Trump versucht seine Wirtschaftspolitik zu erklären - und macht sich absolut lächerlich

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TRUMP
Donald Trump machte im Interview mit "The Economist" zahlreiche Fehler. | Alexander Shcherbak via Getty Images
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  • Trump hat dem Magazin "The Economist" ein Interview zu Wirtschaftsfragen gegeben
  • Doch seine Antworten sind oft skurril und fehlerhaft
  • Insbesondere eine Aussage von Trump erzürnt derzeit die US-Öffentlichkeit

Kommen die Strafzölle auf Importe oder nicht? Droht das Ende der Freihandelszone NAFTA? Wird sich der US-Staat stark verschulden? Zur Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump gibt es viele offene Fragen. Gut, wenn Trump Klarheit schaffen will. Noch besser, wenn er sich gleich von Journalisten der renommierten Wirtschaftszeitschrift "The Economist" interviewen lässt.

Könnte man eigentlich meinen. Denn Trumps Antworten auf die Fragen der "Economist"-Journalisten sind total skurril - und offenbaren eine volle Portion Unwissenheit.

Das sind die drei wichtigsten Fehler, die Trump gemacht hat:

1. "Prime the pump"

Am meisten für Aufregung - und Häme - in der amerikanischen Öffentlichkeit sorgt gerade die folgende Aussage von Donald Trump: "Haben Sie diesen Ausdruck schonmal gehört? Ich habe ihn noch nie gehört. Ich meine, ich...habe mir das vor einigen Tagen selbst ausgedacht und ich dachte, das ist gut."

Gemeint ist hier der Ausdruck "priming the pump", was wörtlich übersetzt etwa "die Pumpe ansaugen lassen" und im übertragenen Sinn "die Konjunktur ankurbeln" bedeutet. Trump verwendete den Ausdruck, um zu erklären, weshalb er Steuersenkungen will, auch wenn diese das Staatsdefizit verschlimmern könnten.

Schön, dass Donald Trump genügend kreativ ist, um das Englische mit neuen Ausdrücken zu bereichern. Doch: Wie verschiedene US-Medien berichten, ist der Ausdruck "priming the pump" seit über 80 Jahren in Gebrauch.

Ökonomen verwenden die Metapher, wenn sie darüber sprechen, ob und wie tiefere Steuern und höhere Staatsausgaben die Wirtschaft ankurbeln können.

Wie die "New York Times" schreibt, war "priming the pump" bereits in den 1930er-Jahren ein verwendeter Ausdruck. Damals kämpfte Präsident Roosevelt gegen die Große Depression mit einem Konjunkturprogramm.

Auch in den vergangenen Jahren fand "priming the pump" immer wieder Verwendung in der US-Öffentlichkeit, etwa, als Präsident Barack Obama die Wirtschaftskrise mit einem Konjunkturprogramm zu bekämpfen suchte.

Im Internet ließen es sich viele natürlich nicht nehmen, den US-Präsidenten auf seinen Fehler hinzuweisen. So veröffentlichte etwa das Online-Wörterbuch Merriam-Webster folgenden Tweet:

Auch Jeffrey Cane von der "New York Times" zeigte, warum Trump hier falsch lag:

Fazit: Trump mag eine ungewöhnliche Figur mit kreativen Ideen sein. Die Metapher "priming the pump" hat er aber nicht erfunden.

2. Die USA haben weltweit die höchsten Steuern

Im Interview sagt Trump: "Wir sind die höchstbesteuerte Nation der Welt." Das stimmt nicht, wie etwa der US-Sender CBS News berichtet.

Zwar seien die Unternehmenssteuern im internationalen Vergleich tatsächlich sehr hoch. So berichtet CBS News, US-Unternehmen müssten durchschnittlich 39.1% bezahlen. Mit diesem Wert seien die USA an der Spitze der 20 wichtigsten Industrienationen (G20).

Doch um einiges besser sieht es für Privatpersonen aus. CBS News rechnet vor: 2016 musste jemand, der in den USA arbeitet, nicht verheiratet ist und keine Kinder hat, rund 26 Prozent Steuern auf sein Einkommen bezahlen. Das ist viel. Doch längst nicht der höchste Satz weltweit.

Denn auf einer Liste der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kämen die USA so nur auf Rang 16 von insgesamt 31 Nationen. Auch für verheiratete Amerikaner mit Kindern sieht es ähnlich aus.

Es gibt also zahlreiche Länder, in denen Privatpersonen einiges mehr an Steuern bezahlen müssen.

Fazit: Die US-Unternehmenssteuern sind tatsächlich im internationalen Vergleich sehr hoch. Aber dass die USA die "höchstbesteuerte Nation der Welt" ist, stimmt so nicht.

3. "Größte Steuersenkungen in der Geschichte des Landes"

Bereits im Wahlkampf versprach Trump, als US-Präsident die Steuern senken zu wollen. Im Interview mit dem "Economist" sagte er zu seinen Plänen in Steuerfragen: "Richtig, das wären die größten Steuersenkungen in der Geschichte dieses Landes".

Die meisten Beobachter und Steuerexperten sind sich einig: Die von Trump Ende April vorgeschlagenen Steuersenkungen wären tatsächlich massiv, wenn sie denn umgesetzt werden.

Doch: Die "größten Steuersenkungen in der Geschichte" der USA wären sie trotzdem nicht. Wie etwa CBS News schreibt, gebührt dem Ex-Präsidenten Ronald Reagan diese Ehre.

Reagan kämpfte für Steuersenkungen, die die USA dann 1981 umsetzten. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt seien Reagans Steuersenkungen die massivsten, die die USA jemals erlebt hätten, berichtet CBS News.

Auch wenn man andere Messgrößen als das Bruttoinlandsprodukt verwendet, wären Trumps Pläne immer noch nicht die radikalsten. So berichtet CBS News weiter, dass auch die unter John F. Kennedy sowie Barack Obama umgesetzten Steuersenkungen teilweise viel weitreichender waren, als jene, die Trump versprochen hat.

Fazit: Trump will tatsächlich die Steuern senken, und die US-Wirtschaft sowie die Republikaner wollen in die gleiche Richtung. Doch dass Trumps geplante Steuersenkungen die "größten Steuersenkungen in der Geschichte dieses Landes" wären, stimmt nicht.

Insbesondere die von Donald Trump so verachteten Journalisten machten sich nach der Veröffentlichung des Interviews lustig über den US-Präsidenten:

So schreibt etwa Binyamin Appelbaum von der "New York Times" in einem Tweet: "Dieses ganze Interview mit dem 'Economist' ist eines der größten Werke der westlichen Zivilisation."

Auch der HuffPost-Journalist Jonathan Cohn ließ wenig Gutes an Trumps Antworten: "Trump versuchte dem "Economist" die Wirtschaft zu erklären und es verlief genauso, wie ich es mir dachte."

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(ll)

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