Der Tod ist nur ein Problem: Mit diesen irren Taktiken will die Silicon-Valley-Elite unsterblich werden

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UNSTERBLICHKEIT
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Ohne eine gewisse Portion Größenwahn wäre das Silicon Valley heute sicher nicht einer der wichtigsten Innovationsmotoren unserer Welt geworden.

Touristen-Reisen ins Weltall, fliegende Autos, gedankengesteuerte Computer - die kalifornischen Tech-Pioniere haben es sich zur Aufgabe gemacht, nahezu jedes Problem zu lösen. Sie wollen eine Welt erschaffen, in der es keine physikalischen Grenzen mehr gibt.

Nun haben sie sich eines der letzten großen Probleme vorgenommen: Sie wollen den Tod abschaffen, oder ihn zumindest auf unbestimmte Zeit hinauszögern.

Dafür ist den Tech-Genies kein Vorhaben zu teuer und keine Idee zu wahnsinnig.

Man könne den Tod akzeptieren, man könne ihn leugnen - oder “man kann ihn bekämpfen”, sagt Peter Thiel, der legendäre Paypal-Gründer und zugleich umstrittene Trump-Berater.

Ähnlich sieht es Google-Gründer Sergej Brin: Er möchte den “Tod heilen”, wie er sagt. Er plane es nicht, zu sterben, sagt der Milliardär. Larry Ellison, der Gründer des Software-Herstellers Oracle, ist sogar wütend auf den Tod: "Er ergibt keinen Sinn für mich. Der Tod hat für mich nie Sinn ergeben. Wie kann eine Person da sein und dann einfach verschwinden?“

Alles Wahnsinnige? Könnte man meinen. Aber diese Wahnsinnigen haben recht konkrete Ideen, wie sie dieses letzte große Hindernis überwinden können. Sie gehen den Tod genau so an, wie sie jedes andere Problem angegangen sind, wie Entwickler: Sie definieren zunächst das Problem, entwickeln dann einen Code und schauen dann, was passiert.

Einige Ideen sind einfach, andere wirken zunächst absurd und wieder andere verschlingen Milliarden.

Zu den einfachsten Ideen gehören ausgerechnet Diäten

Viele der Tech-Pioniere sind geradezu besessen von ihrer Ernährung. Besonders beliebt sind gerade sogenannte ketogene Diäten. Bei denen stehen kaum Kohlehydrate auf dem Speiseplan - aber dafür sehr viel Fett.

Der Tag beginnt mit einem sogenannten Bulletproof-Kaffee, ein Gebräu aus Kaffee, Butter und Kokosöl.

Investor Dan Scholnick nimmt den Trank jeden morgen zu sich - und fühlt sich dadurch fitter und jünger, wie er dem US-Sender CNBC kürzlich sagte. Scholnick kenne niemandem im ganzen Silicon Valley, der nicht auf irgendeiner Diät sei. Nicht um abzunehmen - der Jugendwahn der Tech-Hochburg ist schuld.

Eine extrem fettreiche und kohlehydratarme Ernährung soll, so die Meinung von Tech-Investor Ambar Bhattacharyya, außerdem Diabetes heilen können. Bhattacharyya hat in das Startup Vitra investiert, das sich die Heilung von zuckerkranken Menschen zur Aufgabe gemacht hat.

Allerdings hat so eine Ernährung auch Nebenwirkungen, besonders am Anfang: Stimmungsschwankungen, Gewichtsverlust - schließlich ist abnehmen nicht der Grund für die Diät - und übler Mundgeruch. Doch das soll sich legen, heißt es von Vitra-Ärztin Sarah Hallberg. Zumindest wenn man die Ernährung nicht nur für einen bestimmten Zeitraum umstellt, sondern dauerhaft.

Junges Blut für einen jüngeren Körper

Die Idee, durch das Blut junger Menschen selbst zu mehr Jugendlichkeit zu kommen, ist nicht neu. In Vampir-Geschichten ist dieser Mythos immer irgendwo enthalten. Ein Schluck Blut von jungen Frauen reicht - dann kommt die Unsterblichkeit von ganz allein.

Neuerdings experimentiert man auch im Silicon-Valley mit dem Blut junger Menschen - allerdings auf wissenschaftlicher Basis.

Im kalifornischen Monterey gibt es das Startup Ambrosia. Hier untersuchen Forscher, wie sich eine Spritze mit Blut von Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren auf den Alterungsprozess auswirkt.

