"Watergate-Moment": Trumps Entscheidung erinnert an den Fehler, der Nixon den Job kostete

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DONALD TRUMP
"Sein Watergate-Moment": Trump macht den gleichen Fehler, der Nixon den Job kostete | BRENDAN SMIALOWSKI via Getty Images
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  • US-Präsident Donald Trump hat überraschend FBI-Direktor James Comey entlassen
  • Die Entscheidung erinnert an einen Fehler, der US-Präsident Richard Nixon den Job gekostet hatte

Eine Entscheidung Donald Trumps schockiert Washington - US-Präsident Donald Trump hat überraschend FBI-Direktor James Comey entlassen.

Der Fall weckt Erinnerungen an das ruchlose Vorgehen von Ex-Präsident Richard Nixon - und das Ende seiner politischen Laufbahn.

Das Weiße Haus begründet die Entlassung Comeys mit mangelndem Vertrauen in Comey von Seiten der Öffentlichkeit und des US-Kongresses. Doch dies stellen viele Beobachter in Frage.

Comeys Verhalten in der Affäre um einen ungesicherten E-Mail-Server, den Hillary Clinton für Mails mit Geheimhaltungsstufe verwendet hatte, soll den Ruf der Behörde beschädigt haben. Die Veröffentlichungen kurz vor der Präsidentschaftswahl hatte den Wahlkampf der demokratischen Kandidatin schwer belastet.

Trump feuert seinen FBI-Chef aus Rücksicht auf eine verbitterte Konkurrentin?

Das will kaum einer glauben.

Das Samstagabend-Massaker

Nicht nur Demokraten wittern dahinter eine Vertuschungsaktion der Trump-Regierung. Denn das FBI untersucht derzeit mutmaßliche Kontakte zwischen Trump-Vertrauten und Russland. Das hatte Comey erst im März öffentlich mit einem Halbsatz quasi bestätigt.

Jetzt werden in Washington Erinnerungen an den so genannten "Watergate"-Skandal wach.

Demokraten verglichen den Schritt Trumps mit dem sogenannten "Saturday Night Massacre" unter dem republikanischen Präsidenten Richard Nixon. Der hatte am 20. Oktober 1973, einem Samstag, den unabhängigen Chefermittler des Untersuchungsausschusses zur Watergate-Affäre entlassen.

Es ging um Machtmissbrauch im Weißen Haus. Unter anderem waren vor der Präsidentschaftswahl 1972 Einbrecher im Auftrag von Vertrauten Nixons in das Wahlkampf-Büro der Demokraten eingestiegen, um Abhörwanzen zu installieren.

Watergate-Skandal als Symbol für Machtmissbrauch

Doch Nixon schoss mit der Entlassung ein Eigentor. Das "Saturday Night Massacre" war der Anfang vom Ende seiner Präsidentschaft.

Nach Cox' Rausschmiss trat Justizminister Elliot Richardson im Oktober 1973 zurück. Schließlich mischte sich der amerikanische Kongress ein - was schließlich zum Rücktritt Nixons führte.

Der Watergate-Skandal wurde zum Synonym für Machtmissbrauch und Korruption - aber auch für engagierten, investigativen Journalismus und eine wehrhafte Zivilgesellschaft. Schließlich waren es die Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein von der "Washington Post" die den Skandal 1972 aufdeckten.

Wiederholt sich die Geschichte?

Empörung bei den Republikanern

Der demokratische Senator Bob Casey bezeichnete den Rauswurf Comeys als "nixonisch". Der ebenfalls demokratische Senator Ron Wyden wertete Comeys Entlassung als "unerhört". Dieser solle sofort vor dem Kongress eine Aussage zum Stand der Untersuchungen im Trump-Russland-Fall machen.

Noch gefährlicher für Trump ist die Empörung in der eigenen Partei. Der republikanische Senator John McCain forderte nach Bekanntwerden der Entlassung den Einsatz eines Sonderkomitees, um eine mutmaßliche Einmischung Russlands in die US-Präsidentschaftswahlen zu untersuchen. Die Entlassung Comeys werde Fragen aufwerfen, sagte auch der republikanische Senator Bob Corker.

Doch nicht alle sehen den Vergleich mit Nixon als gerechtfertigt an. Die Nixon-Bücherei, die das Vermächtnis des Ex-Präsidenten verwaltet, sah sich auf Twitter zu einer Richtigstellung gezwungen. Offenbar fürchtet sie, dass der Vergleich mit Trump den Ruf des umstrittensten Präsidenten der US-Geschichte schädigen könnte.

"Fun Fact: Nixon hat niemals einen FBI-Chef gefeuert", hieß es da.

Mehr zum Thema: "Trump imitiert einen Diktator aus der Dritten Welt": US-Medien sind entsetzt über die Entlassung des FBI-Chefs

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(ll)

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