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05/05/2017 00:56 CEST | Aktualisiert 05/05/2017 09:12 CEST

Nordkorea provoziert China: Das müsst ihr dazu wissen

KCNA KCNA / Reuters
Kim Jong Un hält die Welt wieder einmal in Atem.

  • Nordkorea prescht mit offener Kritik an China vor

  • Eigentlich ist China einer der wenigen Verbündeten des Kommunistischen Landes

  • Das wirft Fragen auf - zu denen wir die Antworten haben

Nordkorea hat am Mittwoch die Welt aufs Neue überrascht: Das Regime in Pjöngjang kritisierte China, einen der wenigen verbleibenden Verbündeten, direkt und offen. Die nordkoreanische Regierung machte so deutlich, dass sie nicht auf ein eigenes Atomprogramm verzichten wolle.

Das überraschend forsche Auftreten Nordkoreas bringt zusätzliche Brisanz in die bereits stark angespannte Lage auf der koreanischen Halbinsel. Doch was bedeutet es? Hier findet ihr die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum kritisiert Nordkorea nun das Nachbarland China?

Das ist noch unklar. Denkbar ist etwa, dass Nordkorea damit rechnet, dass in Zukunft immer weniger Unterstützung aus China zu erwarten ist. Und sich nun nicht mehr damit zurückhält, das Nachbarland zu kritisieren.

Denn für China wird Nordkorea mit dessen aggressiven Atomprogramm immer mehr zur Belastung. So hat auch US-Präsident Donald Trump China dazu aufgerufen, mehr Druck auf Pjöngjang auszuüben.

Wie in jedem Land ist auch in Nordkorea Außenpolitik immer auch Innenpolitik. Machthaber Kim Jong Un lebt in der stetigen Gefahr, dass sich seine Landsleute gegen ihn stellen.

Kann er sich ihnen gegenüber aber als schlagkräftiger Kämpfer gegen fremde Mächte inszenieren, festigt er seine Position. Deshalb ist auch denkbar, dass Kim Jong Un China kritisiert, um sich positiv in der nordkoreanischen Öffentlichkeit zu präsentieren.

Warum schützt China das Regime in Pjöngjang weiterhin?

Peking hat sich in der Vergangenheit meist mit öffentlicher Kritik an Nordkorea zurückgehalten. Die Chinesen wollen die Macht des nordkoreanischen Regimes nicht aushöhlen.

Denn bricht das Regime zusammen und kommt es zur Wiedervereinigung mit Südkorea, würde China an Einfluss in der Region verlieren.

Und vor allem ließen sich dann südkoreanische oder gar US-amerikanische Truppen direkt an der Grenze zu China stationieren. Dieses Sicherheitsrisiko will Peking nicht eingehen.

Wie gut sind die Beziehungen zwischen Peking und Pjöngjang wirklich?

Das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm ist China schon lange ein Dorn im Auge. Denn es verschärft die Spannungen in der Region immer weiter.

So haben die USA damit begonnen, in Südkorea das Raketenabwehrsystem THAAD zu installieren.

Das System soll Kurz- und Mittelstreckenraketen abfangen können. Es richtet sich offiziell gegen Nordkorea, erschwert es aber auch China, offensive Raketenangriffe durchzuführen.

Deshalb versucht das Riesenreich, Druck auf Pjöngjang auszuüben, auch wenn dies nicht in aller Öffentlichkeit geschieht. So hat China etwa im Februar alle Kohleimporte aus Nordkorea gestoppt.

Für Nordkorea war das ein herber Schlag, denn der Export des Energieträgers ist eine der wenigen verbleibenden Möglichkeiten, an Devisen zu gelangen.

China ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Landes und liefert den Nordkoreanern lebenswichtige Güter wie Nahrungsmittel und Treibstoffe. Deshalb hat Peking auch die Möglichkeit, durch Wirtschaftssanktionen weiter Druck auf die Regierung in Pjönjang auszuüben.

Was macht Donald Trump in der Nordkorea-Frage?

Donald Trump und seine Regierung verfolgen eine Doppelstrategie: Einerseits will er den Druck auf das Regime in Pjöngjang erhöhen.

So hat beispielsweise US-Außenminister Rex Tillerson die Weltgemeinschaft aufgerufen, bereits geltende Sanktionen auch voll umzusetzen.

Auch schloss Donald Trump öffentlich nicht aus, militärisch gegen Nordkorea vorzugehen, sollte das Land an Nukleartests festhalten.

Beobachter halten es aber für unwahrscheinlich, dass die USA tatsächlich Militärschläge gegen Nordkorea durchführen würde. Denn es ist völlig ungewiss, wie Kim reagieren würde, wenn sein Regime als Folge eines Angriffes zusammenbricht. Der Machthaber würde dann vielleicht zum Äußersten gehen und sein ganzes Waffenarsenal einsetzen.

Zudem will Donald den philippinischen Präsidenten sowie den thailändischen Regierungschef nach Washington einladen. Ein Sprecher des Weißen Hauses begründete die Einladungen auch damit, dass man mit allen Partnern in der Region sprechen wolle. Denn Nordkorea sei eine echte Gefahr.

Anderseits, und das ist quasi das "zweite Gleis" der Doppelstrategie, will Donald Trump aber auch Gesprächsbereitschaft gegenüber Nordkorea zeigen.

So überraschte Trump am Montag mit der Ankündigung, er sei durchaus bereit, Kim Jong Un für Gespräche zu treffen. Ein solches Treffen wäre für ihn eine Ehre, sagte der US-Präsident.

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(bp)

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