"Hurensöhne Mannheims": Warum man Xavier Naidoo gar nicht hart genug angehen kann

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XAVIER NAIDOO
"Hurensöhne Mannheims": Warum man Xavier Naidoo gar nicht hart genug angehen kann | Isa Foltin via Getty Images
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Die Empörung in den sozialen Netzwerken ist riesig. Entertainer Jan Böhmermann hat den "Söhne Mannheims"-Sänger Xavier Naidoo in seiner Sendung "Neo Magazin Royale“ hart angegangen. Von den "Hurensöhnen Mannheims“ spricht Böhmermann da, wirft Naidoo in seiner Parodie Reichsbürger-Gedankengut vor.

Es ist eine dieser Breitseiten, für die Böhmermann schon im Fall seines Erdogan-Schmähgedichts viel Kritik einstecken musste. "Niveaulos“, schreien jetzt viele. Das mag – beachtet man allein die bewusst plumpe Wortwahl – stimmen.

Doch vor allem ist der Angriff auf Naidoo konsequent. Denn der "Söhne Mannheims"-Sänger gefährdet mit seinen Texten den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland.

Zu Böhmermanns Angriff: So rechnet der Entertainer mit Naidoo ab

Naidoo hat in seiner Karriere – nur die Soloalben eingerechnet – mehr als 3,5 Millionen Platten verkauft. Auf Youtube haben seine Videos teilweise über 30 Millionen Views. Der Einfluss des Sängers auf die Meinungsbildung ist also enorm.

Zum Vergleich: Das meist gesehene Video mit dem Schlagwort "Angela Merkel“ haben bei Youtube etwa 5 Millionen Menschen gesehen.

Und was verbreitet Xavier Naidoo?

Der Sänger befeuert die Theorie einer jüdischen Weltverschwörung – schürt Hass auf Israel. In dem Song "Raus aus dem Reichstag“ aus dem Jahre 2009 sing er:

"Wie die Jungs von der Keinherzbank
Die mit unserer Kohle zocken
Ihr wart sehr, sehr böse
Und steht bepisst in euren Socken
Baron Totschild gibt den Ton an
Und er scheißt auf euch Gockel“

In anderen Texten und bei öffentlichen Auftritten diskreditiert er den deutschen Staat – ruft zum Aufstand gegen demokratische Institutionen auf. Mit legitimer Kritik an regierenden Politikern hat das nichts mehr zu tun. Bei einem Auftritt in Mannheim behauptete Naidoo schon im Jahr 2014, Deutschland sei ein von den USA besetztes Land – klare Reichsbürger-Rhetorik.

Im "Stern“ verteidigte er seine Aussage: "Deutschland ist kein souveränes Land, wir sind nicht frei.“

Im neuen "Söhne Mannheims"-Song "Marionetten“ droht er Politikern gar Gewalt an. Dort heißt es:

"Alles wird vergeben, wenn ihr einsichtig seid
Sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass ihr einsichtig seid“

Bereits im Jahre 2012 wurde Naidoo wegen Volksverhetzung angezeigt – weil er sich auf dem Song "Wo sind“ homophob äußerte und zu Gewalt und Totschlag gegen Kinderschänder aufrief. In der geschmacklosen Hass-Arie heißt es:

"Ich schneid’ euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten.“

Und weiter:

"Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“

Böhmermann hat wie viele andere verstanden, dass es bei solchen Aussagen schon lange nicht mehr um künstlerische Freiheit geht. Um Musik schon gar nicht.

Denn auf diesem Gebiet hat Naidoo durchaus viel geleistet, der Soul-Sänger zählt völlig zu Recht zu den wenigen deutschen Ausnahmetalenten in dem Genre. Auch international bekommt er dafür Anerkennung, was sein Megahit "Ich kenne nichts" mit US-Rapper RZA zeigt.

Doch das alles spielt keine Rolle. Denn Naidoo verbreitet vor allem haarsträubende Theorien, die ein Millionenpublikum oft junger Menschen erreichen. Theorien, mit denen der den Glauben an unsere Institutionen und unsere Grundwerte untergräbt – und somit den politischen Diskurs aushebeln will.

► Das ist brandgefährlich. Deshalb kann man Naidoo gerade gar nicht hart genug angehen.

Und wenn Böhmermann dafür das Wort "Hurensohn“ braucht, ist das das deutlich kleinere Übel.

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(sk)

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