Neue Studie: Jede dritte Mutter fühlt sich trotz Partner so überlastet wie eine Alleinerziehende - das ist der Grund

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Berufstätige Mütter stehen unter großem Druck - trotz Partner | iStock
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Ein schreiendes Kind, meterhohe Wäscheberge und ein stressiger Vollzeitjob - das ist die häufige Vorstellung vom Leben alleinerziehender Eltern. Doch auch wenn man mit dem Partner seiner Kinder zusammenlebt, ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen - zumindest nicht für die Frauen.

Eine Studie des Rheingold-Instituts liefert nun bedenkliche Zahlen: Denn viele berufstätige Mütter fühlen sich, obwohl sie mit ihrem Partner zusammenleben, im Alltag alleingelassen. Schlimmer noch: Sie betrachten sich gar als alleinerziehend.

In der Studie wurden mehr als 1000 berufstätige Mütter befragt

Im Auftrag für den Konsumgüterhersteller Procter & Gamble sind mehr als 1000 berufstätige Mütter in Deutschland zwischen 20 und 50 Jahren zu ihrer Lebenssituation befragt worden.

Das Bild, das sich aus den Antworten der Studienteilnehmerinnen abzeichnet, ist ernüchternd. Arbeitende Mütter empfinden ihren Alltag, in dem sie Job und Familie verbinden, als anstrengend und aufreibend.

Der ‘Working Mom’ Studie zufolge ist ein entscheidender Punkt das Familienmanagement. Dieses betrachten neun von zehn Frauen als ihre Aufgabe an. Frauen kümmern sich nach wie vor um alltägliche Aufgaben wie Haushalt, den Einkauf von Lebensmitteln und darum, dass das Kind rechtzeitig von der Kita abgeholt wird. Doch auch Erziehung, Kindergarten und Elternsprechtage fallen zumeist in ihren Aufgabenbereich.

Die Frauen müssen Mutter- und Vaterrolle gleichzeitig übernehmen

All diese zahlreichen Termine, die im Familienleben anfallen, koordinieren sie mit ihrem Job.

Dabei übernimmt jede zweite Mutter diese Dinge lieber selbst, anstatt sich darüber mit ihrem Partner auseinanderzusetzen.

Denn tatsächlich sehen sich 69 Prozent der Frauen gezwungen, nicht nur ihre Rolle als Mutter zu erfüllen, sondern die des Vaters gleich noch mitübernehmen zu müssen.

Obwohl die Frauen mit dem Vater ihrer Kinder zusammenleben, fühlen sich rund 32 Prozent der berufstätigen Mütter als alleinerziehend.

Der Mann als zusätzliches Kind

Ein Drittel der Frauen empfinden ihren Partner nicht als Entlastung, sondern haben vielmehr den Eindruck, ihr Partner sei ein weiteres Kind, um das sie sich zusätzlich kümmern müssen.

Für sich selbst haben die Frauen zwischen Job, Partner und Erziehung kaum mehr Zeit. Ihre eigenen Bedürfnisse stellen sie oft hinten an - fast jede zweite Mutter hat den Eindruck, dass sie nur für Familie und Job lebt.

Das liegt daran, dass die meisten Mütter ihr Zuhause zwar als einen Rückzugsort betrachten, dieser aber zugleich für 69 Prozent von ihnen mit Arbeit verbunden ist. Sei es nun kochen, Hausaufgabenbetreuung oder Wäschewaschen - irgendetwas gibt es immer zu tun.

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Nur vier Prozent aller berufstätigen Mütter kommen zu Hause zur Ruhe

Das stille Tagwerk, kleine Tätigkeiten, die wie ganz nebenbei passieren, zugleich aber den Haushalt am Laufen halten, verhindern, dass Frauen tatsächlich zur Ruhe kommen können.

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Schnell noch die Krümel vom Tisch wischen, die Geschirrspülmaschine ausräumen und den Streit zwischen den beiden Kindern schlichten: Solche Kleinigkeiten fressen ganz unbemerkt noch den letzten Rest an Freizeit auf. Lediglich vier Prozent aller Frauen gelingt es, zu Hause wirklich abzuschalten und nichts zu tun, heißt es in der Studie.

Viele Frauen stehen unter dem steten Druck, immerzu leisten und funktionieren zu müssen. Läuft es einmal nicht so rund, stellt sich bei den Müttern direkt das schlechte Gewissen ein, Familie, Partner und Freunde zu vernachlässigen. Mehr als zwei Drittel der Frauen gaben daher an, immer 120 Prozent zu geben.

Die Gesellschaft übt Druck auf die Mütter aus

Dabei leiden sieben von zehn Frauen aber zusätzlich noch unter dem Anspruch, immer alles perfekt machen zu wollen. Doch nach wie vor ist es für die Frauen ein regelrechter Spagat zwischen Familie und Beruf eine Balance zu finden.

"Die Studie zeigt, dass berufstätige Frauen in Deutschland derzeit hierfür nicht die optimalen Bedingungen vorfinden. Hinzu kommt ein Machbarkeitsideal der Gesellschaft, das den Druck auf die Frauen erhöht.” So fasst Kristina Bulle, Brand Director von P&G, das Dilemma zusammen.

Die Expertin ist der Meinung, dass dieses Machbarkeitsideal aufgebrochen werden sollte. Berufstätige Mütter müssen mehr Unterstützung von ihren Partnern bekommen, zugleich müssen auch Arbeitgeber sensibilisiert werden.

Denn es reicht nicht, dass Frauen die gleichen Rechte wie Männer haben, während zugleich unterschiedliche Ansprüche an die Geschlechter gestellt werden.

Solange die stereotype Rollenverteilung immer noch nicht vollständig aufgebrochen ist, sei die Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft noch nicht angekommen.

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(mm)

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