Ausgerechnet die "Let's Dance"-Jurorin Motsi Mabuse brachte bei "Maischberger" das Leitkultur-Problem auf den Punkt

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MABUS
ARD Maischberger
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Und täglich grüßt die Leitkultur - seit 1996. Zu Beginn ihrer Talkshow schien sich Sandra Maischberger dafür rechtfertigen zu wollen, dass sie das Thema noch einmal aufgriff.

"Wenn sie jetzt sagen, dass hab ich schon mal gehört, dann tun Sie das nicht ohne Grund", sagte sie an die Zuschauer gerichtet.

Aber nun hat Innenminister Thomas de Maizière (CDU) seine zehn Thesen zur Leitkultur in der "Bild am Sonntag" veröffentlicht - und damit die seit 1996 schwelende Debatte neu entfacht. "Beethoven oder Burka?", fragte Maischberger.

Das war die Gästeliste:

● Sawsan Chebli, Berliner Staatssekretärin und ehemalige Sprecherin des Außenministers
● Motsi Mabuse,Tänzerin und Schauspielerin aus der RTL-Sendung "Let’s Dance"
● Joachim Herrmann, CSU-Innenminister
● Hans-Ulrich Jörges, "Stern"-Journalist
● Birgit Kelle, Publizistin

Schon nach den ersten Minuten schien alles gesagt. "Ich brauch' das nicht", antwortete Mabuse auf die Frage, ob Deutschland eine Leitkultur-Debatte nötig habe. Maischberger lachte.

"Der Anlass ist natürlich jetzt wieder Wahlkampf", und der Begriff sei "abgelutscht", sagte auch die konservative Publizistin Birgit Kelle, die eigentlich als Verteidigerin der Leitkultur eingeladen worden war. Dann schob sie aber schnell nach: "Wir trauen uns nicht mehr zu definieren, was wir eigentlich von Menschen erwarten."

Die Tänzerin Mabuse aus der RTL-Show war eine echte Bereicherung für die politische Talk-Sendung. Sie erzählte mit strahlendem Lächeln und ohne jede politische Agenda Dinge aus ihrem Alltag, die das ganze Problem auf den Punkt brachten.

Sie habe oftmals "Angst zu sagen: Ich bin Deutsche". Und an einer Stelle unterlief ihr ein vielsagender Versprecher: "Für uns, die nicht Deutsche sind, wären es schön, wenn man das Gefühl hat, wir sind inklusive", sagt sie. Ist das alles, was zugewanderte von Deutschland erwarten können? Irgendwie "inklusiv" zu sein?

Mabuse lebt seit 18 Jahren in Deutschland und hat einen Einbürgerungstest gemacht, bei dem sie die Nationalhymne singen musste. Offensichtlich hat sie das Gefühl, dass sie immer noch nicht als Deutsche angesehen wird.

In Südafrika sei sie Rassismus gewohnt gewesen, aber als sie vor 18 Jahren nach Deutschland gekommen sei, habe es das nicht gegeben. Dies würde sich jetzt ändern.

"Die Leute spüren aus irgendwelchen Gründen: 'Jetzt können wir angreifen.' Mir werden ganz böse Sachen geschrieben." In Zuschriften wird sie als "Affe" bezeichnet. Man drohe ihr mit Baseballschlägern.

Der Mann, der wahrscheinlich der wahre Anlass für die Debatte ist, saß auch in der Runde. Joachim Herrmann ist gerade zum Spitzenkandidaten der CSU für die Bundestagswahl gewählt worden.

Somit wurde er von seiner Partei für das Amt des angeschlagenen CDU-Innenministers Thomas de Maizière in Stellung gebracht. "Also auf den Stuhl von de Maizière“, wie der "Stern"-Journalist Jörges sagte. Der aber "schlägt jetzt mit den Flügeln“.

Seiner Ansicht nach ist die Leitkultur-Debatte ein letzter Versuch des Noch-Innenministers, sich vor der Bundestagswahl politisches Profil zu verschaffen.

Die ehemalige Sprecherin des Außenministeriums, Sawsan Chebli, war nicht überrascht über die hohe Zustimmung für de Maizières Forderungen in der Bevölkerung. Den Forderungen nach Leistung, Respekt und Allgemeinbildung, die de Maizière aufgestellt habe, könne sich schließlich jeder anschließen. "Ich frag mich, was so typisch Deutsch daran ist?"

Auch Chebli stimmte Jörges zu, dass es bei der Leitkultur-Debatte in Wirklichkeit um den Posten des Innenministers gehe. Deshalb würden eine Debatte "echte Deutsche gegen nicht echte Deutsche" geführt, an der die Zugewanderten nicht teilhaben.

Stattdessen würden sie wie "Bittsteller" behandelt. "Es gehen um einen Machtkampf zwischen zwei älteren Herren, der auf dem Rücken von ganz vielen Menschen ausgetragen wird". Gemeint waren damit de Maizière und Herrmann, der ihr gegenüber saß.

Stern-Chef Jörges bezeichnete auch die Debatte um ein Burka-Verbot als "irrelevant". Es gebe in Deutschland nur eine Stadt, in der man regelmäßig vollverschleierte Frauen auf den Straßen sehe. Und das sei München, das von arabischen Touristen besucht würde. Mehrere Versuche der CSU, ein Burka-Verbot durchzuführen, seien am Widerstand der Wirtschaft gescheitert. Luxushotels in München würden Muslimen Kompasse bereitstellen, damit diese wissen, wo Mekka liegt. Touché.

CSU-Politiker Hermann rechtfertigte dagegen den Leitkultur-Gedanken. "Wenn ich nach Istanbul gehe, dann ruft da der Muezzin und ich kann nicht erwarten, dass die christlichen Glocken gleichberechtigt daneben läuten."

Warum eigentlich nicht? Soll man die Intoleranz einer anderen Kultur als Rechtfertigung für die eigene verwenden?

Mit den Worten "Herr Herrmann muss jetzt tapfer sein", kündigte Maischberger einen Einspieler an. Er zeigte den Auftritt des CSU-Innenministers bei "Hart aber fair", in dem er den Sänger Roberto Blanco als "wunderbaren Neger" bezeichnet hatte.

"Gehört es nicht zur deutschen Leitkultur, dass man 2017 nicht mehr 'Neger' sagt?", stichelte Maischberger. Auf die Frage, ob ihm seine damalige Aussage peinlich sei, bekam sie keine Antwort.

Wieder war es Mabuse, die den Finger in die Wunde legte.

"Alles, was man mit dem Wort verbindet, ist negativ und es tut weh", sagte sie. Sie würde regelmäßig sagen: "Leute, das ist nicht so schön, wenn ihr Neger sagt." Aber die würden dann zurückgeben, dass sie das immer so gesagt hätten.

Immerhin gab es für Herrmann am Ende doch noch Lob - und zwar ausgerechnet von der Berliner SPD-Staatssekretärin Chebli.

"Sie machen die Integration in Bayern gut", sagte sie an den CSU-Innenminister gerichtet.

"Aber was sie nach außen kommunizieren, ist genau das Gegenteil - und das werfe ich ihnen vor."

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(ll)