Xavier Naidoo ergreift das Wort: So schwach verteidigt er seinen Skandal-Song

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Es wird eng: Xavier Naidoo äußert sich erstmals zu den Vorwürfen | POOL New / Reuters
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  • Sänger Naidoo reagiert auf die Kritik an seinem Song "Marionetten"
  • Er gibt zu, dass der Text "missverständlich" sein könnte

Nach der Veröffentlichung seines umstrittenen Songs "Marionetten" meldet sich nun Xavier Naidoo erstmals zu Wort. Der Text hatte viel Aufregung ausgelöst, weil er Kritikern zufolge antisemitische und hetzerische Vorurteile bedient.

In seinem Lied hatte Naidoo Politiker als Hoch- und Volksverräter bezeichnet und nähert sich so an Vokabular der Pegida-Bewegung und des rechten Randes an.

Auch der uralten Verschwörungstheorie des Juden als Puppenspieler, der seine Marionetten lenkt und im verborgenen die Strippen zieht, bedient sich Naidoo:

"Wie lange noch wollt ihr Marionetten sein; Seht ihr nicht, ihr seid nur Steigbügelhalter; Merkt ihr nicht, ihr steht bald ganz allein; Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter.“

Von Einsicht und einer Entschuldigung fehlt jede Spur

Doch von Einsicht ist in dem Statement wenig zu spüren. Im Gegenteil: Naidoo schreibt, er fühle sich nach dem Gespräch mit dem Oberbürgermeister von Mannheim gezwungen nochmals "das Wort für die Kunst ergreifen zu müssen."

Als Musiker "für den Kunst- und Meinungsfreiheit eines der höchsten Güter überhaupt ist" sei er dazu verpflichtet, für ebendiese Partei zu ergreifen. Naidoo scheint demnach also die Meinung zu vertreten, dass nicht die Inhalte seines Songs problematisch seien.

Vielmehr bringe die geäußerte Kritik die künstlerische Freiheit im Allgemeinen in Gefahr. Welche Reaktionen seine Texte auslösen, scheint Naidoo egal zu sein.

Schlimmer noch: Der Musiker fühlt sich missverstanden und prangert an, dass Passagen seines Songs aus dem Kontext genommen und missinterpretiert wurden.

Zu den Vorwürfen eine Hymne für Reichsbürger, Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker geschrieben zu haben, geht Naidoo in seinem Statement nicht ein.

Stattdessen verschanzt er sich hinter dem Argument der Meinungsfreiheit. Zu seiner Verteidigung bedient er sich sogar des Standardarguments, er könne schon aufgrund seiner Herkunft gar nicht fremdenfeindlich sein.

"Gerade meine Herkunft prägt mich als einen multikulturellen Menschen, mit meiner südafrikanisch-irischen Mutter und meinem indisch-deutschen Vater."

"Möglicherweise missverständlich"

Nichtsdestotrotz räumt der Sänger ein, dass seine Beschreibungen "bewusst überzeichnet" seien.

Der Musiker hält den umstrittenen Song "Marionetten" seiner Band Söhne Mannheims für möglicherweise missverständlich.

Es handele sich "um eine zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen, also um die Beobachtung bestimmter Stimmungen, Auffassungen und Entwicklungen", schrieb Naidoo in einem Facebook-Beitrag.

Obgleich der Sänger bereits in der Vergangenheit mit Verschwörungstheorien und Hetze aufgefallen war, waren die Konsequenzen für ihn und seine Band bis jetzt recht überschaubar. Mit seinem neuen Song ist er jedoch endgültig zu weit gegangen.

Politiker fordern den Ausschluss vom NDR-Festival

Neben der satirischen Verarbeitung des Songs durch Jan Böhmermann melden sich auch andere Stimmen der Öffentlichkeit zu Wort. Politiker der Parteien CDU, SPD und den Grünen fordern den Ausschluss der gesamten Band von einem anstehenden Musikfestival in Hannover.

Abschließend äußert der Frontmann der Söhne Mannheims sich doch noch versöhnlich: Er betont in dem Statement, er selbst und die Band stünden "für eine offene, freiheitliche, liberale und demokratische Gesellschaft, in der viele Kulturen gemeinsam zusammenleben und in der es allen Menschen möglichst gut geht".

Dies sei ihm wichtig und dafür lohne es sich, einzustehen. Allerdings hätten momentan "viele Menschen zumindest das Gefühl", dass "sie nicht mehr 'mitgenommen' werden von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik". Das sei gefährlich und könne zu Extremismus führen, der nie gut sei.

Mit Material der dpa

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