Am Thema vorbei: 5 Gründe für die Wahlschlappe der SPD

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  • In Schleswig-Holstein erlebt die SPD eine Wahl-Schlappe
  • Hier sind fünf Gründe für das Abschneiden von noch-Ministerpräsident Torsten Ablig

Es ist eine Schlappe für die SPD: Laut ersten Hochrechnungen erreichten die Sozialdemokraten bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein nur rund 26 Prozent.

Stärkste Kraft wird die CDU mit rund 34 Prozent. Dieser deutliche Abstand ist eine Sensation, mit der niemand wirklich gerechnet hat: In den letzten Umfragen vor der Wahl waren Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und sein Herausforderer Daniel Günther (CDU) gleichauf.

Nun blicken alle auf einen Mann: SPD-Chef Martin Schulz, der seine Partei noch vor einigen Wochen in Euphorie versetzte. Das ist vorbei. "Traurig und enttäuschend", sei das Ergebnis, sagte Schulz am Sonntagabend, ein "großer Erfolg für die CDU".

Hier sind 5 Gründe für das schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten.

1. Die SPD hat auf das falsche Thema gesetzt

SPD-Mann Albig hat im Wahlkampf voll auf das Thema Gerechtigkeit gesetzt. "Mehr Gerechtigkeit für alle" stand auf den meisten Wahlplakaten quer durch das ganze Bundesland.

Das war riskant, denn den Menschen in Schleswig-Holstein geht es auf den ersten Blick ziemlich gut - auch wirtschaftlich.

Die Arbeitslosigkeit liegt bei mir nur etwas knapp über sechs Prozent, das Bruttoinlandsprodukt stieg im Vergleich zu 2015 um 1,4 Prozent.

Die Wunsch nach Umverteilung von Reich zu Arm ist für viele Schleswig-Holsteinern offenbar nicht das wichtigste Thema. Sie sorgen sich eher um Themen wie Bildung und Infrastruktur.

Laut dem Meinungsforschungsinstitut Infratest sind mit beiden Themen mehr als 70 Prozent der Befragten nicht zufrieden. Nirgends sehen sie mehr Handlungsbedarf.

2. CDU gilt bei den wichtigsten Themen als kompetenter

Die CDU konnte bei den laut Umfragen wichtigsten Themen Bildung und Infrastruktur im Vergleich zur SPD punkten.

Deutlich ist der Vorsprung beim Thema Infrastruktur: 45 Prozent der Befragten sehen die CDU hier als kompetent an und nur 28 Prozent die SPD.

Auch beim Thema Bildung liegen die Sozialdemokraten mit 36 Prozent überraschend hinter der CDU, die hier auf 38 Prozent kommt.

3. Albig konnte seinen Amtsbonus nicht ausspielen

Ministerpräsidenten profitieren in der Regel bei Wahlen von ihrem sogenannten Amtsbonus. Albig nicht.

Im Gegenteil. War er 2012 für 34 Prozent der SPD-Wähler der Grund, der Partei Stimme zu geben, waren es bei dieser Wahl laut Infratest nur 22 Prozent. Die Menschen sehnen sich offenbar auch personell nach einem Wechsel an der Spitze ihres Bundeslandes.

Auch spannend: Der Spitzenkandidaten der beiden kleineren Parteien - Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck und FDP-Mann Wolfgang Kubicki - waren bei den Wählern fast genauso beliebt wie Albig.

4. Günther profitiert von Merkel - Albig nicht von Schulz

Der CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther profitierte bei der Landtagswahl extrem von der Beliebtheit der Kanzlerin. 28 Prozent der CDU-Wähler gaben ihre Stimme laut einer “Ard”-Wahlumfrage der Partei nur wegen Merkel. Ein erstaunlich hoher Wert.

Ganz anders ist das Bild bei der SPD. 63 Prozent der Schleswig-Holsteiner sagten laut Infratest, dass sie vom Kanzlerkandidaten Schulz in den vergangenen Wochen nichts mehr gehört hätten.

5. CDU-Mann Günther hat enorm an Beliebtheit zugelegt

Günther ging als klarer Außenseiter in diese Wahl - in Deutschland kannten ihn bis heute Abend nur die Wenigsten. Selbst in Schleswig-Holstein war er bis vor ein paar Monaten völlig unbekannt.

Doch seine Beliebtheit konnte er in den letzten Wochen vor der Wahl schnell steigern.

Noch im März waren nur 20 Prozent der Befragten zufrieden mit seiner Arbeit. Doch schon im April stieg dieser Wert auf rund 40 Prozent. Albigs Beliebtheitskurve blieb hingegen über die Monate flach.

Diesen Rückenwind hat Günther in die Wahl mitgenommen.

Einen Grund dafür könnten die Live-Debatten gewesen sein, die sich der CDU-Mann kurz vor der Wahl im Hörfunk und im Fernsehen mit Albig geliefert hat.

Darin wirkte Günther spürbar sicherer, faktensicher und erschien auf Augenhöhe mit Albig. Diese medialen Auftritte dürften auch seinen Bekanntheitsgrad gesteigert haben.

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