Weißes Haus: Trump wollte FBI-Direktor Comey schon vor Monaten entlassen

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Weißes Haus: Trump wollte FBI-Direktor Comey schon vor Monaten entlassen | Joshua Roberts / Reuters
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  • Donald Trump hatte laut seiner Sprecherin schon seit Monaten kein Vertrauen mehr in den gefeurten FBI-Direktor James Comey
  • Absurd: Noch vor einer Woche teilte das Weiße Haus mit, Comey genieße Trumps vollstes Vertrauen
  • Einen Tag nach Comeys Entlassung kam zudem Russlands Außenminister Sergej Lawrow nach Washington

US-Präsident Donald Trump hatte nach Angaben seiner Sprecherin bereits seit Monaten kein Vertrauen mehr in FBI-Direktor James Comey. Er habe außerdem schon seit dem ersten Tag nach seiner Wahl erwogen, Comey zu feuern, sagte Sarah Sanders am Mittwoch im Weißen Haus.

Das ist eine weitere Wendung in der Interpretation der Umstände von Comeys Entlassung am Dienstag.

Noch am 22. Januar, also zwei Tage nach Amtsantritt, hatte Trump Comey auf das Wärmste begrüßt und ihm sogar einen Kuss zugehaucht. Vor einer Woche noch hatte Sprecher Sean Spicer gesagt, Trump habe volles Vertrauen in Comey.

Comey habe "elementare Grausamkeiten" begangen

"Lasst uns jetzt nach vorne schauen", sagte Sanders. Ein Sonderermittler für mögliche Trump-Beziehungen zu Russland sei nach Ansicht des Weißen Hauses nicht nötig.

Sanders sagte, Comey habe im Fall der E-Mails von Hillary Clinton die Befehlskette des Justizministeriums umgangen und eigenhändig gehandelt. Niemand dürfe das. Die entsprechende Pressekonferenz Comeys, auf die Sanders sich bezieht, liegt zehn Monate zurück.

Comey habe sich mit seinem Vorgehen "elementare Grausamkeiten" zuschulden kommen lassen, sagte Sanders. Dieser Begriff (basic atrocities) wird üblicherweise für Kriegsverbrechen verwendet.

Sanders sagte, Justizminister Jeff Sessions und sein Vize Rod Rosenstein hätten von sich aus gehandelt und Trump ihre Schreiben vorgelegt, die Comeys Fehler auflisten. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein hatte Trump dagegen mit den Worten zitiert, er habe Sessions und Rosenstein gebeten, sich die das FBI betreffenden "Missstände" anzusehen.

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Trump trifft sich mit Lawrow

Sie war nicht die einzige Kritikerin der Entlassung Comeys, die darin ein mögliche Vertuschung von Verbindungen der Trump-Regierung nach Russland vermutete. Viele Politikwissenschaftler und Experten sehen die USA auf eine Verfassungskrise zusteuern.

Mitten hinein in dieses von Verdächtigungen geprägte Klima fiel nun ausgerechnet der Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow bei Donald Trump. Beide sprachen danach von einem guten Treffen und vom Vorhaben, pragmatische Beziehungen aufzubauen - taten dies jedoch nicht auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Sergeij Lawrow sorgte schließlich noch - passend zu der Posse um FBI-Direktor Comey - für einen unfreiwillig absurden Moment. Eine Reporterin fragte ihn bei einer Pressekonferenz mit US-Außenminister Rex Tillerson: "Wirft die Kündigung Comeys einen Schatten auf Ihre Gespräche?"

Lawrow erschien von der Nachricht vollkommen überrascht: "Wurde er gefeuert? Sie machen Witze. Sie machen Witze.", sagte er sichtlich entgeistert.

Die Comey-Entlassung verkommt so zu einer Posse internationaler Dimension. Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses fasste die Umtriebe der Trump-Regierung gegenüber einem Reporter des Magazins "Politico" denn auch treffend zusammen: "Das totale Chaos - selbst für unsere Standards."

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(poc)