Blitzanalyse zur NRW-Wahl: 6 Gründe für die Schlappe der SPD

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Blitzanalyse zur NRW-Wahl: 6 Gründe für die Schlappe der SPD | DPA
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  • Bei der Landtagswahl in NRW erlebt die SPD ihr drittes Wahldebakel in Folge
  • Wie in Schleswig-Holstein konnte die CDU die Sozialdemokraten auf den letzten Metern überholen
  • Hier sind sechs Gründe für die Schlappe der SPD

Es ist die dritte Niederlage für die SPD in Folge: 34,5 Prozent der Wahlberechtigten haben laut erster Prognosen in der NRW-Wahl für die CDU mit ihrem Kandidaten Armin Laschet gestimmt, nur 30,5 Prozent für die SPD mit Amtsinhaberin Hannelore Kraft. Die CDU hat damit die SPD auf den letzte Metern überholt.

Selten wurde einer Landtagswahl eine so große Bedeutung zugemessen wie der Wahl in NRW. Für die SPD kam es darauf an, eine Trendwende nach den Niederlagen im Saarland und in Schleswig-Holstein einzuleiten. Für die CDU galt es schon als Erfolg, nur die Nähe des SPD-Ergebnisses zu kommen.

Dass sie dieses nun deutlich übertrumpfte, darf als schwere Niederlage für die SPD und ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz verstanden werden. Und als Omen für die Bundestagswahl.

Schulz wird es nun ungleich schwer fallen, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) abzulösen. "Ich bin auch kein Zauberer", sagte Schulz dazu kurz nach 18 Uhr in Berlin.

Hier sind sechs Gründe für die schwere Schlappe der Sozialdemokraten:

1. Der Schulz-Effekt ist komplett verpufft

CDU und SPD lagen zum Jahreswechsel in vielen Umfragen gleichauf. Dann gab es den Schulz-Hype, was auch den Genossen in Nordrhein-Westfalen extrem half. In Umfragen ging es deutlich nach oben - teilweise auf 40 Prozent.

Nach den beiden Landtagswahlen im Saarland und in Schleswig-Holstein allerdings war der Effekt verpufft. Für die SPD fühlt sich das wie eine herbe Niederlage an, für die CDU wie ein extremer Erfolg. In Wahrheit aber haben sich die Umfragen nur normalisiert.

2. Die Landesregierung hat erheblich an Rückhalt verloren

Nicht nur, dass die rot-grüne Landesregierung bereits seit Jahren keine Mehrheit mehr hat. Mit ihr waren am Ende nur 45 Prozent der Wähler laut Infratest zufrieden.

Das ist ein kritischer Wert - und deutlich weniger als in anderen Bundesländern. In Baden-Württemberg lag die Zustimmung bei der dortigen Wahl bei 70 Prozent, in Rheinland-Pfalz bei 69 Prozent, im Saarland bei 61 Prozent. In allen Bundesländern konnten die Amtsinhaber die Landtagswahl gewinnen.

Eine denkbar schlechte Ausgangslage für Hannelore Kraft.

3. Die CDU hat in den entscheidenden Fragen gepunktet

Die Silvesterübergriffe auf der Kölner Domplatte, der Fall Anis Amri: Eines der wichtigsten Themen bei der Landtagswahl war die innere Sicherheit. Für 15 Prozent der Wähler war das Thema entscheidend. Und eine deutliche Mehrheit (58 Prozent) rechnet der CDU hier die größte Kompetenz unter den Parteien zu.

Die SPD hingegen erreicht nur 23 Prozent. Ein Grund dürfte die schlechte Bilanz des Innenministers Ralf Jäger (SPD) gewesen sein. Er erreichte in der Bevölkerung nur noch eine Zustimmung von etwas mehr als 20 Prozent. Ein katastrophaler Wert.

4. Die SPD hat vor allem Stimmen an Schwarz-Gelb verloren

Die Genossen haben im Vergleich zu den Wahlen 2012 mehr als acht Prozent der Stimmen eingebüßt. Ein großer Teil davon landete bei der CDU. 340.000 ehemalige SPD-Wähler machten ihr Kreuz bei Armin Laschet, 160.000 bei den Liberalen.

5. Schulz hat zu wenige Inhalte geliefert

Schulz hatte sich im Wahlkampf mit bundespolitischen Themen deutlich zurückgenommen - darum hatte ihn Kraft gebeten. Statt auf Inhalte setzte Schulz deswegen auf Show.

Ein Fehler, wie eine Infratest-Umfrage zeigte. Größter Kritikpunkt an den Genossen ist demnach, dass die SPD "nicht sagt, was sie für die soziale Gerechtigkeit machen will".

6. Kraft hat ihren Amtsbonus als Landesmutter fast gänzlich eingebüßt

Ministerpräsidenten können bei Landtagswahlen mit einem Amtsbonus punkten. Nicht so Hannelore Kraft, die diesen Bonus über die Jahre quasi gänzlich aufbrauchte.

Wurde sie 2012 noch als Kümmerin, Landesmutter und Kanzlerhoffnung gefeiert, war bei dieser Wahl fast nichts mehr von ihrer Popularität übrig. Sagten 2012 noch 74 Prozent der Befragten einer Infratest-Umfrage, dass Kraft verstehe, was die Menschen in NRW bewege, waren es 2017 14 Prozent weniger. Und die Hälfte sagte, dass sich Kraft am stärksten um den sozialen Ausgleich kümmere - 13 Prozent weniger als 2012.

Ein ähnliches Bild ergibt ein Blick auf die Zufriedenheitskurve. Waren 2012 noch 76 Prozent zufrieden mit der Arbeit ihrer Ministerpräsidentin, waren es zum Ende des Wahlkampfs nur noch 55 Prozent. Damit war sie noch unbeliebter als FDP-Chef Christian Linder, der mit 60 Prozent Zustimmungswerten der beliebteste Spitzenkandidat in NRW war.

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