"Auf uns wartet ein Niemandsland": 8 junge Franzosen erklären, was sich in ihrem Land nun ändern muss

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PARIS
"Auf uns wartet ein Niemandsland": 8 junge Franzosen erklären, was sich in ihrem Land nun ändern muss | LIONEL BONAVENTURE via Getty Images
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Am Sonntag hat sich die Zukunft Frankreichs entschieden. Der sozialliberale Politiker Emmanuel Macron wird die nächsten fünf Jahre versuchen, das kriselnde Land zu erneuern.

Eines der größten Probleme Frankreichs: die Perspektivlosigkeit der jungen Menschen. Statistiken und Umfragen bestätigen das.

Die Arbeitslosigkeit in Frankreich liegt konstant bei 10 Prozent, unter jungen Menschen ist sogar jeder Vierte ohne Arbeit.

Eine Umfrage des deutschen Meinungsforschungsinstituts Allensbach zeigt, wie groß die Hoffnungslosigkeit bei vielen Franzosen ist.

76 Prozent der französischen Bürger glauben demnach, die Zukunftsaussichten der jungen Generation im Land seien schlecht. 75 Prozent der Franzosen halten die wirtschaftliche Situation ihres Landes für schlecht, nur 27 Prozent stimmen dem derzeitigen Wirtschaftssystem zu.

In Frankreich muss sich also dringend etwas ändern. Die Politik muss die jungen Menschen wieder erreichen und ihnen Hoffnung für die Zukunft geben.

Wir haben acht junge Menschen in Paris gefragt, was das Land nun nach der Wahl für die Zukunft braucht.

Juliette, 24 Jahre alt

juliette

Die Einstellung und der Zugang zu Arbeit muss sich ändern. Zwischen den Generationen entsteht ein Bruch. Die Jungen werden mit einem Niemandsland konfrontiert.

Die Uni-Abgänger mit einem ersten Abschluss erhalten nur prekäre Jobs, diejenigen mit weiteren Abschlüssen bekommen Posten mit befristeten Verträgen vorgeschlagen, die wirklich nicht ihren Erwartungen entsprechen und deren Aufgaben unterhalb ihrer intellektuellen Kompetenzen liegen.

Es gibt einen gesellschaftlichen Druck, befristete Verträge anzunehmen, egal um welche Position es sich handelt, damit man erste Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt macht. Die Freiheit zu wählen ist bedeutend eingeschränkt.

Ich glaube, dass sich daran mit Macron wenig ändern wird. Er hilft Unternehmern, alles schön und gut. Aber einigen Bereichen wird das nicht helfen.

Aber auch die Einstellung der Leute muss sich ändern. Zwar gibt es eine Krise, aber man muss nicht den ganzen Tag lang wiederholen, wie schwer der Einstieg ins Arbeitsleben sei. Ich denke da an die Universität, wo ich ständig Angst vor dem Leben nach dem Abschluss hatte.

Dylan, 19 Jahre alt

Ich glaube, vor allem der Bildungsweg muss sich ändern. Es gibt eine Lücke zwischen dem, was einem beigebracht wird und dem, was wirklich in einem Unternehmen gebraucht wird.

Ich glaube, die Ausbildung hat sich nicht dem angepasst, was heute in einem Unternehmen verlangt wird. Das muss geändert werden.

Lascomba

Ich bin Unternehmerin, ich bin eine Handwerkerin. Keiner in Frankreich spricht wirklich über die Handwerker, die Probleme, anzufangen, einen Laden zu bekommen.

Auch eine Arbeit oder eine Ausbildung zu finden, ist sehr schwierig. Man sollte die Jungen besser darüber aufklären, welche Rechte sie in einer Ausbildung haben.

Und eine ganz einfache Maßnahme: Die Politik muss sich einfach für die jungen Menschen interessieren.

Pauline, 30 Jahre alt

Es müssen mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Und es muss wieder lokaler gedacht werden. Das wird nicht in der Europäischen Union passieren, das wird nicht mit dem Euro passieren.

Für mich bedeutet das, dass alle Arbeit wieder in Paris stattfindet. Es gibt große Unternehmen hier. Es gibt viele Menschen, die gut ausgebildet sind, aber keine Arbeit finden.

Aswin, 20 Jahre alt

aswin

Wie die Dinge angegangen werden, muss sich ändern. Wir sollten bestimmter und entschiedener handeln, wenn es um Immigration oder die Europäische Union geht.

Man muss den Jungen einen viel leichteren Zugang geben: zu Bildung, zur Politik. Man muss ihnen eine Chance geben, ihre Meinung auszudrücken.

Sophie, 24 Jahre alt

Ich würde sagen, die Jungen brauchen eine bessere Professionalisierung. Für alle Master-Studiengänge sollte es einen praktischen Ausbildungsweg geben.

Ich glaube auch, dass die Unternehmen verpflichtet sein sollten, eine bestimmte Anzahl von jungen Uni-Absolventen einzustellen. Wenn sie es nicht tun, sollte ihnen eine Geldstrafe drohen.

Kalindi, 24 Jahre alt

Ich denke, die nächste Regierung sollte sich vor allem darum kümmern, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Junge Menschen brauchen Hoffnung, um in Frankreich zu bleiben.

Viele Absolventen verlassen Frankreich, weil andere Länder ihnen ein besseres Leben bietet. Ich denke da an Kanada oder Deutschland.

Die zukünftige Regierung muss ihnen dasselbe bieten: Arbeitsplätze, unbefristete Verträge und finanzielle Unterstützung, um ins echte Leben zu starten.

Außerdem sollten Unternehmen darin eingeschränkt werden, wie viele Praktikanten sie aufnehmen können. Viele junge Absolventen müssen Praktika machen und finden nie einen echten Job.

Naël, 34 Jahre alt

Fünf Dinge sollten sich ändern:

Erstens müssen Abschlüsse wieder einen Wert haben. Das Versprechen, nach dem Abschluss einen Job zu bekommen, muss gehalten werden.

Zweitens sollte das Rentenalter für alle gesenkt werden, um Platz für junge Absolventen zu schaffen.

Drittens sollte es für Arbeitnehmer und Arbeitgeber leichter sein, eingestellt zu werden beziehungsweise jemanden einzustellen.

Viertens sollten die Kinder schon früh eine Fremdsprache lernen, damit sie später leichter einen Arbeitsplatz im Ausland finden können.

Und schließlich sollten die Beziehungen zwischen den Schulen und den Unternehmen gestärkt werden.

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