7,9 Milliarden nimmt der Bund dieses Jahr zusätzlich ein: Wir haben HuffPost-Leser gefragt, was sie mit dem Geld machen würden

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7,9 Milliarden nimmt der Bund dieses Jahr zusätzlich ein: Wir haben HuffPost-Leser gefragt, was sie mit dem Geld machen würden | Hannibal Hanschke / Reuters
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Nun liegen die Zahlen auf dem Tisch: Laut aktueller Steuerschätzung nimmt Finanzminister Wolfgang Schäuble dieses Jahr 7,9 Milliarden Euro mehr Steuern ein als geplant.

Die Aussichten für die nächsten Jahre sind sogar noch besser: Mit bis zu 54,1 Milliarden Euro Mehreinnahmen kann der Bund bis zum Jahr 2021 rechnen.

Nun lautet die Frage: Was tun mit dem Geld? Die Vorschläge aus der Politik reichen von Steuersenkungen über Schulden-Abbau bis hin zu Investitionen. So weit so bekannt.

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Aber was denken eigentlich die Menschen in unserem Land? Wofür würden sie das Geld ausgeben?

Die HuffPost hat ihre Leser bei Facebook gefragt. Und die haben eine klare Meinung: Die meisten würden die zusätzlich eingenommenen Milliarden in die Zukunft unseres Landes investieren.

Hier sind unseren Leserinnen und Lesern vor allem zwei Felder wichtig: Bildung und Infrastruktur. Themen übrigens, die auch in den Landtagswahlkämpfen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen eine entscheidende Rolle gespielt haben.

"Alles in die Bildung"

HuffPost-Leserin Silke Berkemeier fordert: "Alles in die Bildung. Da ist es am dringensten. Nur wenn wir es schaffen, unsere Kinder gut auszubilden, haben wir eine Zukunft."

Markus M Wagner ergänzt: "Alles in die Bildung. Der Mob der dummen Rechtswähler würde sich auf die Größe eines Rehpinscherhäufchens reduzieren und die AfDepp unter den Sonstigen verschwinden."

Das Geld sollte "mal in unsere Kitas und Schulen gesteckt werden! Gibt so viele Einrichtungen, die bald auseinander fallen und wo die heutige moderne Technologie fehlt", schreibt wiederum Leserin Diana Kehrer auf der HuffPost-Facebookseite.

Michael Gerszewski fordert, der Investitionsstau an öffentlichen Gebäuden, Straßen etc. müsse behoben werden. Zudem sollten die Kommunen wieder mehr Geld bekommen, damit "sie ihre Aufgaben wieder in vollem Umfang nachkommen können."

Das Thema Investitionen beschäftigte die meisten Kommentatoren in irgendeiner Form. So auch HuffPost-Leser Volker Höpfner, der eine Verteilung vorschlägt: "60 Prozent in die Sanierung und Ausbau der Infrastruktur für die Zukunft, inkl. der Schulen."

Zugleich macht er ein weites Feld auf: 40 Prozent des Geldes müsse zum Abtragen der Schulden verwendet werden. "Davon hat der Bürger mehr, als wenn er nächstes Jahr 25€ weniger Steuern zahlen soll."

"Das wichtigste ist: Schulden bezahlen"

Ähnlich sieht es Dennis Schmitz: Er fordert "50 Prozent Schulden-Tilgung und 50 Prozent Investieren in Sanierung und Modernisierung sowie das Bildungssystem". Seine Begründung: "Damit die rechten Deppen mal lernen warum Menschlichkeit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft besser sind als Hass."

Das Thema Schulden-Abbau spielte in den Kommentaren der HuffPost-Leser immer wieder eine Rolle - auch, weil den meisten klar ist, dass diese Schulden eines Tages von unseren Kindern bezahlt werden müssen.

Das unterstreicht auch Mark Jordan: "Das wichtigste ist: Schulden bezahlen. Dies wiederum führt dazu, dass der Staat mehr Geld zur Verfügung hat." Bei entsprechend weniger Zinslast könne sei der Staat dann auch irgendwann in der Lage, mehr Sozialleistungen zu erbringen oder gar Steuern und Abgaben zu senken.

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Auch HuffPost-Leser Sören Buurmann will den deutschen Steuerüberschuss vor allem für den Schuldenabbau und Investitionen ins Bildungssystem nutzen. Er forderte zudem: Der Staat solle nachhaltige ökologische Landwirtschaft mehr subventionieren als die konventionelle Landwirtschaft.

Einen ganz anderen Aspekt bringt noch Daniel Zee in die Diskussion ein. Er fordert, das Bedingungslose Grundeinkommen mit dem Überschuss zu finanzieren. unklar ist indes, ob der Betrag dafür ausreichen würde.

Steuern senken und kalte Progression abschaffen

Immer wieder fordern HuffPost-Leser auch, die Steuerbelastung für die Bürger abzumildern - sei es durch eine Senkung der Mehrwertsteuer, der Einkommenssteuer oder die Abschaffung der sogenannten kalten Progression.

Gerade letztere kostet die deutschen Bürger viel Geld - dadurch, dass fast jede Gehaltserhöhung durch die kalte Progression wieder aufgefressen wird.

Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer bekommt eine Gehaltserhöhung von 2 Prozent. Doch weil die Inflationsrate in Deutschland aktuell auch bei 2 Prozent liegt, bleibt von der Erhöhung real nichts auf dem Konto.

Dann kommt auch noch die kalte Progression hinzu. Nominal hat der Arbeitnehmer ja nun ein höheres Gehalt zur Verfügung - und weil die Einkommensteuer in Deutschland progressiv erhoben wird, muss er mehr Steuern zahlen. Am Ende bleibt vielen Deutschen also selbst nach einer Gehaltserhöhung weniger Einkommen, als zuvor. Der Staat hingegen kann deutliche Mehreinnahmen verzeichnen.

Umfrage zeigt: Steuerausgaben sind für deutsche Bürger ein Reizthema

Insgesamt haben hunderte HuffPost-Leser an der Diskussion teilgenommen. Das zeigt: Das Interesse der Bürger am Thema Steuern ist groß - und die Vorstellung darüber, wie die Milliardenüberschüsse des Staates genutzt werden sollen, sind vielfältig.

Die Deutschen müssen das so komplizierte und abschreckende Thema der Steuern jetzt mit Nachdruck zu einem Thema für die Politik machen. Sie müssen den Staat auffordern, sein Geld endlich sinnvoll auszugeben.

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Teure Wahlversprechen haben sowohl die SPD als auch die Union im Wahlkampf schon gemacht. Es gilt nun, den Bürgern zu erklären, ob sie diese sinnvoll finanzieren können. Und vor allem: Ob die gerade verkündeten Milliardenüberschüsse bei der Erfüllung dieser Versprechen richtig angelegt wären.

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.

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