"Trump imitiert einen Diktator aus der Dritten Welt": US-Medien sind entsetzt über die Entlassung des FBI-Chefs

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DONALD TRUMP
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US-Präsident Donald Trump hat Washington mit einer Entscheidung überrumpelt: Am Dienstagabend feuerte Trump FBI-Chef James Comey.

Eine so überraschende wie brisante Entscheidung. Offiziell begründete Trump die Maßnahme damit, Comey sei nicht in der Lage, seine Behörde effektiv zu führen. Gemeint war damit Comeys Verhalten in der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton.

Aber natürlich überschatten die Gerüchte über Trumps Verbindungen nach Russland die Angelegenheit. Comeys Behörde untersucht derzeit mögliche Absprachen von Trumps Wahlkampfteam nach Russland.

Von den US-Medien hagelt es daher scharfe Kritik an Comeys Rauswurf.

Der Zeitpunkt wirft Fragen auf

Gerade der Zeitpunkt der Entscheidung wird kritisiert. In einem Kommentar der US-Tageszeitung “Washington Post heißt es dazu:

“Fragen über Comeys Leistung sind angebracht, aber der Zeitpunkt seines Rauswurfs, einen Tag nach einer abträglichen Anhörung zu Trumps Russland-Verbindungen, hinterlässt deutlich den Eindruck, es ging darum, die FBI-Untersuchung zu Russland zu killen.”

Auch die US-Tageszeitung “New York Times kommentiert fragend:

“Natürlich, wenn Trump wirklich glaubt, wie er in seinem Kündigungsbrief schreibt, dass Comey das ‘öffentliche Vertrauen’ in seine Behörde untergraben hat, hätte er ihn ebenso gut an seinem ersten Tag im Amt feuern können.”

Doch Trump hatte, darauf weisen alle Kommentare hin, während der letzten Tage des Wahlkampfes nur Lob für Comey übrig. Schließlich half ihm Comeys Entscheidung, nur wenige Tage vor der Wahl die Clintons E-Mail-Affäre erneut untersuchen zu lassen.

"Der Präsident lügt schon wieder"

Die US-Medien nehmen ihrem Präsidenten daher die offizielle Begründung für Comeys Rauswurf nicht ab.

“Die Erklärung für diesen schockierenden Schritt (...) kann man nicht für bare Münze nehmen”, kommentiert die “New York Times”. “Selbstverständlich verdient Comey alle Kritik, mit der er für seine wiederholten Fehler in diesem Fall (der E-Mail-Affäre, d. Red.) überschüttet wurde. Aber ebenso eindeutig ist das nicht der Grund, warum Trump ihn gefeuert hat.”

In einem zweiten Kommentar wird ein Journalist der “New York Times” noch deutlicher. “Der Präsident der Vereinigten Staaten lügt schon wieder”, heißt es da.

Zum einen habe Trump schon so oft gelogen. Zum anderen behaupte er, mit dem Rauswurf nur einer Empfehlung des Justizministeriums zu folgen. Dem würden aber Berichte aus dem Weißen Haus widersprechen. Weiter heißt es in dem Kommentar:

“Der US-Präsident lügt beim Rauswurf eines Gesetzeshüters. Und er lügt höchstwahrscheinlich, um sich selbst und seine Helfer von einer ausführlichen Untersuchung ihrer eigenen Aktivitäten zu schützen."

Für die US-Medien hat Trump mit dieser Entscheidung eine politische Krise ausgelöst. Und die Worte dafür könnten nicht härter ausfallen.

"Der Präsident lügt schon wieder"

Der US-Sender CNN kommentiert etwa: “Was Trump hiermit gemacht hat, ist nicht einfach nur unerwartet. Sondern potenziell sehr gefährlich.” Jeder werde die Entscheidung als Vertuschungsversuch ansehen.

Trump habe versprochen, Washington aufzurütteln. “Aber dieser Schritt (...) fühlt sich selbst für Trump an, als ob er einen Gang hochgeschalten hätte: eine verstärkte Offensive, um abweichende Stimmen aus dem FBI-Büro zu entfernen.”

Selbst der Trump freundlich gesonnene US-Sender Fox News gibt in einem Kommentar zu bedenken: Die Entscheidung hinterlasse ein politisches Minenfeld. "Natürlich sorgt das für große Herausforderung für denjenigen, der neuer FBI-Direktor wird und gründlich und effektiv die Rolle des vordersten Kontrahenten der USA, Russland, in den Wahlen 2016 prüfen muss."

Harte Worte findet vor allem die “Washington Post”: Trump imitiere mit seinem Verhalten einen Diktator aus der “Dritten Welt”.

Sollte es nun keine unabhängige Untersuchung der Russland-Verbindungen geben, droht Trump:

Aus der “Welle der Rebellion” könnte ein “Tsunami” werden, “und er wird Trumps Beschützer in den Umfragen wegschwemmen.

Dieser Präsident mag denken, er sei unangreifbar, aber die Amerikaner werden ihn als das sehen, was er ist: ein Mini-Tyrann.”

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(lp)

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