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07/05/2017 07:42 CEST | Aktualisiert 07/05/2017 09:30 CEST

USA oder Russland - Wer hat die Dokumente von Präsidentschaftskandidat Macron geleakt?

Eric Gaillard / Reuters
USA oder Russland - Wer hat die Dokumente von Präsidentschaftskandidat Macron geleakt?

Der Zeitpunkt ist verdächtig: Zwanzig Minuten vor Mitternacht in der Nacht zum Samstag vor der Wahl des französischen Präsidenten - und damit kurz vor der verordneten Sendepause - sind Dokumente aus der internen Dokumentation des Kandidaten Emmanuel Macron veröffentlicht worden.

Die französische Wahlkommission CNCCEP untersagt seit Samstag, 0 Uhr, jede Information oder Werbung über die Kandidaten. Außerdem rief sie die Medien dazu auf, nicht über den Leak zu berichten - es könnten viele falsche Dokumente unter den E-Mails, Fotos und Abrechnungen sein.

Nicht möglich, die Sorgfalt zu prüfen

Auch die französische Zeitung "Le Monde" hat sich dafür entschieden, nicht über die Dokumente zu berichten. Als Grund nennt sie auf ihrer Internetseite vor allem "das offensichtliche Ziel", mit der kurzfristigen Verbreitung dieser Dokumente vor der Wahl am Sonntag "die Integrität der Abstimmung zu beschädigen".

Russland und amerikanische Rechte in Verdacht

Währenddessen gehen die Spekulationen weiter, wer die internen Daten veröffentlich hat und wer für die Verbreitung gesorgt hat.

In Verdacht steht Russland - und auch Amerika. Die Dokumente waren von einem Nutzer namens "Emleaks" auf der Plattform Pastebin ins Netz gestellt worden und nicht wie zunächst vermutet, von der Enthüllungsplattform Wikileaks.

Das Dokument verbreite sich als erstes über amerikanische Rechte. Unter anderem einen gewissen Jack Posobiec, der mehr als 100.000 Follower auf Twitter hat. Posobiec, ein Journalist und Mitglied der nationalistischen slawischen Bewegung SlavRight, arbeitete während des Wahlkampfs auch für Donald Trump, wie das amerikanische Digital Forensic Research Lab berichtet (DFRLab).

"Die 25 wichtigsten Tweets auf Englisch"

Posobiecs Tweets wurden laut Digital Forensic Research Lab in den ersten dreieinhalb Stunden 47.000 Mal retweetet. Hashtag: MacronLeaks.

"Die wichtigsten 25 Tweets mit dem Hashtag #MacronLeaks wurden auf Englisch geschrieben“, sagte Ben Nimmo vom DFRLab am der "New York Times". Dann hätten Twitter-Bots geholfen, die Leaks weiter zu verbreiten, vermutet Nimmo.

Die Daten würden zeigen, dass der Hashtag MacronLeaks in den USA gestartet wurde - von einem Netzwerk aus Alt-Right-Konten, schreibt das DFRLab.

Anschließend griffen Le Pen Anhänger das Thema auf. Wie Florian Philippot, der Sprecher der Rechtspopulistin.

Andere Medien gehen davon aus, dass die Spuren eindeutig nach Russland führen. Laut Vitali Kremez, Forschungsdirektor bei Flashpoint, steckt die Hackergruppe "APT28" hinter den Veröffentlichungen. Das sagte Kremz der Nachrichtenagentur Reuters. Denn es gebe im Vorgehen Ähnlichkeiten zu den Hacker-Angriffen auf die Demokraten in den USA. Und hinter denen soll Kremez zufolge die gleiche Gruppe gesteckt haben.

Egal ob aus den USA oder aus Russland: Alles deute darauf hin, dass es sich um "demokratischen Destabilisierung handelt, wie man dies schon beim jüngsten Präsidentschaftswahlkampf in den USA gesehen hat“, heißt es von Macron.

Mehr zum Thema: Deutsche Politiker rechnen nach Macron-Hack mit ähnlichen Attacken im Bundestagswahlkampf

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(mm)

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