Der Erfinder der Hartz-IV-Reformen kehrt zurück - und hat große Pläne für den deutschen Arbeitsmarkt

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PETER HARTZ
Was führt Peter Hartz im Schilde? | Tobias Schwarz / Reuters
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  • Peter Hartz sprach in Berlin über den Arbeitsmarkt
  • Er zeigte, wie die Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit bekämpft werden könnte
  • Dabei ist die von ihm erfundene Hartz-IV-Reform stark umstritten

Das Interesse ist groß, als der berühmteste Arbeitsdirektor der Republik wieder die politische Bühne betritt. Peter Hartz ist an diesem Dienstag nach Berlin gekommen, um über sein Lieblingsthema zu sprechen: den Arbeitsmarkt.

Der Namensgeber einer der umstrittensten Reformen Deutschlands präsentiert neue Ideen zur Bekämpfung der Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit.

"Mister Hartz IV" wirkt selbstsicher, während er über die "Realität des Marktes" und Big Data in der "Talentdiagnostik" spricht. Mitstreiter für seine Pläne rund um den Arbeitsmarkt habe er noch nicht. Weder auf Bundes- noch auf EU-Ebene, gibt Hartz zu und zeigt sich gleichzeitig kämpferisch: "Es ist machbar, sie müssen es nur machen."

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Peter Hartz, der Gernegroß

Ein Hartz denkt gerne groß. Dem neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron bietet er seine Hilfe beim Umbau des französischen Arbeitsmarktes an.

Fragen der Reporter zu seiner Person, zum VW-Skandal oder seiner Zeit als enger Berater des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder (SPD) beantwortet er nur widerwillig - und sehr knapp.

Sein einstiger Mentor Schröder meldet sich dann passend zum Hartz-Auftritt per Interview zu Wort. Seine 2003 auf den Weg gebrachten Agenda-2010-Arbeitsmarktreformen, die auch dazu beitrugen, Deutschland vom "kranken Mann Europas" wieder an die Weltspitze zu befördern, sind im laufenden Wahlkampf ein zwischen den Parteien und der Wirtschaft heiß umkämpftes Thema.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will "Fehler" der Agenda beheben, länger Arbeitslosengeld auszahlen, damit gerade Ältere durch mehr Weiterqualifizierung fit für den digitalen Arbeitsmarkt gemacht werden. Nervt das Schröder?

Eigentlich habe die SPD ja längst ihren Frieden mit der Agenda gemacht: "Aber die Agenda sind nicht die zehn Gebote, ich bin nicht Moses. Man darf die Dinge weiterentwickeln. Und das ist ok", sagt der Altkanzler dem "Münchner Merkur".

"Die Agenda 2010 war ein Erfolg"

In Berlin wird Peter Hartz gefragt, ob er sich vorstellen könne, wie damals bei Schröder erneut einer Bundesregierung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen? "In meinem Alter brauchen Sie keine Karriere mehr", sagt der 75-Jährige. Die Journalisten lassen nicht locker. Bei jedem neuen Anlauf aus dem Publikum werden seine Stirnfalten tiefer.

Natürlich verteidigt Hartz sein Lebenswerk: "Die Agenda 2010 war unterm Strich ein Erfolg, gemessen an ihren Zielen", sagt er. Die Bewältigung der Massenarbeitslosigkeit sei gelungen.

Als Schröder und Hartz loslegten, hatten fünf Millionen Menschen keinen Job - heute sind es knapp halb so viele, was sicher nicht nur an den Agenda-Reformen liegt. Allerdings brachte das Prinzip des "Fördern und Fordern" auch Härten für viele Arbeitslose.

Heftige Kritik von Linken-Vorsitzender Katja Kipping

Die Linke-Vorsitzende Katja Kipping lässt kein gutes Haar an Hartz. Seit zwölfeinhalb Jahren müssten Millionen tagtäglich mit den Folgen von Hartz IV leben. "Man sollte meinen, dass eine derart lange Zeit auch für den Namensgeber der Hartz-Reformen reichen müssten, um seine Fehler von damals einzugestehen. Fehlanzeige."

Hartz blende viele Problemfelder einfach aus. "Keine Vorschläge zur Erhöhung der Regelsätze, keine Kritik an den Sanktionen, die zu Existenznot, Existenzangst ja sogar zu Wohnungslosigkeit führen."

Kippings Empfehlung an den Ex-Topmanager von VW: Er sollte einmal "einige Monate in dem nach ihm benannten System von Armut und Schikane leben, um wirklich zu begreifen, was das Leben mit Hartz IV bedeutet".

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(poc)