CSU wählt Herrmann zum Spitzenkandidaten - und damit zu de Maizières Konkurrent

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JOACHIM HERRMANN
CSU wählt Herrmann zum Spitzenkandidaten - und damit zu de Maizières Konkurrent | dpa
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  • Die CSU hat Joachim Herrmann mit 98 Prozent der Stimmen zu ihrem Spitzenkandidaten gewählt
  • Er gilt als Anwärter auf das Amt des Bundesinnenministers

Es ist ein Traumsieg: Die CSU hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Samstag zu ihrem Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gewählt. Mit 249 von 254 Stimmen. 98 Prozent.

Für Herrmanns Kollegen im Bund, Innenminister Thomas de Maizière (CDU), dürfte dieses Ergebnis allerdings eher das Zeug zum Albtraum haben.

Wer wird Innenminister im Bund?

Denn beide werden als künftige Innenminister der Bundesrepublik gehandelt.

Offiziell gibt es keine Absprachen zwischen den Schwesterparteien, wer im Fall eines Wahlsiegs im September welchen Ministerposten besetzen darf.

Inoffiziell aber werten Beobachter die Nominierung Herrmanns als Kampfansage an die CDU.

Vielsagendes Drumherumreden

Dass die Spitzenpolitiker selbst nichts Konkretes zum Thema sagen, bedeutet nicht, dass die Vermutung nicht stimmt. Im Gegenteil. Dementis klingen anders.

"Ich werde solange meinen Job hier weiter mit Begeisterung machen und mich in nichts anderes hineinsteigern", sagte Herrmann wenige Tage vor seiner Nominierung. Keine Partei - also auch nicht die CDU - habe mehr politische Kompetenz bei der inneren Sicherheit als die CSU. "Ich bin bereit, dies in den Wahlkampf einzubringen und nach der Wahl auch Verantwortung in Berlin zu übernehmen."

Herrmann sagt es nicht - aber dafür kommt natürlich vor allem der Posten des Innenministers in Frage. Nach jemandem, der auch mit einem Platz im Innenausschuss des Bundestages zufrieden wäre, klingt das jedenfalls nicht. Dazu passt auch die Absprache mit CSU-Chef Horst Seehofer, dass Herrmann nur nach Berlin wechseln soll, wenn er Minister werden kann.

"Nicht gegen jemanden"

"Joachim Herrmann ist ein Angebot für etwas, nicht gegen etwas oder jemanden", sagte Seehofer.

Er dürfte die treibende Kraft hinter der Personalie sein. Denn Herrmann gilt in Bayern nicht gerade als angriffslustiger Kämpfer, eher als geradliniger Arbeiter. Er ist nicht bekannt dafür, sich vorzudrängen.

"Nicht gegen jemanden"

De Maizière sagte im April, er beteilige sich nicht an Spekulationen. Er sagte nur: "Also, alle guten Leute im Team sind willkommen. Aber ich bin erst mal dafür, dass man Wahlen gewinnt - und dazu will ich meinen Beitrag leisten", sagte de Maizière.

Selbst wenn er gar nicht mehr antreten wollte als Innenminister, muss ihm die Diskussion um Herrmann und dessen Rückhalt in der Partei wehtun. Denn mancher würde de Maizière unterstellen, er sei aus dem Amt gedrängt worden.

Aber er ist nicht der Typ, der derlei Gefühlsregungen nach außen trägt. Öffentliche Keilereien sind so gar nicht seine Sache. Zumindest in dem Punkt sind sich beide einig und ähnlich.

Inhaltlich aber gibt es Differenzen. Die beiden Politiker hatten im Zug der Flüchtlingskrise teils heftig miteinander diskutiert. Im vergangenen Herbst lieferten sie sich etwa bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion in Kloster Banz vor der Presse eine Diskussion über die damals aus CSU-Sicht unzureichenden Kontrollen an den deutschen Grenzen durch die Bundespolizei.

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