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09/05/2017 14:27 CEST | Aktualisiert 09/05/2017 20:27 CEST

RTL2 erklimmt mit "Naked Attraction - Dating hautnah" einen neuen Gipfel der Geschmacklosigkeit

RTL2

Es gibt nicht viele Sendungen im Fernsehen, die mich fassungslos machen. Genauer gesagt ist das seit "Big Brother" nicht mehr passiert.

Doch RTL2 ist es gelungen - und zwar mit der Kuppel-Show "Naked Attraction - Dating hautnah".

Das Konzept: Ein Single und sechs Kandidaten, die sich "hüllenlos" in sechs Boxen präsentieren und "Stück für Stück aufgedeckt" werden. Ja, ganz genau: Sie sind nackt.

Weiter heißt es in der Ankündigung des Senders: "Alles, was die Kandidaten haben, um den begehrten Single von sich zu überzeugen, ist ihr Körper. Denn das Gesicht wird erst ganz am Schluss enthüllt. Was sagt der nackte Körper über die Persönlichkeit und den Lifestyle aus?"

Das klingt nicht nur nach Bodyshaming.

Und es kam, wie es kommen musste: Sechs bunte Boxen, sechs nackte Frauenkörper. Mittendrin Single-Kanditat Rob, der die alleinstehenden Damen in ihrem Eva-Kostüm ganz genau unter die Lupe nahm. Ohne ihre Gesichter zu sehen.

Von Eierstöcken bis Brustform

Gemeinsam mit Moderatorin Milka Loff Fernandes (ehemalige Viva-Moderatorin) verfiel er in Grübeleien wie "Interessant finde ich, dass die Tätowierung die Eierstöcke betont“ als er sich intensiv mit dem Intimbereich der Frauen beschäftigte. Dabei entpuppte er sich dann als verkannter Sexualforscher: "Große Schamlippen steigern das Lustempfinden der Frau".

Als es um die "Beurteilung" der Brüste ging, machte er deutlich: "Ich bevorzuge den Klassiker, die Vasen-Form".

Am Ende dann noch eine Bemerkung, die man dem geistreichen Kandidaten überhaupt nicht mehr zugetraut hätte: „Das Gesicht ist natürlich das Wichtigste, keine Frage. Ich finde etwas Markantes interessant.“

Nachdem der 26-Jährige dann seine vermeintliche Traumfrau anhand ihrer Brustform ausgemacht hat, wird der Spieß umgedreht, und die Single-Frau Jennifer startet die Fleischbeschau. "Das Spannende ist, dass man direkt vor nackte Tatsachen gestellt wird."

Fremdscham, Wut und Fassungslosigkeit

Als erstes nahm die 24-Jährige dann die besten Stücke der sechs Herren unter die Lupe. Größe, Durchmesser, beschnitten oder nicht? "Ich finde beides okay", gibt sich Jennifer pragmatisch und entscheidet sich letztendlich für den mit dem sympathischsten Ausdruck.

Beim Zuschauen kommt unweigerlich die Frage auf, wie es so eine Sendung überhaupt ins Fernsehen schaffen kann. Sie ist nicht nur dumm und unfassbar peinlich. Sie transportiert auch ein Frauen- und Männerbild, das in einer modernen Gesellschaft eigentlich nichts mehr zu suchen hat. Und am Ende bleibt nur noch die Fassungslosigkeit.

Vielleicht, und dieser Eindruck bleibt nicht aus, war aber genau das das Ziel.

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