Durchfall und Erbrechen: Eine fiese Betrugsmasche kostet die Reisebranche Millionen

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An aerial image of a group of swimming running in the the ocean at the start of a race. | Tommy Clarke via Getty Images
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Durch den Mittelmeerraum schwappt eine mysteriöse Epidemie. Immer mehr britische Touristen klagen über Übelkeit und Erbrechen. Grund für den Magen-Darm-Infekt soll angeblich eine Lebensmittelvergiftung sein. Experten vermuten jedoch eine perfide Betrugsmasche.

Reiseveranstalter in Großbritannien werden derzeit mit Forderungen von Touristen überhäuft, die im Urlaub angeblich eine Lebensmittelvergiftung erlitten haben. Von Malaga bis Marmaris breitet sich die Epidemie rasend schnell aus.

Dahinter steckt jedoch ein massenhafter Betrug mit unbegründeten Entschädigungsforderungen gegen Hoteliers im Mittelmeerraum. Dies könnte nun zu höheren Preisen für die Urlauber führen.

Anstieg der Beschwerden um über 430 Prozent

Die Association of British Travel Agents (Abta) registrierte innerhalb von zwei Jahren einen Anstieg der Beschwerdezahlen wegen angeblicher Magen-Darm-Erkrankungen um mehr als 430 Prozent. Einige Reiseveranstalter berichten sogar, dass die Entschädigungsforderungen gegen sie um 700 Prozent gestiegen seien.

"Die Taten einer Minderheit werden Auswirkungen auf die große Mehrzahl ehrlicher Leute haben, die für ihren Jahresurlaub hart arbeiten mussten“, sagte Peter Fankhauser, Group Chief Executive Officer des Reisekonzerns Thomas Cook Group, in einem Interview mit der "Welt am Sonntag“.

Auch der britische Reiseverband und die spanische Tourismuswirtschaft gehen davon aus, dass hinter den dreisten Forderungen sogenannte "Claims Management Companies" aus Großbritannien stecken. Sie sollen gezielt britische Touristen zu Falschaussagen anstiften.

Aufgrund einer Grauzone des 2012 reformierten britischen Verbraucherschutzrechts können die Beschwerdeführer so mit geringem Aufwand Entschädigungszahlungen von mehreren Tausend Britischen Pfund pro Person einstreichen.

Enormer Schaden für die Reiseindustrie

Die Betrugsmasche soll vor allem auf den Balearen bereits einen Schaden von mehr als 50 Millionen Euro verursacht haben. Das berichtet der mallorquinische Hotelverband FEHM ("Federación Empresarial Hotelera de Mallorca“).

Die finanzielle Belastung durch die unbegründeten Entschädigungszahlen ist für die Reiseindustrie enorm. Die Folgen sind für Fankhauser klar: "Das könnte leider auch bedeuten, dass Urlaub teurer wird.“

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(ujo)

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