LIFESTYLE
10/05/2017 17:30 CEST | Aktualisiert 10/05/2017 17:43 CEST

Neue Studie zu Burnout am Arbeitsplatz: Diese Zahlen sollten alle Chefs kennen

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Noch nach Feierabend im Büro: Besonders lange Arbeitszeiten können zu Stress führen.

Nach Feierabend noch länger im Büro zu bleiben, scheint in Deutschland immer mehr die Norm statt die Ausnahme zu sein. Der Druck auf deutsche Angestellte steigt, und damit auch die Zahl psychischer Erkrankungen. Eine neue Studie zeigt, worunter Arbeitnehmer inzwischen besonders leiden.

Leistungsdruck, zu wenig Personal und Kostensenkung im Betrieb setzen viele Arbeitnehmer unter psychischen Stress. Das geht aus einer umfassenden Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hervor, die am Freitag veröffentlicht wurde. So hätten Experten für Krankheitsvorbeugung in Betrieben den Stressfaktor Arbeitsverdichtung am häufigsten als Risiko für die psychische Gesundheit benannt.

"Flexibilität, Druck und Mehrarbeit machen krank"

"Flexibilität bei der Arbeitszeit, Druck und Mehrarbeit können krank machen", sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) in einer Pressekonferenz. Fast jede zweite Frühverrentung sei die Folge seelischer Leiden.

Die Studie wurde anlässlich eines Kongresses des Nahles-Ministeriums mit der Bundesanstalt, dem Arbeitgeberverband BDA und dem Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) im Internet veröffentlicht. Es handelt sich um den Abschlussbericht eines Forschungsprojektes.

Mehr Handlungs- und Entscheidungsspielraum, sowie vielfältige und vollständig machbare Aufgaben fördern die Gesundheit des Arbeitnehmers. Andernfalls leiden Wohlbefinden und Motivation.

Schlimmer noch: Burnout, Erschöpfung, Ermüdung, Depression und Angst können Folgen einer übermäßigen Arbeitsverdichtung sein. Auch zunehmende Dauer der Arbeit und Arbeit zu sozial wertvollen Zeiten wirken negativ auf die Gesundheit.

Die Vorhersehbarkeit und Planbarkeit von Arbeitszeit sind zentral für die Gesundheit. Schichtarbeit, zu lange Arbeitszeiten und ausbleibende Pausen können hingegen krank machen.

Auch die emotional anspruchsvolle Arbeit, vor allem im Dienstleistungsbereich, kann zu Burnout und Arbeitsunzufriedenheit beitragen - vor allem wenn es häufiger zu Konfrontationen mit unzufriedenen Kunden kommt. Für Beschäftigte sollte es daher die Möglichkeit geben, sich schwierigen Situationen auch einmal entziehen können.

Mangelhafte Führungsqualität setzt Arbeitnehmer vermehrt unter Stress

Destruktive Führung setzt Arbeitnehmer unter Stress. Das Gegenteil ist aufgaben- und mitarbeiterorientierte Führung, sie beugt psychischen Leiden vor. Unklarheit über Ziele der Arbeit und die Rollen der Beteiligten ist riskant. Die Führungskraft steht zwischen Mitarbeiter und Gesamtfirma und sollte vermitteln und klären, Unterstützung und Wertschätzung geben.

Besonders gefährlich wird es laut der Studie, wenn mehrere Stressfaktoren zusammenkommen. Beste Chancen für eine gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung gebe es, wenn etwa ein Betrieb neu aufgebaut werde. Weitaus häufiger sei es jedoch, dass Unternehmen riskante Umstände korrigieren müssten.

Laut der DAK-Krankenkasse sind etwa 15 Prozent der Krankheitstage von Arbeitnehmern auf psychische Störungen zurückzuführen. Außerdem steigt die Zahl derer, die wegen einer psychischen Erkrankung vorzeitig in Rente gehen müssen.

Lag deren Anzahl im Jahr 2000 noch bei 50.000 Krankmeldungen, waren 2014 laut Deutscher Rentenversicherung bereits 75.000 Menschen betroffen.

Studie soll Auftakt für nachhaltige Verbesserung sein

Der Kongress bei Nahles ist laut Ministerium der Auftakt für einen "Runden Tisch", um die Lage - wo nötig - zu verbessern.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte, die Gewerkschaften würden sich daran beteiligten - aber nur wenn schnell, spätestens bis Ende 2018, wirksame Schritte für die Gesundheit der Beschäftigten folgen.

"Der Runde Tisch darf nicht zur langen Bank werden", mahnte sie.

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(amr)

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