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05/05/2017 08:41 CEST | Aktualisiert 05/05/2017 08:44 CEST

Deniz Yücel schreibt neuen Brief aus der Haft - er zeugt von Selbstbewusstsein

dpa
Deniz Yücel schreibt neuen Brief aus der Haft - er zeugt von Haltung und Stolz

  • Der in der Türkei inhaftierte deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel hat einen neuen Brief veröffentlicht

  • Er kritisiert seine Vorverurteilung als unüblich in der "zivilisierten Welt"

  • Yücel kündigt an, das Gefängnis nicht durch die Hintertür zu verlassen

Der in der Türkei inhaftierte "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel hat seinen Anwälten einen neuen Brief diktiert, den die "Welt" nun veröffentlicht hat. Es ist ein Dokument, das zeigt, dass sich der Journalist nicht einschüchtern lässt.

Yücel kritisiert darin die "Vorverurteilungen" durch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Für die "zivilisierte Welt" sei ein solcher Vorgang befremdlich.

Anklageschrift liegt noch immer nicht vor

Erdogan hat den deutsch-türkischen Journalisten wiederholt beschuldigt, ein "Terrorist" und "Agent" zu sein. Nach dem Protokoll der Verhandlung, bei der ein Gericht Ende Februar Untersuchungshaft gegen Yücel verhängt hatte, wird dem Journalisten Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen. Eine Anklageschrift liegt weiterhin nicht vor.

In Yücels am Donnerstag von der "Welt" veröffentlichten Bericht hieß es: "Das einzige, was ich verlange, ist ein fairer Prozess." Dort müssten die relevanten türkischen Gesetze und die universellen Menschenrechte zur Anwendung kommen "und nicht mit Füßen getreten werden". Ein solcher Prozess könne "gar nicht anders enden als mit einem Freispruch", davon sei er restlos überzeugt.

Anklageschrift liegt noch immer nicht vor

Yücel kündigte an, er werde "dieses Gefängnis nicht durch eine Hintertür verlassen, sondern durch jene Vordertür, durch die ich es betreten habe. Und ich werde in diesem Land den Kampf um Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheit, der mit der offensichtlich illegitimen Verfassungsänderung mitnichten beendet ist, mit Gottes Hilfe auch in Zukunft aus nächster Nähe journalistisch begleiten."

Yücel bezog sich auf das Referendum vom 16. April, das Erdogan knapp gewonnen hatte.

Die Inhaftierung Yücels hat zu schweren Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei geführt. Die Bundesregierung fordert die Freilassung des Journalisten.

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(bp)

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