Tonbandaufnahme von sinkendem Flüchtlingsboot entdeckt - sie zeigt auf grausame Weise, was in unserer Gesellschaft schief läuft

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Eine kürzlich aufgetauchte Tonbandaufnahme zeigt, wie grausam mit Menschenleben umgegangen wird. Vor allem mit denen von Flüchtlingen.

Das Band stammt von einem Flüchtlingsboot, das im Oktober 2013 rund 96 Kilometer vor der italienischen Insel Lampedusa gesunken ist. 268 Menschen, darunter 60 Kinder, haben hier ihr Leben verloren.

Rettung kam erst viel später

In der Aufnahme sind verzweifelte Hilferufe zu hören, die der syrische Arzt Dr. Mohanad Jammo gegen 13 Uhr abgesondert hat - er fleht darum, gerettet zu werden.

Doch erst vier Stunden, nachdem der erste Hilferuf abgegeben wurde, kam die italienische Küstenwache zur Rettung.

Internationales Gesetz hat an dieser Stelle versagt

Nach internationalem Gesetz müssen die Behörden, die näher am Ort des Geschehens sind, zu Hilfe eilen. Italiens Küstenwache war zum Zeitpunkt des Kenterns gerade einmal 16 Kilometer von dem Unglücksort entfernt.

Maltas Küstenwache rund 209 Kilometer. Dennoch wollten die Italiener erst Absprache mit Malta halten. Die Malteser schickten ein Flugzeug, um das Gebiet von oben zu sichten.

Um 17.05 Uhr schickten die Italiener dann rettende Boote. Die 268 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt bereits tot.

Die Tonbandaufnahme hört ihr oben im Video.

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(chr)