"Zeit"-Chef warnt Europa vor einem fatalen Fehler, den linke Parteien begehen

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DI LORENZO GIOVANNI
Die "Zeit" warnt vor einen entscheidenden Fehler, den Linke in Europa machen | RALF HIRSCHBERGER via Getty Images
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Nach der Wahlniederlage der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen schien es für einen Moment so, als sei alles in Ordnung in Europa. Als sei der Populismus besiegt – zumindest fürs Erste.

Im Leitartikel der “Zeit” warnt Chefredakteur Giovanni di Lorenzo nun vor einer verfrühten Entwarnung. Die Gefahr populistischer Parteien sei “keinesfalls gebannt”.

“Populismus”, so di Lorenzo, sei “vor allem ein Derivat der Angst”. Und Angst sei eine “ständige Begleiterin großer gesellschaftlicher und politischer Umbrüche”.

Als eine große Sorge der Menschen nennt der “Zeit”-Chefredakteur die Globalisierung, die zwar die “soziale Lage der Welt verbessert” habe. Dennoch sei auch das Gefälle zwischen Arm und Reich in den einzelnen Gesellschaften gewachsen.

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Wer sich in Europa umschaut, merkt schnell, was di Lorenzo meint: Nicht nur Le Pen hatte mit einer Vision der Abschottung um Stimmen geworben. Auch die Rechtspopulisten in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Osteuropa stehen der offenen Gesellschaft und dem freien Markt kritisch gegenüber. Die Angst der Menschen wird bei Wahlen zu ihrem Kapital.

Arrogant und selbstgefällig

Di Lorenzo sieht aber auch einen entscheidenden Fehler der Linken und Liberalen in Europa. So schreibt er in der “Zeit” von “Selbstgefälligkeit” und “Arroganz”. Die Parteien würden zu oft “Ängste der Bevölkerung als pathologische Symptomatik einer bemitleidenswerten Gruppe von Abgehängten und Hinterwäldlern” betrachten.

Das zeige sich auch in der Debatte um innere Sicherheit und Kriminalität. Über das linke Spektrum schreibt di Lorenzo: “Statt Kriminalität mit harter Hand zu bekämpfen, begegnen sie der Sorge vor (…) Straftaten kühl mit Statistiken”, die oft nur Spezialisten entziffern könnten.

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(bp)

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