Trump lässt seine Anwälte einen Brief über Russland-Verbindungen veröffentlichen - doch das Schreiben ist verdächtig

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Trump lässt seine Anwälte einen Brief über Russland-Verbindungen veröffentlichen - doch die Umstände sind verdächtig | Kevin Lamarque / Reuters
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US-Präsident Donald Trump sieht sich offenbar unter Zugzwang: Nach der Affäre um die Entlassung des ehemaligen FBI-Direktors James Comey veröffentlichte nun seine Anwaltskanzlei einen Brief. Darin soll es um seine finanzielle Verbindungen nach Russland gehen.

"Mit wenigen Ausnahmen (...) weisen Ihre Steuererklärungen kein Einkommen aus russischen Quellen aus", schrieb die Washingtoner Kanzlei Morgan, Lewis & Bockius in einem am Freitag veröffentlichten Schreiben an Trump. Grundlage sind Trumps Steuererklärungen der vergangenen zehn Jahre.

"Russias Law Firm of the Year"

Aber: Nicht nur zeigt diese Veröffentlichung, wie verzweifelt Trump gerade sein muss. Es ist auch ziemlich verdächtig, dass er mit dem Brief eine Kanzlei beauftragt hat, die im vergangenen Jahr zu Russlands Kanzlei des Jahres gekürt wurde.

Mit dem Brief soll offenbar der Verdacht, dass Trump wirtschaftliche Interessen in Russland hat, entkräftet werden.

Unter die im Brief angesprochenen "wenigen Ausnahmen" fällt unter anderem die "Miss Universe Wahl" 2013, die Trump in Russland veranstaltet hat. Das Event habe ihm 12,2 Millionen Dollar eingebracht, heißt es in dem Brief. Außerdem führen die Anwälte eine Immobilie im US-Bundesstaat Florida auf, die Trump 2008 für 95 Millionen Dollar an einen russischen Milliardär verkauft hat.

Würde Trump Einnahmen aus Russland wirklich in der Steuererklärung angeben?

Zudem soll Trump über zehn Jahre hinweg immer wieder Zahlungen aus Russland in unbekannter Höhe erhalten haben. Das Geld bekam der US-Präsident offenbar für Hotelzimmer, Wohnungen, Golftouren oder Produkte der Trump-Marke wie Wein, Matratzen und Krawatten.

Aber die Anwälte sind sich sicher: Seine Steuererklärungen weisen keine Schulden von ihm oder seines Unternehmens in Russland aus. Auch seien darin keine russischen Kapitalanteile an den Trump-Unternehmen und umgekehrt keine Anteile Trumps oder seiner Unternehmen an russischen Firmen aufgeführt.

Auf der anderen Seite: Würde Trump Einnahmen aus Russland wirklich in Steuererklärungen angeben? Solche Gelder könnten offiziell von einem Immobilien-Deal in Asien stammen - tatsächlich aber aus Russland kommen, schreibt das US-Portal "Market Watch".

Der Versuch lässt nur einen Schluss zu

Wenn es Trump wirklich ernst gewesen wäre damit, die Russland-Vorwürfe zu entkräften, dann hätte er seine Anwälte die kompletten Steuererklärungen veröffentlichen lassen sollen.

Dieser halbherzige Versuch, sich von den Anschuldigungen, wegen denen das FBI ermittelt reinzuwaschen, lassen eigentlich nur einen Schluss zu: In seinen Steuererklärungen muss etwas stehen, dass seine Russland-Verbindungen bestätigt.

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(ll)