"Ist das Ihr Ernst?" Bei den Worten eines SPD-Politikers verlor Plasberg die Fassung

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Der Auftritt eines SPD-Politikers bei "Hart aber fair" dürfte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wenig Hoffnung auf einen Wahlsieg bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 17. Mai machen.

Die Umfragewerte der SPD sinken. Zwei Wahlschlappen seiner Partei hat Schulz im Saarland und in Schleswig-Holstein hinnehmen müssen.

Jetzt steht eine Landtagswahl in einem Flächenland vor der Tür. Unterliegt die SPD in Nordrhein-Westfalen, wäre die Bundestagswahl für Schulz wahrscheinlich gelaufen. WDR-Moderator Frank Plasberg fragte daher seine Gäste anlässlich der bevorstehenden Wahl: "Vorentscheidung im Westen: Was liefern die Parteien bei Integration, Sicherheit, Gerechtigkeit?“

Ein Satz von Lauterbach erregte Plasbergs Aufmerksamkeit

Als es um das Thema Innere Sicherheit ging, bewies der SPD-Politiker Karl Lauterbach, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, verblüffend wenig Fingerspitzengefühl (siehe Video oben).

In einem Einspieler erzählte eine Zuschauerin, dass in Duisburg ein Vater mit seinem Baby mit einem Messer bedroht und ausgeraubt worden sei. Wie Politiker sie vor solchen Angriffen schützen wollten, fragte sie.

Lauterbach sagte, er wolle die Bürger aufklären, "wie sie sich schützen können". Ein Satz, der die Aufmerksamkeit von Frank Plasberg erregte. Der Moderator bohrte nach. Was er damit meine, fragte Plasberg: "Taekwondo vielleicht?"

"Wollen Sie damit zitiert werden?"

Lauterbach hatte anderes im Sinne. Bei Einbrüchen sei die Vorbeugung entscheidend - die Bürger sollten "nachrüsten" - mit Unterstützung des Staates. Im Klartext: Ihre Wohnungen mit stabilerenTüren und Alarmanlagen versehen. Dies koste für eine Wohnung "zwischen 400 und 800 Euro", für ein Haus etwa 2000 Euro. Die anderen Talkgäste waren fassungslos.

"Zynisch!", rief die Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht. "Das ist verdammt nochmal Aufgabe des Staates." Doch Lauterbach ließ sich davon nicht irritieren. Der Mediziner verglich Einbrüche mit einer Krebserkrankung: Die Vorbeugung sei viel einfacher als die Behandlung der Krankheit.

Auch Plasberg konnte nicht so richtig glauben, was er hörte. "Ist das tatsächlich Ihr Ernst? Habe ich Sie richtig verstanden?", fragte er Lauterbach mehrmals. "Wollen Sie damit zitiert werden?"

Gröhe sieht "eklatantes Staatsversagen" in NRW

Plasberg gab die Rolle des neutralen Moderators völlig auf. Auch er sei Steuerzahler und zahle seine Beiträge für ein gutes Bildungssystem, ein friedliches Zusammenleben und Sicherheit. "Was erwarten Sie von einem Steuerzahler, wenn Sie sagen, wir können dich nicht vor Einbrechern schützen, aber wir helfen dir ein bisschen beim Nachrüsten?"

Der FDP-Politiker Johannes Vogel trat nach. Was Lauterbach vorgeschlagen habe, sei leider genau die Politik von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Der habe ein "Einbruchs-Radar" vorgestellt, das Bürgern helfen solle, ihr Eigentum besser zu schützen.

"Die Bürger empfinden dies als Hohn", so Vogel. NRW habe nur 20 Prozent der Bevölkerung, aber jeder dritte Einbruch finde hier statt. "Die Bilanz von Jäger ist desaströs", urteilte er.

Und auch CDU-Gesundheitsminister Hermann Gröhe stimmte ein. Er sprach von einem "eklatanten Staatsversagen" in dem Bundesland. Als Grund nannte er, dass das Land als einziger Flächenstaat die Schleierfahndung nicht zulasse.

Lauterbach machte es nicht besser. Die hohe Zahl der Einbrüche komme von der Nähe zu den Niederlanden und den vielen Großstädten in NRW. Das wirkte wenig glaubwürdig - schließlich stammen die Banden der Einbrecher meist aus Osteuropa. Plasberg wies darauf hin, dass ja auch Bayern eine lange Grenze habe.

Auch Bärbel Höhn, früher Umweltministerin in NRW für die Grünen, machte die Lage nicht besser. Bei ihr sei vor acht bis neun Jahren eingebrochen worden. "Hatten Sie ihre Wohnung nicht gesichert?", fragte Plasberg sarkastisch. Doch sie hatte noch einen hilfreichen Vorschlag für die Wähler: "Schließen Sie immer die Tür ab!"

Bei solchen Landespolitikern muss sich Martin Schulz über die Serie von Schlappen bei den Landtagswahlen nicht wundern.

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(sk)

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