu überreden, in Schleswig-Holstein lieber auf eine Ampel mit der SPD zu setzen, als auf eine Jamaika-Koalition mit der CDU. Dafür brachte er ein sonderbares Argument.

Erstmal lobte er Kubicki, dass er ein guter "Machtpolitiker" sein. Der reagierte schon mal mit hochgezogenen Augenbrauen. Sonst sei er doch für die Grünen immer "der böse Neoliberale", sagte Kubicki überrascht.

Dann erklärt Trittin dem FDP-Mann, dass die Grünen und die FDP als kleine Parteien ein "gemeinsames Interesse an der Begrenzung der Macht der großen" Parteien hätten. Wenn man die Wahl zwischen zwei großen Koalitionspartnern habe, also SPD und CDU, solle man den kleineren nehmen. "Dann bleibt mehr vom Kuchen."

Man solle mit der "geschwächten, kleineren Partei" koalieren, um ihr "mehr Macht abzunehmen". Soll heißen: Kubicki, der sich am heutigen Montag zu Koalitionsgesprächen mit den Grünen in Schleswig-Holstein trifft, solle sich für eine Ampel-Koalition einsetzen.

Trittin will also den Wahlsieger CDU ausbooten, um den Grünen mehr Macht zu sichern - ein geradezu gerissenes Angebot.

Sogar SPD-Familienministerin Manuela Schwesig, die ja ein Interesse am Erhalt einer Regierung mit Beteiligung der Sozialdemokraten haben dürfte, schüttelte angesichts von Trittins Machtspielchen verständnislos den Kopf.

Auch bei Kubicki stieß der Vorschlag auf wenig Gegenliebe. Dieser sei "absurd" und zeige Trittins "Missachtung der FDP", sagte er aufgebracht.

Trittin versuchte, ihn zu beruhigen. Er wolle ihm nur eine Brücke bauen, sagte er. "Sie wollen mir eine Brücke bauen? Ich brauche Ihre Brücke nicht!", entgegnete der FDP-Mann aufgebracht.

"Der Wahlsieger geht in die Opposition, damit man machtpolitisch ein interessantes Spiel hat", fasste Volker Bouffier, Hessens CDU-Ministerpräsident, Trittins Vorstoß zusammen. Das würde nur dazu führen, dass bei den Wählern der Frust steige.

Doch Kubicki versicherte ihm: "Das wird nicht passieren!" Später schob er noch hinterher: "Dieser Trittin ist unerträglich."

Doch auch mit CDU-Mann Bouffier geriet Kubicki noch aneinander. Er nahm der CDU in Nordrhein-Westfalen krumm, einen Wahlkampf gegen die Liberalen geführt zu haben, wozu Bouffier lapidar meinte: "Sind Sie jetzt beleidigt?"

Gastgeberin Will hatte während der Sendung jedoch vor allem Probleme, den sich in Rage redenden Trittin zu unterbrechen, nahm das aber mit Humor: "Ich kriege morgen wieder Ärger von meiner Mutter, sie habe nichts verstanden. Und das am Muttertag."

Mit Material der dpa

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(jg)

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