LIFESTYLE
08/05/2017 12:08 CEST | Aktualisiert 08/05/2017 16:33 CEST

Postnatale Depression: Mit diesem Bild möchte eine junge Mutter anderen Frauen die Augen öffnen

Familienbilder auf Facebook zeigen meist nur eine Seite: pures Glück und Harmonie mit strahlenden Müttern und Vatern, die stolz ihre zufrieden spielenden Kinder halten.

Aber nicht allen Eltern geht es nach der Geburt des Babys ausschließlich gut. Die amerikanische Mutter Kathy DiVincenzo hatte den Mut, zwei sehr unterschiedliche Fotos auf Facebook zu posten. Sie zeigen, wie sie mit ihren Kindern spielt.

Einmal sieht man eine strahlende Mutter in einer perfekten Familienidylle, einmal eine völlig zerzauste, erschöpfte und überforderte Mutter, die nicht auf ihre Kinder eingehen zu können scheint.

Die junge Mutter will das Stigma um postnatale Depressionen beenden

DiVincenzo will mit ihren Bildern auf postnatale Depression aufmerksam machen und das Stigma um diese Krankheit beenden.

Viele betroffene Mütter schämen sich für ihr Leiden nach der Geburt und suchen keine professionelle Hilfe - obwohl sie diese dringend bräuchten. In Deutschland bekommen etwa 15 Prozent der Frauen, die ein Kind zur Welt gebracht haben, eine postnatale Depression.

Die junge Frau spricht damit also viele andere Mütter an. Ihr Post wurde 66.000 Mal geteilt und erhielt 43.000 Likes. Sie schreibt zu den Bildern:

"Wahrscheinlich fühlst du dich gerade ziemlich unwohl - glaub mir, es geht mir genauso. Aber ich will, dass du dich von dem gesellschaftlichen Stigma löst, das psychische Problemen nach der Schwangerschaft umgibt.

Der Mai wurde zum Monat der postnatalen Depression erklärt. Da bei mir postnatale Depression, Angstzustände und Zwangserkrankungen diagnostiziert wurden, will ich dir zeigen, wie das Leben mit diesen Krankheiten wirklich aussieht - damit du nicht nur die schönen Seiten von mir auf Facebook siehst.

Die Wahrheit ist, dass beide Bilder mein Leben darstellen, wie es ist - abhängig davon, wie der Tag verlaufen ist. Allerdings würde ich nur die eine Seite zeigen und das ist das Problem.

Das Einzige, das noch anstrengender ist als mit diesen Krankheiten leben zu müssen, ist, dass ich jeden Tag so tun muss, als hätte ich sie nicht. Ich arbeite doppelt so hart, um sie zu verstecken, weil ich nicht will, dass du dich unwohl fühlst. Ich habe Angst, dass du denkst, dass ich schwach bin, verrückt und eine schlechte Mutter. Ich weiß, ich bin mit diesen Gedanken nicht allein.

Wir sollten aufhören, automatisch anzunehmen, dass nach der Geburt immer nur Euphorie herrscht, weil das für jede siebte Mutter nicht der Fall ist. Wir müssen junge Eltern fragen, wie es ihnen geht - und zwar nicht nur oberflächlich. Das normale 'Wie geht's' sorgt nur für ein reflexartiges 'alles super'. Wir müssen uns über Anzeichen, Symptome, Risikofaktoren und Unterstützungsmöglichkeiten bei postnataler Depression informieren.

Wir müssen das Stigma beenden und das Schweigen brechen. Und unsere Geschichten erzählen und anderen zeigen, dass sie nicht alleine sind. Wenn du selbst Erfahrungen mit postnataler Depression machen musstest, dann erzähl uns doch deine Geschichte oder kommentiere mit einem Herz unter dem Post.

Lasst uns den anderen zeigen, dass sie nicht alleine leiden müssen. Falls dir das noch niemand gesagt hat, dann sage ich es dir jetzt: Du bist eine großartige Mutter. Du bist wertvoll und wirst geliebt. Ich weiß, wie hart es ist, um Hilfe zu bitten, aber ich verspreche dir, dass es das wert ist, dass DU es wert bist."

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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(lk)

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