"Lanz": CDU-Legende Geißler macht in nur zwei Sätzen de Maizières "Leitkultur"-Plan lächerlich

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LANZ GEILER
"Lanz": CDU-Politiker Geißler macht in nur zwei Sätzen de Maizières "Leitkultur"-Plan lächerlich | Screenshot/ZDF
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  • Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hat in der Talkshow "Markus Lanz" den "Leitkultur"-Plan von Innenminister de Maizière kritisiert
  • Um zu zeigen, für wie aberwitzig er den Vorstoß de Maizières hält, brauchte Geißler nur zwei Sätze

Der Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat mit seinem 10-Punkte-Plan zur deutschen Leitkultur für Ärger und Verwirrung gesorgt. Aus der eigenen Partei erhielt er Zuspruch - allerdings nicht von jedem.

In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" fand CDU-Größe Heiner Geißler klare Worte für de Maizières Vorschlag. Der ehemalige Generalsekretär brauchte nur zwei Sätzen, um aufzuzeigen, wie lächerlich er den Beitrag von de Maizière fand.

"Das stimmt ja gar nicht"

In einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag" hatte Innenminister de Maizière seinen Begriff einer deutschen Leitkultur erklärt. "Wir sagen un­se­ren Namen. Wir geben uns zur Be­grü­ßung die Hand", steht da zum Beispiel.

Das hielt Geißler für Quatsch. "Das stimmt ja gar nicht", sagte er in der ZDF-Talkshow", "die Kids klatschen sich ja ab, und die Elite gibt sich Küsschen. (...) Immer mehr sagen auch die Ärzte , man soll das Handeschütteln bleiben lassen."

Geißler sagte diesen Satz im Scherz, das Publikum lachte. Die harte Kritik, die hinter dem Witz steckte, war aber offensichtlich: Der Handschlag sei nicht typisch Deutsch, sagte Geißler. Und so lässt sich für ihn also auch in einem Zehn-Punkte-Plan nicht festschreiben, was denn "Deutsch sein" eigentlich alles umfasst.

Eine verbindliche Kultur lässt sich nicht festlegen

Ähnlich hatte in der HuffPost auch schon der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz de Maizières Vorschlag kritisiert. In einem Gastbeitrag schrieb er, dass der Innenminister mit seinem Zehn-Punkte-Plan festschreiben wolle, was zur deutschen Kultur gehöre.

"Aber diese Gepflogenheiten haben sich im Laufe der Zeit geändert und sie ändern sich weiter. Mit einem eher statischen Leitkultur-Begriff werden diese Prozesse nicht erfasst", schrieb er.

Beide CDU-Politiker sind sich also einig: So einfach wie de Maizière kann man es sich nicht machen. Eine verbindliche Kultur für alle festlegen zu wollen, wird nicht funktionieren. Dafür ist die Kultur einfach zu dynamisch.

"Das Grundgesetz ist unsere Leitkultur"

Auch Geißler hielt den Begriff in der Sendung für "missverständlich".

Geißler erklärte: "Da wird der Versuch unternommen, zu definieren, was Deutsch ist. Wir gehen ja davon aus, dass es einen Verfassungspatriotismus gibt. Das Grundgesetz ist unsere Leitkultur. Jetzt meint er (de Maizière, Anm.) aber, dass es darüber noch Dinge gibt, die typisch Deutsch sind." Da könne man bei ein paar Sachen ein Fragezeichen machen.

"Nationalität passt in jede Ideologie"

2000 hatte Geißler den "Leitkultur"-Begriff noch viel schärfer kritisiert: "Das ist ein Begriff, da kann sich jeder Nazi daran abstützen", sagte er damals. Soweit wollte er in der Sendung dann doch nicht mehr gehen.

Er glaubte aber auch, dass der Vorschlag des Innenministers im Wahlkampfjahr dazu gedacht war, den Rechtspopulisten entgegen zu kommen.

Mit einer nationalen Ideologie konnte Geißler allerdings nichts anfangen. Zum Nationalstolz gefragt, sagte Geißler in der Sendung: "Stolz kann man nicht sein, das ist ja Unsinn. Das ist mit Überheblichkeit verbunden, anderen Nationen gegenüber."

Blanker Unsinn sei das, den Stolz auf die eigene Nation so in der Vordergrund zu stellen. "Nationalität ist x-beliebig, die kann man in jede Ideologie einbauen", sagte Geißler.

Und wie de Maizière mit seinem Vorstoß gezeigt hat: Auch in jeden Wahlkampf.

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(bp)

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