NACHRICHTEN
05/05/2017 17:38 CEST | Aktualisiert 05/05/2017 18:02 CEST

Die dunkle Seite der Digitalisierung: Wie der technische Fortschritt der Umwelt schadet

MichaelUtech via Getty Images
Die dunkle Seite der Digitalisierung: Wie der technische Fortschritt der Umwelt schadet

  • Die Digitalisierung gilt als Antreiber des Umweltschutzes

  • Eine Studie zeigt allerdings: Mit neuen Technologien steigt auch der Rohstoffhunger - und damit die Umweltbelastung

Neue Technik und Software gelten als Antreiber umweltschonender Verfahren. Man denke etwa an den Tech-Konzern Tesla: Visionär Elon Musk träumt von Autos, die selbst fahren und mit ihrem E-Antrieb die Umwelt schonen.

Das klingt nach guten Nachrichten für den Planeten.

Eine Studie von Februar 2017 zeigt aber auch: Die Digitalisierung birgt eine dunkle Seite. Laut einer Untersuchung der deutschen NGO Powershift wird die Industrie 4.0, also der technische Wandel, mehr Rohstoffe und Energien verschlingen, als oft angenommen wird.

"Wir verbrauchen von allem immer mehr"

Die vermehrte Digitalisierung in den vergangenen zwei Jahrzehnten habe den Verbrauch von natürlichen Rohstoffen nicht gesenkt, lautet das Fazit der Studie. “Im Gegenteil – wir verbrauchen von allem immer mehr: mehr fossile Energieträger, mehr Metalle und Mineralien, mehr Baumaterialien und mehr Biomasse”, heißt es dort.

Das lässt sich auch am Beispiel der E-Autos sehen: “Der Bergbaukonzern BHP Billiton rechnet vor”, zitieren die Autoren der Studie, “dass in einem konventionellen Verbrennungsmotor knapp 20 Kilogramm Kupfer verbaut sind. In einem Hybrid-Auto wird bereits die doppelte Menge verwendet und in einem elektrischen Auto 80 Kilogramm.”

Laut BHP Billiton steige daher die Kupfernachfrage bis 2035 um 8,5 bis zwölf Millionen pro Jahr. Das Fazit für diese Sparte fällt daher aus rohstoffpolitischer Sicht negativ aus: Zwar ersparen E-Autos der Atmosphäre umweltschädliche Abgase. Aber am aktuellen Problem eines zu hohen Rohstoffverbrauchs ändere das nichts, heißt es in der Studie.

Das Konsumverhalten müsse sich drastisch ändern

Der hohe Verbrauch von Rohstoffen ist nach wie vor eines der größten Umweltprobleme. Die Organisation Germanwatch und das Netzwerk Inkota warnten Mitte April: Das Konsumverhalten, insbesondere in den reichen Industriestaaten, müsse sich drastisch ändern.

Die Menschen in Deutschland hätten beispielsweise schon am 24. April so viele nachwachsende Ressourcen verbraucht, wie die Bundesrepublik in diesem Jahr erzeugen werde, teilten die Umweltschützer mit.

Lithiumverbrauch steigt um Faktor 200

Die Studie von Powershift über die dunkle Seite der Digitalisierung wurde von der linken Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert. Die Zahlen basieren auch auf einer Studie der staatlich finanzierten Deutschen Rohstoffagentur (DERA).

Auch die Bundesregierung weiß also um den Rohstoffhunger der digitalen Technologien. Die DERA hat den Verbrauch von 42 Zukunftstechnologien betrachtet und daraus den zukünftigen Rohstoffbedarf für das Jahr 2035 errechnet.

Der Verbrauch von Lithium wird demnach fast ums zweihundertfache wachsen. Der Rohstoff wird unter anderem für Akkus benötigt.

So viele Chancen die Digitalisierung also bietet: Die Studie von Powershift zeigt, dass neue Technologien nicht automatisch zu einer nachhaltigeren Industrie führen werden. Es braucht auch Innovationen, um Technologien mit weniger Rohstoffen herstellen zu können.

Mehr zum Thema: Ein Mann aus Billerbeck in NRW zeigt, wie man eines der größten Umweltprobleme lösen kann

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ks)

Sponsored by Trentino