Politologe Niedermayer: "Verliert die SPD in NRW, kann Schulz alle Hoffnungen begraben"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MARTIN SCHULZ
Politologe Niedermayer: "Verliert die SPD in NRW, kann Schulz alle Hoffnungen begraben" | Sascha Schuermann via Getty Images
Drucken
  • Politologe Niedermayer glaubt, die SPD müsse unbedingt bei der Wahl in NRW gewinnen
  • Sonst könne Martin Schulz sich abschreiben, im September Kanzler zu werden
  • Besonders die mangelnde Präsenz des Spitzenkandidaten sei ein Problem

Eine Niederlage der SPD bei den Wahlen in Nordrhein-Westfalen hätte nach Ansicht des Parteienforschers Oskar Niedermayer erhebliche Konsequenzen.

"Wenn die SPD auf den zweiten Platz kommt, ist die Abwärtsspirale nur noch ganz schwer aufzuhalten", sagte Niedermayer der Deutschen Presse-Agentur.

"Das würden bedeuten, dass Martin Schulz seine Hoffnungen auf die Kanzlerschaft begraben kann", erklärte der Politologe.

Der Höhenflug der SPD durch ihren neuen Spitzenkandidaten wäre damit endgültig verpufft. "Es steht 2:0 für die CDU, am Sonntagabend vielleicht 3:0", sagte Niedermayer.

"Die Botschaft wäre: Rot-Grün ist abgewählt"

Schon das absehbare Ende der rot-grünen Koalition in Nordrhein-Westfalen wäre nach Ansicht Niedermayers ein schlechtes Signal für die SPD bundesweit. "Die Botschaft wäre: Rot-Grün ist abgewählt. Und das bedeutet für die SPD nichts Gutes", sagte er. Mit Blick auf die Bundestagswahl sei aber besonders wichtig, ob die SPD wieder stärkste Partei wird oder nicht.

Mehr zum Thema: Ein Wahlkampfstratege erklärt, was Martin Schulz tun müsste, um Bundeskanzler zu werden

In einer deutschlandweiten repräsentativen Emnid-Studie für den Sender N24 meinen 59 Prozent, dass Schulz im Falle einer SPD-Niederlage in NRW auch im Bund keine Chance mehr hat. 33 Prozent glauben dagegen, Schulz könne auch bei einer SPD-Niederlage in NRW noch Bundeskanzler werden.

Die Gründe für den SPD-Zustimmungsverlust in NRW sehen 48 Prozent der Befragten in der "schlechten Arbeit der SPD-Grünen-Landesregierung". 45 Prozent meinen, der "abnehmende Schulz-Effekt" sei schuld an den sinkenden Umfragewerten für die SPD.

Schulz mangelnde Präsenz ist das Problem

Dass der stark von den Medien beeinflusste Schulz-Effekt nachlässt, liegt nach Niedermayers Ansicht auch an der mangelnden Präsenz des Kandidaten. "Er hat kein Amt und ist viel zu wenig sichtbar." Zudem bleibe er zu wolkig und unbestimmt. "Man weiß ja bis heute nicht, wo er zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik steht", sagte Niedermayer.

Ob der zuletzt deutlich aggressivere Wahlkampf des CDU-Frontmanns Armin Laschet bei den Wählern ankommt, bleibt nach Niedermayers Ansicht abzuwarten. Bei der Beurteilung der Spitzenkandidaten liege Hannelore Kraft weiter deutlich vorne. Deshalb müsse die CDU in NRW inhaltlich punkten.

Soziale Gerechtigkeit als Kernthema von Martin Schulz und der SPD ziehe in NRW sicher etwas mehr als in Schleswig-Holstein oder im Saarland. Dagegen sei das von der CDU besetzte Thema innere Sicherheit eine "offene Flanke der SPD".

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Korrektur anregen