"Sie Parasit!": 5 irrsinnige Momente aus dem französischen TV-Duell

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DEBAT MACRON LE PEN
"Sie verkaufen den Franzosen Schlangenöl": Die 5 irrsinnigsten Momente des TV-Duells in Frankreich | POOL New / Reuters
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Unversöhnlich und emotional - beim TV-Duell der beiden französischen Präsidentschaftskandidaten am Mittwochabend lieferten sich die Kandidaten einen denkwürdigen Schlagabtausch.

Stellenweise fauchten sich Emmanuel Macron und seine Konkurrentin Marine Le Pen so derb an, dass die Moderatoren nur noch hilflos zuschauten.

Eine hart geführte Debatte war zu erwarten gewesen, immerhin haben der sozialliberale Macron und die Rechtspopulistin Le Pen komplett unterschiedliche Programme.

Doch das Duell lief gleich mehrfach aus dem Ruder.

Statt über Inhalte zu diskutieren, überzogen sich die beiden Kandidaten mit persönlichen Anschuldigungen.

Hier sind die fünf irrsinnigsten Momente des TV-Duells.

1. Gleich die erste Frage nutzt Le Pen zum Frontalangriff

Moderatorin Nathalie Saint-Cricq eröffnete das TV-Duell mit einer unverfänglichen Frage: “Frau Le Pen, wie geht es Ihnen?”, fragte sie.

Die Rechtspopulistin fackelte nicht lange und nutzte die Frage als Steilvorlage für einen Frontalangriff auf Macron. Sie sei froh über das Ergebnis des ersten Wahlgangs, denn die Franzosen stünden nun vor einer klaren Entscheidung: einen Kandidaten der “wilden Globalisierung” oder eben Le Pen, die Kandidatin des Volkes.

Ihre Einstiegsattacke dauerte knapp zwei Minuten und hörte sich an, als ob sie sie auswendig gelernt hätte.

2. Macron bezeichnet Le Pen als Lügnerin - wenig später sagt sie eine Unwahrheit

Aber auch Macron hielt sich nicht zurück, sondern attackierte seine Konkurrentin direkt persönlich. “Ihre Strategie ist es seit Jahrzehnten, eine Menge Lügen zu erzählen und zu sagen, was in unserem Land falsch läuft - aber Sie schlagen keine Lösungen vor.”

Le Pen tat ihm den Gefallen und sagte nur wenige Minuten später etwas, das nicht der Wahrheit entsprach. Macron habe als Wirtschaftsminister den Verkauf des französischen Rundfunkunternehmens SFR angeleiert - und damit auch Arbeitsplätze verschwinden lassen.

Macron widersprach, er sei damals nicht Minister gewesen. “Natürlich waren Sie Minister”, warf Le Pen ein. Tatsächlich wurde der Verkauf unter Macrons Vorgänger Arnaud Montebourg beschlossen.

Es war nicht die einzige Aussage Le Pens während der Debatte, die nicht den Fakten folgte.

3. Die Moderatoren müssen hilflos zu schauen

Im TV-Duell sollten eine Reihe von Themen abgearbeitet werden, etwa, wie beide Kandidaten die Arbeitslosigkeit in Frankreich bekämpfen würden. Stattdessen beharkten sich Macron und Le Pen lieber minutenlang.

Die Moderatoren mussten meist hilflos zu schauen. Nach einer halben Stunde ermahnte Moderatorin Nathalie Saint-Cricq die beiden Kandidaten, sie müssten jetzt zu einem weiteren Thema kommen. Es folgten zwei Minuten weiterer gegenseitiger Attacken.

Internet-Nutzer verspotteten die beiden Journalisten, die das TV-Duell leiten sollten.

Für viele Nutzer stand ein Bild von Moderatorin Saint-Cricq stellvertretend für den Abend.

Ein Nutzer schrieb auch: “Entführungs-Alarm: Wir suchen die beiden Journalisten, die seit 21 Uhr verschwunden sind.”

Die beiden Journalisten, Nathalie Saint-Cricq und Christophe Jakubyszyn, hatten ihre liebe Not damit, die Debatte immer wieder in richtigen Bahnen zu lenken.

4. Die Beschimpfungen wurden immer wüster

Beide Kandidaten ließen sich immer wieder neue Attacken für ihren Gegner einfallen. Macron bezeichnete Le Pen als Lügnerin, als “Hohepriesterin der Angst”, als “Erbin der extremen Rechten in Frankreich”.

"Sie sind ein Parasit", attackierte er Le Pen weiter, denn sie lebe vom System, das sie kritisiere.

Die Rechtspopulistin sei außerdem mit ihrer radikalen Politik ein Geschenk für Terroristen.

Le Pen vertrete zudem einen “Geist der Niederlage”, weil sie Frankreich schlechter mache, als es tatsächlich sei.

“Das Land ist Ihnen nicht wichtig, sie haben kein Projekt. Ihr Wahlkampf aus Lügen und Unwahrheiten nährt sich aus Angst”, warf Macron seiner Konkurrentin am Ende vor.

Le Pen nannte Macron im Gegenzug den Kandidaten der “wilden Globalisierung”, der Frankreich der Masseneinwanderung ausliefern wolle. Sie warf ihm vor, vielleicht nie aufgehört zu haben, ein Banker zu sein.

Er verkaufe den Franzosen mit seinem Programm “Schlangenöl”.

Außerdem bezeichnete sie Macron als “Hollande Junior”. Macron war zwei Jahre Wirtschaftsminister im Kabinett von Frankreichs amtierenden Präsidenten, Francois Hollande.

5. Le Pen sieht Ungleichheiten zwischen Frankreich und Deutschland als “Keime des Krieges”

Le Pen warf Macron vor, sich Deutschland und damit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu unterwerfen. Der europafreundliche Kandidat Macron hatte Merkel mehrfach gelobt - zuletzt Deutschland aber auch angegriffen.

Bei einem Wahlsieg Macrons würde Deutschland die Geschicke Frankreichs lenken, spitzte Le Pen ihre Attacke zu.

"So oder so wird Frankreich künftig von einer Frau regiert - entweder von mir oder von Frau Merkel", sagte Le Pen. “Es sind die Ungleichgewichte in den Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, die in der Wirklichkeit die Keime des Krieges sind.” Worin dieser Krieg bestehe, führte Le Pen nicht weiter aus.

Macron verteidigte seine Position. Er wolle mit Deutschland zusammenarbeiten, das Nachbarland sei nicht der Feind der Franzosen. “Der wahre wirtschaftliche Feind ist China”, sagte er.

Nach zweieinhalb Stunden war das Duell schließlich zu Ende. Laut einer Umfrage konnte Macron mehr Zuschauer von sich überzeugen. Laut 63 Prozent der befragten Zuschauer gewann er, 34 Prozent sahen Le Pen vorne, berichtete der Sender BFMTV.

Manche Franzosen dürfte das hitzig geführte Duell eher ratlos zurückgelassen haben. Eine Karikatur brachte das auf den Punkt. Darin schreien sich die Beiden Kandidaten an: “Beruhigen Sie sich.” “Nein, beruhigen Sie sich.” Und so weiter.

Meinungsforscher schätzen, dass immer noch mindestens 15 Prozent der Wahlberechtigten unentschlossen seien, wem sie am 7. Mai in der Stichwahl ihre Stimme geben wollen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Einer letzten Umfrage zufolge führt Macron mit 59 Prozent vor Le Pen mit 41 Prozent.

Mit Material der dpa

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(lp)

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