POLITIK
07/05/2017 20:41 CEST | Aktualisiert 07/05/2017 22:41 CEST

Blitzanalyse zur Frankreich-Wahl: Macrons Sieg ist mehr als nur ein Triumph über den Rechtspopulismus

Philippe Wojazer / Reuters
Blitzanalyse zur Frankreich-Wahl: Macrons Sieg ist mehr als nur ein Triumph über den Rechtspopulismus

Emmanuel Macron lässt sich feiern, die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen ist geschlagen. Die deutliche Wahl Macrons zum französischen Staatspräsidenten ist aber mehr als nur ein Triumph über den Rechtspopulismus.

Für die Franzosen birgt Macrons Erfolg die Chance eines bitter nötigen Neuanfangs nach fünf Jahren Stillstand unter Francois Hollande.

Noch entscheidender aber: Die Wahl ist ein wichtiges Signal für Europa. Macrons Erfolg zeigt, dass die Mehrheit der Franzosen den einfachen Abgesang auf das Projekt EU, den Le Pen ihnen angeboten hat, ablehnen.

Sie haben stattdessen einen Mann gewählt, der Sätze sagt wie, “ich habe Europa im Herzen!“ Oder: "Wir müssen Europa neues Leben einhauchen.“

Es ist ein großartiges Zeichen, dass es möglich ist, mit solchen Sätzen Wahlen in Europa zu gewinnen.

Dabei ist Macron – anders als von seinen politischen Gegnern suggeriert – kein unkritischer EU-Enthusiast. Er könnte für Europa sogar extrem unbequem werden. Denn Macron will umfassende Reformen für den europäischen Staatenverbund. Reformen, die die Union dringend nötig hat.

Aber seine Antwort auf die Herausforderungen lautet nicht weniger, sondern mehr Europa.

► "Wir müssen Europa neues Leben einhauchen", sagt der ehemalige Wirtschaftsminister.

Das meint Macron durchaus ernst, wie seine weit reichenden Reform-Vorschläge zeigen: Ein gemeinsames EU-Finanzbudget schlägt er vor, einen Eurozonen-Minister und einen gemeinsamer Verteidigungsfonds.

Die angestaubte Staatenunion soll wieder zusammenrücken, das ist der Gedanke hinter fast allen seinen Vorschlägen.

Beliebt ist die Idee des engeren Bündnisses längst nicht bei allen. Auch das hat die Frankreich-Wahl gezeigt. Die Wahlbeteiligung war gering, weil viele Franzosen weder der rechtsextremen Le Pen, noch dem linksliberalen Ex-Investmentbanker Macron ihre Stimme geben wollten.

Viele Nichtwähler glauben, der En-Marche-Kandidat rede zu viel über Themen, die für sie wenig relevant sind: Europa ist vielen Franzosen in den vergangenen Jahren fremd geworden – auch wegen der gefühlten und gefürchteten deutschen Dominanz.

Doch eben die könnte Macron aufbrechen: Denn er füllt das Thema EU mit Inhalten – ohne die Zusammenarbeit mit Berlin pauschal in Abrede zu stellen, wie Le Pen es tut.

Stattdessen will er sich reiben und Veränderungen anregen, die nicht nur die Franzosen wieder an die europäische Idee glauben lassen könnten.

► Macron sagt: "Was wir brauchen, ist ein gemeinsames Ziel für mehr Europa.“

Es wird ein schwieriges Projekt. Und mit den Parlamentswahlen steht schon die nächste historische Herausforderung vor dem parteilosen Kandidaten. Dort wird sich zeigen, ob er sich den politischen Rückhalt sichern kann, den er benötigt.

Damit der Triumph mehr wird als ein Strohfeuer.

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