POLITIK
11/05/2017 08:53 CEST | Aktualisiert 12/05/2017 08:45 CEST

Mitarbeiter des Weißen Hauses berichtet den wahren Grund für Comeys Rausschmiss

Alexander Shcherbak via Getty Images
US-Präsident Donald Trump könnte mit dem Rausschmiss des FBI-Chefs einen Fehler begangen haben

Über die Gründe des US-Präsidenten, den FBI-Chef James Comey zu entlassen, wurde viel spekuliert. Jetzt äußert sich ein Mitarbeiter des Weißen Hauses gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters über die Motive Donald Trumps.

Dem Reuters-Bericht nach war ein Auftritt Comeys vor einem Ausschuss des US-Senats am 3. Mai der Grund. Dabei sollte es um den Umgang des FBI-Chefs mit derE-Mail-Affäre um die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gehen.

Der FBI-Chef hatte kurz vor der Wahl öffentlich gemacht, dass die Behörde gegen Clinton ermittelt. Ihre Umfragewerte stürzten daraufhin ab. Clinton warf Comey später vor, sie um den Wahlsieg gebracht zu haben.

Trump, der Generalbundesanwalt Jeff Sessions und der stellvertretende Generalbundesanwalt Rod Rosenstein wollten von Comey darüber informiert werden, was er dem Senat mitteilen werde - doch der weigerte sich.

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james comey

FBI-Chef James Comey erfuhr aus dem Fernsehen von seiner Entlassung

Das soll zu viel für Trump gewesen sein. Sein Ärger auf den FBI-Direktor soll sich bereits über Monate aufgebaut haben. Die endgültige Entscheidung für den Rausschmiss soll der US-Präsident nach Comeys Weigerung getroffen haben.

"Es vermittelte den Eindruck, dass er nicht länger in der Lage war, seinen Pflichten nachzukommen", sagte die Quelle im Weißen Haus.

Obwohl Comey Trumps zum Wahlsieg verholfen hatte, war er kein Anhänger des US-Präsidenten. Ein namentlich nicht genannter früherer Berater Trumps sagte Reuters über Comey: "Er bereute, was er Clinton angetan hatte - aber nicht, was er Trump antat."

james comey

Nach dem Rausschmiss des FBI-Chefs fordern Demonstranten vor dem Weißen Haus ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump

Trump nahm Comey übel, dass er ihn nie öffentlich entlastet hatte, als es um die Ermittlungen des FBI zu möglichen Kontakten zwischen Trumps Wahlkampagne und der russischen Regierung ging. Comeys Weigerung habe Trump bestätigt, dass er in dem FBI-Chef einen Gegner habe.

Trump hatte den FBI-Direktor am Dienstag überraschend entlassen. Er ist damit seit Richard Nixon der erste, der einen hochrangigen Vertreter der Strafverfolgung gefeuert hat, während dieser eine Ermittlung mit Verbindungen zum Weißen Haus leitete.

Das Weiße Haus gab als Grund für den Rauswurf an, dass das öffentliche Vertrauen in das FBI durch Comeys Umgang mit der E-Mail-Affäre erschüttert sei. Das schrieb auch Trump auf Twitter.

Die Demokraten unterstellten Trump dagegen, dass dies nur ein Vorwand sei. Tatsächlich wolle der Präsident die FBI-Ermittlungen zu Kontakten von seinen Vertrauten zur russischen Regierung und deren Geheimdiensten erschweren.

Sie forderten einen Sonderermittler, um mögliche Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam nach Russland und mögliche Absprachen zur Manipulation der US-Wahl zu untersuchen.

Die Vermutungen der Demokraten erhalten durch zwei Medienberichte neue Nahrung. Wenige Tage vor der Entlassung soll Comey bei Rosenstein mehr Geld und Personal für die Untersuchungen der Russland-Kontakte von Trumps Wahlkampfteam beantragt haben. Das berichten sowohl die "New York Times" als auch die "Washington Post". Nach der Anfrage habe Comey Abgeordnete informiert.

Der Reuters-Bericht würde also bestätigen, dass es beim Rausschmiss tatsächlich um die E-Mail-Affäre um Clinton ging - allerdings auf eine andere Art, als von Weißen Haus dargestellt.

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(ll)

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