Die Deutsche Bahn siedelt wegen "Stuttgart 21" Eidechsen um - und das kostet 15 Millionen Euro

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EIDECHSE
Die Bahn siedelt aus Artenschutzgründen im Rahmen des Bauprojektes Stuttgart 21 Eidechsen um | dpa
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  • Für das umstrittene Bauprojekt Stuttgart 21 müssen 6000 Mauereidechsen umgesiedelt werden
  • Die Umsiedlung einer Eidechse kostet zwischen 2000 Euro und 4000 Euro

Die Umsiedlung von Eidechsen für das umstrittene Milliardenprojekt Stuttgart 21 kostet nach Angaben der Bahn rund 15 Millionen Euro. Bei Wendlingen wurden in den vergangenen Wochen 200 streng geschützte Zauneidechsen von einem Bauplatz für die ICE-Trasse Stuttgart-Ulm eingesammelt, wie die Bahn am Dienstag mitteilte.

250 solche Reptilien werden dort vermutet. In Stuttgart-Untertürkheim müssen gut 6000 Mauereidechsen umgesiedelt werden. Den Start der Bauarbeiten in Wendlingen hätten die Tiere schon um 18 Monate verzögert, sagte Projektsprecher Jörg Hamann.

Natürschützer mahnen eine bessere Planung der Umsiedlung an

Experten fingen die Kriechtiere mit einer an einer Rute befestigten Schlinge. Sie werden zehn Kilometer weiter wieder angesiedelt. Durch Planung, Gutachten, Monitoring, Fang und Grunderwerb koste die Umsiedlung einer Eidechse zwischen 2000 Euro und 4000 Euro, hieß es.

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(Die Bahn siedelt aus Artenschutzgründen im Rahmen des Bauprojektes Stuttgart 21 Eidechsen in einen neuen Lebensraum um)

Die Bahn weiß nach eigenen Angaben seit März 2015 von der Zahl der Eidechsen und den genauen Orten in Wendlingen. Um 18 Monate hätten sich die Bauarbeiten hier bei Wendlingen verzögert, sagt Bahnsprecher Hamann.


Naturschützer
mahnen derweil eine bessere Planung an: Artenschutz müsse nicht so teuer sein, wenn man nur rechtzeitig daran denke, sagt Johannes Enssle, Landeschef des Naturschutzbundes Nabu. "Es ist natürlich bedauerlich, wenn das so teuer wird", sagte Enssle. "Man muss aber auch fragen: Was haben sich die Planer dabei gedacht?"

Das Land mache der Bahn dauernd Vorschläge, wie man mit dem Thema Artenschutz umgeht, sagt Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Die Bahn müsse diese aber auch annehmen. "Da mangelt es etwas." Er habe schon beim Faktencheck darauf hingewiesen, dass ein Gleisbett keine Steinwüste, sondern ein lebendiges Biotop sei.

"Es ist nicht verhältnismäßig, Arten auszurotten", so Kretschmann

"Jetzt kann man nicht so tun, als sei man total überrascht." Auf die Frage, ob der Aufwand für solche Aktionen verhältnismäßig sei, sagt der Regierungschef: "Es ist nicht verhältnismäßig, Arten auszurotten."

Als artgerecht für eine Eidechse gilt nach Angaben der Bahn eine Fläche mit Steinhaufen, auf denen sich die Kriechtiere sonnen könnten, mit Sandflächen zur Eiablage, trockenen Ästen, Reisighaufen und Rückzugsräumen - sowie eine insektenfreundliche Vegetation, damit sie genug Nahrung finden. Solche Habitate sind für die Oberboihinger Zauneidechsen zehn Kilometer weiter vorbereitet worden.

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(Ein Biologe schaut bei der Umsiedlung in ein Terrarium.)

Der Artenschutz ist auch auf anderen Baustellen des Megaprojekts Thema: So mussten am Bahnhof Feuerbach im Norden von Stuttgart Zauneidechsen eingesammelt werden. 655.000 Euro habe ihre die Umsiedlung nach Steinheim an der Murr nahe Ludwigsburg gekostet, berichtet die Bahn. Das seien annähernd 4500 Euro pro Tier.

Für andere Zauneidechsen von einem Bauplatz in Untertürkheim errechnete das Unternehmen sogar 8599 Euro. Pro Tier.

Der neue Abstellbahnhof für Stuttgart 21 soll auf einem lange nicht genutzten Güterbahnhof entstehen

Der neue Abstellbahnhof für Stuttgart 21 soll auf einem lange nicht genutzten Güterbahnhof entstehen. Allerdings haben sich dort mehr als 5000 Mauereidechsen angesiedelt. Ein Stück weiter auf einer anderen Baufläche leben laut Bahn weiter 1500 Exemplare.

Und dann gibt es ja noch den legendären Juchtenkäfer, der die Bahn schon auf dem Gelände des neuen Tiefbahnhofs geärgert hat. "Den Tieren geht es gut", sagt Stephan Blum, der Artenschutzbeauftragte der Bahn für Stuttgart 21.

Am Bahnhof mussten sie umplanen, ebenso wie jetzt nahe der Wilhelma im Rosensteinpark. Dort habe man einen Tunnel eigentlich in offener Bauweise bauen wollen, berichtet Bahn-Sprecher Jan Dambach.

Da dort aber sechs Bäume stehen, in denen Juchtenkäfer vermutet würden, müssten diese stehen bleiben. Die Bahn sieht 20 Millionen Euro Zusatzkosten.

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(pb)

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