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05/05/2017 03:11 CEST | Aktualisiert 05/05/2017 09:15 CEST

Das Wasser im indischen Hyderabad ist voll mit Antibiotika - das ist für uns alle eine Gefahr

Hindustan Times via Getty Images
In Hyderabad in Indien haben die Wissenschaftler viel zu viel Antibiotika im Wasser gefunden.

  • Im indischen Hyderabad ist das Wasser mit Antibiotika kontaminiert

  • Das macht gefährliche Erreger noch bedrohlicher

  • Denn die Bakterien bilden Abwehrmechanismen gegen die Arznei

Ratiopharm, Hexal und Stada: Fast alle großen deutschen Generikahersteller produzieren im indischen Hyderabad. Die Pharmafirmen beliefern von hier aus die Welt mit ihren Pillen. Sie versprechen, die anfallenden Abwässer würden direkt auf den Fabrikgeländen gereinigt und aufbereitet.

Ob das stimmt, ist fraglich. Denn Recherchen von NDR, WDR und der "Süddeutschen Zeitung" zeigen, wie verseucht die Gewässer in Hyderabad sind. Das Schlimme: Die Reporter haben große Mengen an Antibiotika in der Umwelt gefunden.

Der Infektionsmediziner Christoph Lübbert vom Universitätsklinikum Leipzig entnahm im vergangenen November Wasserproben in Hyderabad. Deren Analyse zeigte, dass das Wasser in der indischen Metropole mit Antibiotika und Pilzmedikamenten kontaminiert sind.

Grenzwerte klar überschritten

"Die Konzentrationen lagen teils hundertfach oder gar mehrere Tausend Mal über vorgeschlagenen Grenzwerten für die jeweiligen Substanzen", schreibt die "Tagesschau" auf ihrer Website.

Zwar ist nicht bewiesen, dass die Schadstoffe von den Pharmafirmen ins Wasser geleitet wurden. Doch etwa der renommierte, schwedische Umweltpharmakologe Joakim Larsson ist der Meinung, die Schadstoffe müssten von Industrieabwässern kommen.

Es gebe keine andere vernünftige Erklärung für die extrem hohen Schadstoffwerte.

Das große Probleme an der Kontamination: Bakterien reagieren auf das Antibiotika und bilden Abwehrmechanismen gegen das Heilmittel.

Wettbewerbsvorteil mittels Antibiotikaresistenz

Dadurch können die Erreger antibiotikaresistent werden. Da sie so in der mit Antibiotika verseuchten Umwelt besonders gut überleben können, breiten sie sich auch mehr aus als Bakterien, die keine solchen Abwehrmechanismen entwickelt haben.

Infizieren die resistenten Bakterien Menschen, ist es für Ärzte schwierig, gegen die Erreger vorzugehen. Denn gegen sie sind Antibiotika nahezu wirkungslos. Die Mediziner verlieren damit ihre wichtigste Waffe im Kampf gegen gefährliche Bakterien.

Noch schlimmer wird es, wenn sich die resistenten Bakterien weltweit ausbreiten. Wie die "Tagesschau" schreibt, berichteten Klinikärzte davon, dass zunehmend Patienten resistente Bakterien aus aller Welt nach Deutschland einschleppen.

Forscher befürchten deshalb, dass in Indien multiresistente Bakterien heranwachsen, die dann von Reisenden in alle Welt getragen werden - auch zu uns.

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(bp)

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