Endstation Kiel? Warum die Wahl in Schleswig-Holstein den Schulz-Zugs bremsen könnte

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MARTIN SCHULZ
Endstation Kiel? Warum die Wahl in Schleswig-Holstein der letzte Halt des Schulz-Zugs werden kann | Hannibal Hanschke / Reuters
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Der Plan von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz war eigentlich klar: Als erstes sollte Anke Rehlinger die CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer im Saarland ablösen, dann sollten Torsten Albig in Schleswig-Holstein und anschließend Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen ihre Ministerpräsidentschaften verteidigen.

Im September sollte dann die Krönung folgen: Mit dem Schwung aus den Landtagswahlen sollte Schulz zum neuen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt werden.

Klingt prinzipiell einfach, aber das ist es natürlich nicht. Schon der erste Schritt, die Regierung im Saarland anzuführen, scheiterte krachend. 40,7 Prozent standen für die Union zum Schluss auf dem Papier, die SPD lag mit 29,6 Prozent mehr als zehn Prozentpunkte dahinter.

Von 21 auf 34 auf 28 Prozent

Auch in den Umfragen zur Bundestagswahl sieht es nicht gerade berauschend aus für Schulz. Bei allen Meinungsforschungsinstituten hat die SPD in den letzten Wochen verloren.

Und das obwohl die Umfragewerte der SPD nach Bekanntwerden der Schulz-Kandidatur in die Höhe schossen. Von 21 auf bis zu 34 Prozent. Aktuell kommen die Sozialdemokraten auf ein Ergebnis von 28 bis 29 Prozent. Und liegen in jeder Umfrage einige Prozentpunkte hinter der Union.

Das alles, obwohl es zumindest so schien, als sähe sich Schulz schon als nächster Kanzler. Ein trügerischer Effekt.

Schulz sieht das hingegen locker: "Als ich gewählt wurde, lag die SPD bei maximal 21 Prozent in den Umfragen. Jetzt sind wir 100 Tage später und wir liegen bei 29,3 Prozent. Wenn in den nächsten 100 Tagen die Entwicklung so weitergeht, bin ich, ehrlich gesagt, sehr zufrieden."

Erobert die Union Schleswig-Holstein zurück?

Und jetzt Schleswig-Holstein. Klar, das Bundesland ist klein. Die Bundestagswahl wird im hohen Norden genauso wenig entschieden wie im Saarland.

Aber, sollte am Sonntagabend in Kiel Daniel Günther, der CDU-Kandidat, als Sieger feststehen, dann wäre der Union etwas gelungen, das sie während der mittlerweile zwölfjährigen Regentschaft von Angela Merkel noch nicht geschafft hat: ein Bundesland zurückzuerobern.

Der Schulz-Zug wäre dann zwar noch nicht an seiner Endstation angelangt, doch zumindest vorerst gestoppt. Weiterfahrt: Ungewiss.

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Und die Wahrscheinlichkeit, dass Torsten Albigs Tage in Kiel gezählt sind, ist nicht gering. Die CDU kommt auf rund 32, die SPD nur auf 29 Prozent. Auch SPD-Wahlkämpfer spüren, dass die Stimmung für die Union im Bundesland steige, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Dann hilft auch kein Schönreden mehr

Doch das war es noch nicht an schlechten Nachrichten für Schulz: Im Falle eines CDU-Sieges in Schleswig-Holstein, sollten auch die Chancen auf einen Erfolg in Schulz' Heimat Nordrhein-Westfalen geringer sein. Im bevölkerungsreichsten Bundesland wird am kommenden Sonntag, den 14. Mai, gewählt.

Und bei dem Ergebnis in NRW, sollte es denn nicht für Hannelore Kraft reichen, hilft dann wirklich kein Schönreden mehr. Die Wahl an Rhein und Ruhr gilt klassisch als Stimmungstest für die Bundestagswahl. Und wenn die Sozialdemokraten auch in Schulz' Bundesland, in der traditionellen SPD-Hochburg, verlieren, dann gehen die Chancen auf einen Kanzler Schuld gen Null.

Die Schleswig-Holsteiner entscheiden also schon am heutigen Sonntag zu einem großen Teil, ob der Schulz-Zug genug Energie hat, um bis Berlin durchzufahren.

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(mm)