Macron-Leaks: Was steht in den Dokumenten? Wer steckt dahinter? Profitiert Le Pen?

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Macron-Leaks: Was steht in den Dokumenten? Wer steht dahinter? Profitiert Le Pen? | Regis Duvignau / Reuters
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Genau das hatte Emmanuel Macron verhindern wollen. Der französische Präsidentschaftskandidat ist einen Tag vor der Wahl zum Ziel eines groß angelegten Hackerangriffs geworden. Und das, obwohl Macron längst wusste, dass vor allem russische Hacker es auf ihn abgesehen hatten.

Ein Unbekannter veröffentlichte in der Nacht auf Samstag Tausende Dokumente von Macrons Mitarbeitern im Internet. Zunächst erschienen Links zu dem etwa neun Gigabyte großen Datensatz im Forum 4Chan, schnell verbreiteten sich die Dokumente in anderen Internetforen.

Der Leak birgt das Potenzial, die Wahl am Sonntag massiv zu beeinflussen. Hier sind die 4 wichtigsten Fragen zur Enthüllung.

Was steht überhaupt in den Dokumenten?

Den gesamten Datensatz hat noch niemand ausgewertet. Auch weigern sich viele Medien, sich den konkreten Inhalten des Leaks zu widmen, den sie als Angriff auf die Demokratie kritisieren. Auch die französische Wahlkommission appellierte an die Presse, nicht über die Inhalte zu berichten.

Eine wirklich brisante Enthüllung haben aber auch die Macron-Gegner in den sozialen Netzwerken noch nicht präsentiert. Hinweise, dass Macron ein Offshore-Konto besitzt, wie es ihm seine Gegnerin Marine Le Pen zuletzt vorwarf, wurden bislang in den Dokumenten nicht gefunden.

Der Leak enthält Gesprächsverläufe zwischen Macron-Mitarbeitern, einen mutmaßlichen Vertrag Macrons mit der Versicherung Allianz, aber auch E-Mails von Personen, von denen nicht bekannt ist, dass sie in Verbindung zum Präsidentschaftskandidaten stehen.

Beispielsweise Nachrichten vom französisch-libanesischen Geschäftsmann Ziad Takieddine sind unter den Dokumenten. Takieddine ist für umstrittene Waffengeschäfte berüchtigt.

Wie diese Daten bei einem Hackerangriff auf Macron erbeutet worden sein sollen, ist bislang ebenfalls unbekannt.

Ist das Material echt?

IT-Experten sind der Meinung, dass Teile des Materials authentisch sind, andere Dokumente in dem riesigen Datenpaket bewusst gefälscht wurden.

"Der Macron-Leak ist voll von absichtlich irreführender Information. Handgefertigt, um Verwirrung zu stiften", zitiert die "Süddeutsche Zeitung“ einen IT-Sicherheitsfachmann.

Das erbeutete Material sei offenbar "so langweilig“ gewesen, dass die Angreifer einfach alles zusammengeworfen hätten. Das Ziel: die größtmögliche Verunsicherung, der größtmögliche Schaden.

Dass sich unter den Dokumenten Fälschungen befinden, versucht Journalistin Marie Turcan in einem Twitter-Video zu beweisen. Hier erkennt man, dass eines der vermeintlich gescannten Papiere offenbar mit Photoshop erstellt worden ist.

Wer steckt dahinter?

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung nur wenige Stunden vor dem zweiten Wahlgang zeigt aus Sicht von Macrons Bewegung En Marche! das offenkundige Ziel: "Destabilisierung der Demokratie, wie man es schon in den USA beim letzten Präsidentschaftswahlkampf gesehen hat.“

Dort hatten Wikileaks-Veröffentlichungen der US-Präsidentschaftsfavoritin Hillary Clinton schwer zugesetzt. Letztlich verlor sie die Wahl im November überraschend.

Viele Experten gehen davon aus, dass russische Hacker hinter dem Angriff stecken. Vitali Kremez, Forschungsdirektor beim Cyber-Intelligence-Unternehmen Flashpoint, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Vorgehensweise der Hacker erinnere an die russische Hacker-Gruppe APT28.

Diese soll auch für die Cyber-Angriffe auf die Demokraten in den USA verantwortlich gewesen sein und dem russischen Militärnachrichtendienst GRU nahestehen.

Schon länger ist bekannt, dass Russland massiv versucht, Einfluss auf die Wahl in Frankreich zu nehmen. So sollen mittlerweile etwa 25 Prozent der in den sozialen Medien verbreiteten Polit-Nachrichten zur Wahl Fake-News sein. Die meisten von ihnen diskreditieren Macron.

Die HuffPost hatte kürzlich berichtet, wie eng die Verbindung Marine Le Pens zum Kreml sein soll.

Welchen Einfluss hat der Leak auf die Wahl?

Für Macron kommt die Veröffentlichung zu einem geradezu fatalen Zeitpunkt. Denn der liberale Kandidat kann sich zu den schweren Vorwürfen, die nun, trotz fehlender Faktengrundlage gegen ihn laut werden, nicht mehr äußern.

Der Wahlkampf in Frankreich war um Mitternacht offiziell beendet worden. Macrons Lager darf sich seither nicht mehr gegen die zirkulierenden Darstellungen wehren.

Laut den jüngsten Umfragen lag Macron noch 12 Prozentpunkte vor seiner Konkurrentin Le Pen. Viele Franzosen sind jedoch noch unentschieden, auch Macron wird insbesondere wegen seiner Vergangenheit als Investmentbanker in vielen Kreisen kritisch gesehen.

So ist davon auszugehen, dass die neuen Leaks bei einigen Franzosen das Gefühl verstärken, dass dieser Mann etwas zu verbergen hat.

Er wäre nicht der erste, den eine eigentlich wenig brisante Enthüllung kurz vor der Zielgerade zu Fall bringt.

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(sk)

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