Für YouTube-Videos: Eltern missbrauchten ihre Kinder für böse Scherze - jetzt ermittelt die Polizei

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MARTIN
Den Martins wurde das Sorgerecht für ihre zwei jüngsten Kinder entzogen | DaddyOFive / Youtube
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Ein bitterlich weinender kleiner Junge und ein wütend brüllender Vater: Die Szenen, die bis vor kurzem in den Videos des YouTube-Kanals DaddyOFive zu sehen waren, sind schockierend.

Seit August 2015 haben Heather und Michael Martin Videos mit ihren Kindern gedreht und sie dort hochgeladen. Sie zeigten nur harmlose “Scherze” und die Szenen seien gestellt, beteuern die Eltern. Insbesondere die Aufnahmen des neunjährigen Cody sprechen sehen alles andere als harmlos aus.

Nun ist etwas passiert, das die Martins bestimmt nicht beabsichtigt haben: Sie haben das Sorgerecht für die beiden jüngsten Kinder verloren.

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Die Polizei und das Jugendamt untersuchen nun den Fall

Die Polizei von Maryland und das Jugendamt untersuchen den Fall von Mike und Heather Martin, wie sie der HuffPost USA am Mittwoch bestätigten. Die Polizei von Baltimore hat zudem eine eigene Ermittlung eingeleitet.

Die Videos zeigen “Pranks” ("Scherze"), die die Martins mit ihren Kindern treiben. Die Eltern beschuldigen ihre Kinder, etwas angestellt zu haben, was die Kinder gar nicht getan haben. Sie beschimpfen die Kinder mit heftigen Kraftausdrücken, schubsen sie - und in manchen Videos ist auch deutlich zu sehen, wie die Kinder geohrfeigt und geschlagen werden.

Die "Scherze" richteten sich meist gegen das jüngste Familienmitglied

Besonders häufig richteten sich diese Späße gegen Cody, das jüngste Familienmitglied. In einem Video etwa wird der 9-Jährige beschuldigt, sein Zimmer in Unordnung gebracht zu haben.

Er wird von der Mutter angeschrien, vom Vater durchs Haus gejagt. Am Gesichtsausdruck und der Körpersprache des Kindes ist eindeutig abzulesen, dass es große Angst hat.

In einem anderen Video wird Cody von einem seiner älteren Geschwister zu Boden gedrückt. Obwohl der kleine Junge weint und wiederholt sagt, dass er kaum Luft bekommt, hören die Eltern nicht auf zu lachen und zu filmen.

Die meisten Videos enden mit einem weinenden Cody, während die Eltern beteuern, doch “nur Spaß” gemacht zu haben.

Die Martins verdienten mit den Videos bis zu 350.000 Dollar im Jahr

Inzwischen ist den Eltern offenbar klar geworden, dass ihr Verhalten vollkommen unangebracht war. “Bitte vergesst nicht: Diese Videos sind nicht real", sagen sie in einem Statement auf der Seite von DaddyOFive.

"Es wird darin geschauspielert und die Videos sollen nur der Unterhaltung dienen. Keinem der Kinder wurde während des Drehs Schaden zugefüg."

Das Bildmaterial selbst spricht jedoch eine andere Sprache. Obwohl in den Videos eindeutig psychische und physische Gewalt gegen Kinder dokumentiert wird, hatte der Kanal mehr als 762.000 Follower.

Und an denen verdienten die Martins dem “New York Times Magazine” zufolge zwischen 200.000 und 350.000 US-Dollar im Jahr.

Doch dann lenkte der YouTube-Blogger Philip DeFranco mit einem eigenen Video die Aufmerksamkeit auf die beunruhigenden “Scherze” von DaddyOFive. Sein Video wurde mehr als 3,8 Millionen Mal angesehen.

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Jetzt zeigen die Martins verspätete Reue

Michael Martin schien von DeFrancos Urteil zunächst eher wenig beeindruckt. Er beschuldigte ihn vielmehr, eine “glückliche Familie” zerstören zu wollen.

Doch mittlerweile geben sich die Eltern reumütig. Nachdem eine polizeiliche Untersuchung gegen die beiden eingeleitet wurde, löschten sie die Videos von den “Scherzen”. Ein einziges Video ist nun noch zu finden, in dem eine tränenreiche Entschuldigung der Martins zu sehen ist.

“Das war die schrecklichste Woche unseres Lebens", sagt Heather Martin. "Uns ist nun klar, dass wir als Eltern einige sehr schlechte Entscheidungen getroffen haben. Wir wollen unseren Fehler wieder gutmachen.”

Michael Martin fügt hinzu: “Ich stimme zu, dass wir Dinge im Internet online gestellt haben, die dort nichts verloren haben.” Er sehe auch ein, dass sie Dinge getan hätten, die man nicht machen sollte.

Die beiden jüngsten Kinder wurden aus der Familie genommen

Die Reue rührt mitunter daher, dass die beiden jüngsten Kinder, neun und elf Jahre alt, aus der Familie genommen wurden. Sie leben seit vergangenem Freitag bei ihrer leiblichen Mutter Rose Hall.

Hall war vor Jahren mit Michael Martin liiert gewesen. Aus dieser Beziehung waren Emma und Cody hervorgegangen, die nach einem heftigen Streit um das Sorgerecht bei ihrem Vater lebten.

Die Mutter, die in Nord-Kalifornien lebt, hatte Cody seit 2014 und Emma seit 2015 nicht mehr gesehen. Sie hatte jedoch bereits vorher versucht, das Sorgerecht für ihre beiden Kinder zurückzubekommen.

Cody bekommt nun therapeutische Hilfe

In einem ihrerseits auf YouTube veröffentlichen Video sagt Hall, es sei “herzzerbrechend” gewesen, sich die Videos von DaddyOFive anzusehen.

“Cody geht es soweit gut", sagt sie darin. "Doch er hat einen weiten Weg vor sich und wird wohl lange therapeutische Hilfe benötigen.”

Während Cody und Emma zu Hall umziehen konnten, verbleiben die drei leiblichen Söhne von Heather Martin bei ihr und ihrem Ehemann. Die Untersuchungen der Polizei und des Jugendamtes gegen die Martins dauern noch an.

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(lk)

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