Das Apple Car ist Geschichte - stattdessen arbeitet Apple an etwas viel Größerem

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Das Apple Car ist Geschichte - anstatt dessen arbeitet Apple an etwas viel größerem | AdrianHancu via Getty Images
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Die Titanen, das mächtige Göttergeschlecht, sind aus der griechischen Mythologie nicht wegzudenken. Ohne sie gäbe es weder den Göttervater Zeus, noch den Menschen. Kurz: Die Titanen haben die Welt verändert. Nichts geringeres hatte Apple offenbar mit dem Project Titan vor. Seit Jahren mutmaßen Apple-Beobachter, dass der Tech-Gigant unter diesem Code-Namen ein eigenes Auto entwickelt.

Doch das Apple Car ist offenbar schon wieder Geschichte. Dafür spricht, dass im September hunderte Mitarbeiter entlassen wurden, die ursprünglich für die Entwicklung des selbstfahrenden Elektroautos angeheuert wurden. Das heißt aber noch lange nicht, dass sich Project Titan komplett erledigt hat.

Anstatt an einem eigenen Auto soll der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino jetzt an etwas viel Größerem arbeiten: einem eigenen Transport-Betriebssystem. Und damit könnte Apple wieder einmal die Basis bilden für eine Innovation, die, wie schon das iPhone, die Welt verändert.

Steve Jobs hatte schon den Traum vom Apple-Auto

Die Tech-Szene spekuliert seit Jahren über das mythische Project Titan. Schon Apple-Gründer Steve Jobs hatte einem Manager des Konzerns zufolge den Wunsch nach einem von seinem Unternehmen gebauten Auto.

Die Gerüchte kochten dann so richtig auf, als Apple in den vergangenen Jahren mehr als 1000 Mitarbeiter, darunter zahlreiche Experten aus der Autoindustrie, für das Apple Car einstellte und auf der ganzen Welt Forschungseinrichtungen aufbaute - darunter auch eine in Berlin.

Dennoch hat das Unternehmen jetzt anscheinend beschlossen, zumindest die Arbeit an dem eigenen Auto einzustellen. Umsonst soll das Projekt aber nicht gewesen sein. “Transport ist Apples Zukunft”, sagte der Apple-Analyst Neil Cybart am Mittwoch auf einer Veranstaltung des US-Finanzinstituts UBS. Für Cybart ist Apple kein Tech-Unternehmen, sondern ein Design-Unternehmen, das sich auf das Erlebnis der Nutzer fokussiert.

Der Automarkt ist äußerst lukrativ

Und anstatt dem eigenen Auto soll es jetzt um das “ganze Erlebnis” gehen bei Project Titan, sagte Cybart. Aus dem Apple Car wird eine Transport-Plattform. Und: Der Auto-Markt ist lukrativ. Apple-Experte Horace Dediu schätzt ihn auf fünf bis 15 Billionen Dollar - noch größer als der Markt für IT.

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Die beiden Experten sind außerdem der Meinung, dass der Anteil der Autobesitzer extrem sinken wird, wenn sich autonomes Fahren durchsetzt. Es würde sich wahrscheinlich also gar nicht für Apple lohnen, ein eigenes Auto zu bauen.

Vor rund einem Jahr übernahm Bob Mansfield, früher Vize-Präsident von Apples Hardware Engineering Abteilung und verantwortlich für die Entwicklung des iPads, die Leitung von Project Titan.

Mansfield habe kurz danach vor hunderten Titan-Mitarbeitern eine Rede im Silicon Valley gehalten, bei der er die neue Strategie erklärte, schreibt das US-Wirtschaftsportal “Bloomberg”. Er habe das Projekt genau untersucht und entschlossen, Apple soll kein Tesla-Konkurrent werden - sondern eine Plattform für selbstfahrende Autos entwickeln.

"CarOS" oder "CarKit"?

Die “Plattform” oder das “Erlebnis” könnte ein Betriebssystem für selbstfahrende Autos sein - ein iOS für den Transport. Und darunter fällt nicht nur die Technologie, mit der das Auto überhaupt fährt. Denn: Wenn wir erst einmal alle in unseren autonomen Autos unterwegs sind, brauchen wir auch Unterhaltung während der Fahrt.

Wir werden Entertainment-Systeme, Kommunikations-Technologien und Apps, die uns das Arbeiten im Auto ermöglichen, brauchen. Das Fahrzeug muss navigieren können, mit W-Lan ausgestattet sein - und natürlich ein eigenes Betriebssystem haben.

Für Apple ist es nur logisch, ein “CarOS” oder “CarKit” zu entwickeln. Der Mac-Konzern hat mit iOS, dem Betriebssystem für das iPhone, die Grundlage für alle Smartphones entwickelt.

Damit kontrolliert das Unternehmen den Markt - und macht allein über Provisionen für App-Verkäufe im App Store massive Umsätze.

Apple kann Benutzeroberfläche

Apple forscht an einer eigenen Software für selbstfahrende Autos. Erst kürzlich bekam das Unternehmen die Genehmigung, die Software auf den Straßen Kaliforniens zu testen. Doch die Plattform würde viel weiter gehen. Sie wäre eine Benutzeroberfläche für Autofahrer.

Und, alle Apple-Fans werden sich da einig sein, übersichtliche, benutzerfreundliche und intuitive Betriebssysteme waren immer schon Apples Stärke.

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Das hat Apple nicht nur beim iPhone, sondern schon mit dem Mac 1984 bewiesen - dem ersten Computer mit grafischer Benutzeroberfläche. Das Unternehmen hat damit den Standard für alle Rechner definiert.

Natürlich: Apple lässt seine Betriebssysteme bisher fast nur in eigenen Geräten zu. iOS zum Beispiel funktioniert nur auf dem iPhone - im Gegensatz zu Android, Googles mobiles Betriebssystem. Android funktioniert auch mit Geräten anderer Hersteller.

Die Mini-Ausnahme: HomeKit. HomeKit ist ein System zur Automatisierung des eigenen Zuhauses.

Nutzer können so zum Beispiel das Licht steuern, die Heizung an- und ausmachen, das Garagentor öffnen. Gesteuert wird das Ganze über das iPhone in Verbindung mit Apples digitaler Sprachassistentin Siri. Die Glühbirnen, Thermostate und Schlösser, die über HomeKit bedient werden können, stellt Apple aber nicht her.

Der Weg ist nicht mehr weit

Ähnlich könnte es mit einem “CarKit” oder “CarOS” sein. Eine zentrale Rolle dürfte Siri auch bei einem Betriebssystem fürs Auto spielen.

Dafür sprechen auch aktuelle Gerüchte, dass Apple auf der jährlichen Entwicklerkonferenz World Wide Developer Conference (WWDC) am 5. Juni einen Siri-Lautsprecher mit Bildschirm vorstellen wird. Ähnlich wie Amazons Echo-Lautsprecher oder Google Home, eine digitale Assistentin für die Wohnung.

Und der Weg von einem Gerät, mit dem wir unser Zuhause bedienen können, zu einem System, mit dem wir unser Auto bedienen, mit ihm kommunizieren, es steuern können, ist nicht weit.

Apple könnte die Autoindustrie damit so revolutionieren und ihre Entwicklung bestimmen, wie es das Unternehmen mit den Mobiltelefonen gemacht hat.

Und Project Titan würde seinem bedeutungsschwangeren Namen am Ende doch noch gerecht werden.

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