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07/05/2017 23:08 CEST | Aktualisiert 08/05/2017 08:38 CEST

Presse zur Wahl in Schleswig-Holstein: "SPD hat sich allzu sehr selbst zelebriert"

Hannibal Hanschke / Reuters
Ministerpräsident Torsten Albig musste eine bittere Niederlage seiner SPD eingestehen

  • Die Niederlage der SPD in Schleswig-Holstein fiel deutlich aus

  • Die Partei von Ministerpräsident Albig muss um die Regierungsbeteiligung fürchten

  • Die deutsche Presse kritisierte die Leistung der Sozialdemokraten dementsprechend heftig

Ein bitterer Abend für die SPD sei es gewesen, kommentierte Ministerpräsident Torsten Albig die derbe Wahlniederlage der Sozialdemokraten bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sprach von einem Ergebnis, das "unter die Haut" gehe.

26 Prozent der Stimmen hat die SPD nach aktuellen Prognosen bei der Wahl bekommen. Die CDU wurde mit fast 34 Prozent der Stimmen stärkste Kraft - eine echte Schlappe für die Sozialdemokraten.

So kommentierten dies auch die deutschen Medien - und stilisierten das Ergebnis auch zu einer Niederlage des SPD-Kanzlerkandidaten Schulz.

Mehr zum Thema: Am Thema vorbei: 5 Gründe für die Wahlschlappe der SPD

"Kiel war Flop Nummer zwei"

Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" kritisierte, dass mit dem CDU-Politiker Daniel Günther ein "Nobody" mit "bürgernahen Brot-und-Butter-Themen" den Ministerpräsidenten Albig geschlagen habe. "So kann es gehen, wenn eine Partei sich in ihrer Blase allzu sehr selbst zelebriert", schrieb die Zeitung. "Kiel war Flop Nummer zwei."

So sieht es auch "Die Welt". "Verlöre die SPD in sieben Tagen auch in NRW, dann ist Schulz als Hoffnungsträger erledigt", schreibt die Zeitung. "Dann müssten sich die Sozialdemokraten fragen, ob ihr opportunistisches Schillern zwischen Regierungskraft und Opposition, Ampel und R2G, Sozialsentimentalismus und Marktwirtschaft taugt."

Auch bei der "Süddeutschen Zeitung" ist nach der Wahl ein Abgesang auf die SPD zu lesen. Die Partei habe in Schleswig-Holstein deutlich Federn gelassen. "Aber schlimmer für die SPD ist die Erkenntnis, dass die Flügel, die ihr Martin Schulz im Januar verpasste, gestutzt sind", schreibt die Zeitung. "Seine Schubkraft hat Grenzen. Im Augenblick geht es für die SPD wieder dorthin, wo sie auf keinen Fall mehr hinwollte: in den 20-Prozent-Keller."

"Rot-Rot-Grün als Machtperspektive ist schon wieder vorbei"

Auch der "Tagesspiegel" schlägt kritische Töne gegenüber der SPD an - besonders, weil ihr nun die Machtperspektiven ausgehen würden. "Rot-Rot-Grün ist als Machtperspektive schon wieder vorbei, ehe das Bündnis überhaupt eine werden konnte", schreibt die Zeitung. "Im Saarland ist nichts daraus geworden, in Schleswig-Holstein nicht - in Nordrhein- Westfalen nächsten Sonntag ist diese Konstellation auch nicht zu erwarten."

Der "Kölner Stadt-Anzeiger" stellte ebenfalls fest, dass sich Schulz' Ernennung zum SPD-Kanzlerkandidaten noch nicht bei den Landtagswahlen ausgezahlt habe. Die Zeitung nahm ihn jedoch in Schutz: "Die Wahlschlappen im Saarland und in Schleswig-Holstein heißen nicht, dass alles, was Martin Schulz bislang als Kanzlerkandidat getan hat, falsch war."

Zunächst einmal müsse die SPD genau analysieren, was an der Küste die landespolitischen Ursachen sind - und welche bundespolitischen Einflüsse es gab. "Zugleich kann es ja auch gar keinen Zweifel daran geben, dass es mit Martin Schulz zu einer inneren Stabilisierung der SPD gekommen ist."

"Es reicht nicht, um Wahlen zu gewinnen"

Verloren hat die SPD in Schleswig-Holstein aber dennoch. Und, so stellte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" fest, "dass die CDU aus der Opposition heraus die SPD so klar wie seit langem nicht mehr auf Platz zwei verweisen konnte".

Die auch der Unfähigkeit der SPD geschuldet ist, Wahlen zu gewinnen, schreibt die "Cicero". "Es reicht nicht, um Wahlen zu gewinnen, nicht in Kiel und auch nicht in Berlin."

Als Betriebsrat der Nation, der sich bei anderen wichtigen innen- und außenpolitischen Themen hinter Merkel versteckt, werde es für die SPD auch in Zukunft nicht mehr zu gewinnen geben, als die Rolle des Juniorpartners in der Großen Koalition.

Mehr zum Thema: So lautet das "ehrliche" Wahlergebnis in Schleswig-Holstein

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(bp)

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