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06/05/2017 01:28 CEST | Aktualisiert 06/05/2017 10:13 CEST

Vor Schicksalswahl in Frankreich: Hacker greifen Macron an

Regis Duvignau / Reuters
Emmanuel Macron will mit "En Marche" Präsident von Frankreich werden.

  • Der französische Präsidentschaftskandidat Macron ist Ziel eines Hacker-Angriffes geworden

  • Die Hacker stellten interne Dokumente der Bewegung "En Marche" ins Internet

  • An diesem Samstag können erste Franzosen an der Urne abstimmen

Kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl sorgt ein Hacker-Angriff auf die Bewegung des favorisierten Kandidaten Emmanuel Macron für Aufregung. Bei der "massiven und koordinierten" Attacke seien E-Mails, Verträge sowie andere interne Dokumente erbeutet und später ins Internet gestellt worden, um "En Marche!" zu schaden, teilte Macrons Wahlkampfteam in der Nacht zum Samstag mit.

Es handele sich um einen "beispiellosen Vorgang" und gezielten "Versuch, die französische Präsidentschaftswahl zu destabilisieren".

Zehntausende Dokumente

Die Dokumente waren den Angaben zufolge schon vor einigen Wochen aus privaten und beruflichen E-Mail-Postfächern von Verantwortlichen der Bewegung entwendet worden. Echte Unterlagen seien zusammen mit gefälschten ins Netz gestellt worden, "um Zweifel und Desinformation zu säen".

Laut der Enthüllungsplattform Wikileaks, die auf das unter dem Hashtag #MacronLeaks kursierende Datenmaterial verlinkte, handelt es sich um Zehntausende Dokumente im Umfang von rund neun Gigabyte.

Gerüchte um Steueroase

Die Angriffe wurden kurz vor der Präsidentenwahl am Sonntag bekannt. Bereits Mitte der Woche hatte es in sozialen Netzwerken Gerüchte gegeben, dass Macron ein Konto in einem Steuerparadies habe.

Macrons Gegnerin Marine Le Pen nahm die Vorwürfe kurz im einzigen TV-Duell vor der Wahl auf. "En Marche!" klagte in diesem Fall, die Staatsanwaltschaft nahm Vorermittlungen auf.

Der frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron geht laut Umfragen als klarer Favorit in das Finale gegen die Rechtspopulistin Le Pen. Die Abstimmung gilt wegen Le Pens Anti-EU-Kurs als Richtungsentscheidung für den ganzen Kontinent.

Le Pen will raus aus Europa

Die Front-National-Politikerin will ihr Land aus dem Euro führen und ihre Landsleute über Frankreichs EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Macron ist hingegen europafreundlich und strebt eine enge Partnerschaft mit Deutschland an.

Die Stichwahl um das Präsidentenamt beginnt für die ersten Wähler schon am Samstag. In manchen französischen Überseegebieten wird wegen der Zeitverschiebung bereits einen Tag früher gewählt.

Als erstes sind die Bewohner der Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Küste an der Reihe, wo die Wahllokale um 12.00 Uhr deutscher Zeit öffnen. Dort stehen rund 5000 Franzosen in den Wählerlisten.

In der Karibik wird schon am Samstag gewählt

Auch Französisch-Guyana in Südamerika, die französischen Karibikinseln sowie Französisch-Polynesien im Pazifik wählen bereits am Samstag. Außerdem können Auslandsfranzosen auf dem amerikanischen Kontinent ihre Stimme abgeben.

Der Großteil der rund 47 Millionen französischen Wahlberechtigten kann dann am Sonntag abstimmen.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte die mangelnde Unterstützung der französischen Linken für Macron. Er könne "Teile der französischen Linken nicht verstehen, wenn sie sich weigert, zur Wahl von Emanuel Macron aufzurufen. Das ist unverantwortlich", sagte Gabriel der "Bild"-Zeitung.

Dennoch werde Macrons Konkurrentin Le Pen "nicht gewinnen. Da bin ich mir sicher."

Furcht vor Attacke in Deutschland

Der deutsche Politiker Omid Nouripour (Grüne) fürchtet indessen, dass ein Hackerangriff wie auf Macron auch in Deutschland stattfinden könnte, vor der Bundestagswahl im September. "Echt übel", kommentierte er.

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(sk)

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