Aber: Nur zu Forschungszwecken injiziert Ambrosia den vermeintlichen Jungbrunnen nicht in die Adern der mindestens 35-Jährigen Probanden. Denn die sollen pro Monat 8000 Euro an das kalifornische Startup überweisen - und das ohne zu wissen, ob die Blutspritze überhaupt eine verjüngende Wirkung hat.

Paypal-Gründer Thiel etwa nimmt an dem Ambrosia-Experiment teil.

Begraben bei minus 196 Grad - bis die Forschung weiter ist

Aber: Das Blut ist für Thiel nicht der einzige Weg zur Unsterblichkeit. Denn Thiel hat verfügt, dass er, sollte zu seinen Lebzeiten kein Weg zur Unsterblichkeit gefunden werden, nach seinem Tod eingefroren wird. Und nicht nur das: Thiels Fond Breakout Labs finanziert Kryonik-Startups.

Kryonik - so heißt diese Art der Konservierung - fasziniert gerade viele der Tech-Pioniere.

Dabei wird der Körper bei minus 196 Grad Celsius eingefroren. Er soll dann in der Zukunft, wenn eine Lösung für das Problem Tod gefunden ist, aufgetaut und wieder belebt werden. Natürlich ist auch das nicht ganz billig: Sich einfrieren zu lassen kostet zwischen 50.000 und 150.000 Euro.

Die Unternehmen, die diesen besonderen Bestattungsservice anbieten, sitzen in den USA. Zum Beispiel die Alcor Life Extension Foundation in Arizona, das Cryonics Institute, 21st Century Medicine aus Kalifornien oder das Silicon Valley-StartupTranstime.

Unter deren Kunden sind viele Wissenschaftler - und offenbar Stars der Tech-Szene. Wer außer Thiel sich dort ein solches, vorübergehendes Grab gebucht hat, verraten die Unternehmen nicht.

Schwachstellen in Zellen mit Algorithmen entdecken - und für die Unsterblichkeit beseitigen

Um dann aber auch eines Tages aus dem kühlen Schlaf erweckt zu werden, muss natürlich eine komplette Lösung des Problems Tod her.

Auch darum kümmert sich die Silicon-Valley-Elite und investiert vermehrt in Biotech-Startups. Die Liste der Geldgeber ist lang - und prominent besetzt.

Amazon-Chef Jeff Bezos etwa hat vergangenen Oktober 116 Millionen Dollar in Unity Biotechnology gesteckt.

Das Silicon-Valley-Startup arbeitet an Medikamenten, die altersbedingte Krankheiten aufhalten. Das Unternehmen will erreichen, dass der Körper ältere Zellen abstößt - und das Altern so gestoppt wird.

Auch Thiel und Tesla-Chef Elon Musk finanzieren die Forschung auf der Suche nach dem ewigen Leben. Allerdings nicht immer mit Erfolg: Das Startup Halcyon Molecular etwa, in das beide Milliardäre Millionen gesteckt haben, gab 2012 auf.

Auch Oracle-Chef Ellison hat aus seiner Wut auf den Tod heraus eine eigene Stiftung gegründet, um den Feind zu besiegen. In die hat er bisher schon mehr als 40 Millionen Dollar gesteckt.

Doch am meisten Geld haben die beiden Google Gründer Larry Page und Sergej Brin in die Todes-Frage investiert.

Eine Milliarde-Dollar steckt in dem 2013 von den beiden gegründeten Startup Calico - kurz für California Life Company.

Calico forscht mit Gentechnik an der Unsterblichkeit - kein Zellsterben, kein Altern. Modifizierte Gene sollen das möglich machen. Dazu nutzen die Forscher das, was schon der Suchmaschine, die sie finanziert, ihren Erfolg gebracht hat: einen Algorithmus.

Der soll sich durch riesige Mengen an Daten kämpfen und Zusammenhänge herausfinden, auf die bisher noch niemand gekommen ist. So wollen die Wissenschaftler zum Beispiel Vorgänge in Zellen, die zum Tod führen, in den Daten entdecken. Und diese "Schwachstellen" dann beseitigen.

Der Wunsch nach dem ewigen Leben, einer Welt also, in der die letzte Grenze überwunden wird - steckt fest in den Köpfen der Silicon-Valley-Pioniere.

Und sie geben sich zuversichtlich.

Der 30-jährige Silicon-Valley-Gründer Arram Sabeti etwa sagt: “Das ewige Leben verstößt nicht gegen Gesetze der Physik - also werden wir es auch erreichen.”

Wir werden sehen.

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